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Zeitfragen | Beitrag vom 04.12.2019

Über das Würzen von SpeisenDer Löwe frisst die Antilope pur

Von Andrea Westhoff und Justin Westhoff

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'Le Lion, ayant faim, se jette sur l'Antilope' (Der hungrige Löwe wirft sich auf die Antilope) von Henri Rousseau (1844-1910) in Öl auf Leinwand (picture alliance / akg-images)
Gewürze zu benutzen ist allzu menschlich: Ausschnitt aus Henri Rousseaus Ölmalerei "Der hungrige Löwe". (picture alliance / akg-images)

Es gibt Rezepte mit Gewürzen, die sind fast 4000 Jahre alt. Und schon in der Steinzeit wurden Speisen mit Pflanzenteilen verfeinert, als Heilmittel oder für kultische Zwecke genutzt. Anhand von Gewürzen lässt sich ein Stück Menschheitsgeschichte erzählen.

Was unterscheidet die menschliche Nahrungsaufnahme von der tierischen? Vor allem das ausgeprägte Bedürfnis, die Nahrung zu würzen. Erste schriftliche Zeugnisse über Gewürze, Tontafeln mit Kochrezepten, in denen Kümmel, Koriander und Knoblauch benutzt werden, sind fast 4000 Jahre alt, das Würzen aber noch viel älter: Vermutlich nutzten Menschen schon seit der Steinzeit Pflanzenteile, um Speisen zu würzen. Und sie experimentierten auch mit Gewürzen als Heilmittel, zur Herstellung von Parfüms, als Aphrodisiakum oder für kultische Zwecke – Archäologen haben in der Nase einer ägyptischen Mumie 30 Pfefferkörner entdeckt.

Rolle des Gewürzhandels in Kolonialgeschichte

Das starke Verlangen nach Gewürzen bekam daher im Verlauf der Weltgeschichte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Bedeutung. So spielten Gewürze eine wichtige Rolle beim Aufstieg und Fall europäischer Handelsstädte, sie stimulierten zu Entdeckungsreisen (Kolumbus schrieb 1492, er sei auf der Suche "nach Gold, Gewürzen und neuen Ländern"), und auch in der Kolonialgeschichte spielte der Gewürzhandel eine Rolle.

Späte Gewöhnung der Deutschen an Knoblauch

Heute sind die meisten Gewürze im Supermarkt für ein paar Cent oder Euro zu haben und buchstäblich in aller Munde. Dadurch sind sie zwar kein Standesmerkmal mehr, und es hat auch eine gewisse "Internationalisierung der Koch- und Essgewohnheiten" gegeben. Aber gerade bei Gewürzdüften und -geschmäckern zeigt sich, dass Sinneswahrnehmungen nicht nur eine biologische, sondern auch eine kulturelle Dimension haben. Die Gewöhnung deutscher Gaumen an Knoblauch etwa geschah erst Ende der 1960er-Jahre, im Gefolge der ersten Reisewellen nach Südeuropa.

(wist)

Redaktion: Winfried Sträter
Regie: Stefanie Lazai
Technik: Jan Fraune
Sprecherinnen: Antonia Holfelder, Julia Brabandt

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