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Mittwoch, 02.12.2020
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 7. November 2020

Über 1.000 Wortneuschöpfungen wegen Corona

Sprachforscherinnen und Sprachforscher haben im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie über 1.000 Wortneuschöpfungen gesammelt. Es kämen immer noch neue Wörter hinzu, sagte Annette Klosa-Kückelhaus vom Mannheimer Leibniz-Institut für Deutsche Sprache der Zeitung "Die Welt". Neben Kreationen wie "Corona-Abitur" oder "Abstandsgebot" werde das Wort "Corona" selbst in zahlreichen Zusammenhängen genutzt, wenn man zum Beispiel sage, dass "vor Corona" alles anders war. Die Wissenschaftlerin warb für eine verständliche Sprache von Politik und Behörden. So verstünde kaum jemand, was etwa "eingeschränkter Regelbetrieb in Schulen" bedeuten solle. Herabsetzungen wie "Covidiot" oder "Wirrologe" kämen nur vereinzelt vor.

Argentinischer Filmemacher Solanas gestorben

Pino Solanas, einer der bekanntesten Filmemacher und Politiker Argentiniens, ist tot. Mitte Oktober hatte Solanas selbst über soziale Netzwerke noch darüber informiert, dass er mit Covid 19 auf der Intensivstation eines Pariser Krankenhauses liegt. Am Freitag hat er den Kampf gegen die Krankheit verloren. Solanas wurde 84 Jahre alt und vertrat zuletzt sein Land als Botschafter bei der Unesco. Bekannt wurde er als Mitbegründer des Politischen Kinos in Südamerika. Das europäische Autorenkino war ihm zu harmlos. Als Anhänger von Juan Peron und als Gegner der Diktatur bezog er wesentlich eindeutiger Stellung. Solanas prangerte in seinen Filmen soziale Missstände an und kritisierte die USA, die aus seiner Sicht den Rest Amerikas bis heute ausbeuten und unterdrücken. Zeitweise waren seine Filme in Argentinien verboten. Sie haben die politische Debatte Argentiniens geprägt. Für die Linke war er ein wichtiges Vorbild. Seit den 90er-Jahren war Solanas auch politisch aktiv und zog für verschiedene Parteien aus dem linken Spektrum mehrfach ins Parlament ein. 2004 wurde er bei der Biennale für sein Lebenswerk geehrt.

Deutscher Hörspielpreis der ARD für "Einsteins Zunge"

Das Hörspiel "Einsteins Zunge. Aus dem Nachlass meines Bruders" von Christoph Buggert hat den Deutschen Hörspielpreis der ARD gewonnen. Die Produktion des Liquid Penguin Ensembles für den SR und den MDR erzählt aus der Sicht des Bruders die Geschichte eines toten Mannes, der unbemerkt auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens war. Der Preis wird während der ARD-Hörspieltage verliehen, die eigentlich in Karlsruhe über die Bühne gehen, dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aber nur digital stattfanden. Die Ehrung gilt als höchstdotierter Hörspielpreis im deutschsprachigen Raum. Die Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio sowie ORF und SRF konnten dazu Stücke einreichen. Für die beste schauspielerische Leistung in einem Hörspiel wurde Carina Wiese ausgezeichnet. Gewinner des Publikumspreises wurde das HR-Hörspiel "Hyperbolische Körper" von Andrea Geißler.

Hamburger Kurzfilmfestival vergibt Preise

Auch wenn die Ersatz-Version des Hamburger Kurzfilm-Festivals wegen des Teil-Lockdowns ebenfalls abgesagt werden musste, sind nun die Preise für die besten Filme vergeben worden. Gewinner ist der belgisch-russische Film "Sun Dog" über die Arbeiten eines Schlossers im arktischen Murmansk. Als Kandidat für die European Film Awards wurde der französische Film "Genius Loci" ausgewählt. Den mit bis zu 6000 Euro dotierten Arte-Kurzfilmpreis erhielt die brasilianische Produktion "Swinguerra". Das 36. Kurzfilm-Festival Hamburg war ursprünglich für Anfang Juni geplant und musste coronabedingt abgesagt werden. Stattdessen sollten alle Filme komprimiert vom 5. bis zum 8. November im Kino laufen. Der Teil-Lockdown verhinderte auch das.

Überdimensionaler Schriftzug erinnert an Berliner KZ

Mit einem überdimensionalen Schriftzug soll ab Mitte 2021 an das einzige Konzentrationslager in Berlin erinnert werden. Es stand auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Dort wurde das frühere Columbia-Haus zwischen 1934 und 1936 von der SS zum "KZ Columbia" umfunktioniert. Insgesamt waren dort etwa 8.000 Männer inhaftiert. Der nun geplante Schriftzug des Berliner Architekten Marin Bennis lautet "nicht mehr zu sehen". Er ist 42 Meter lang und soll auf einer ansteigenden Böschung installiert werden. Die einzelnen Buchstaben bestehen aus Stahlrahmen, die mit Backstein-Schutt gefüllt werden sollen, um so an das frühere Gebäude zu erinnern. Bisher sei die Bedeutung dieses Ortes nicht deutlich geworden, sagte Andrea Riedle, Direktorin der Berliner Stiftung "Topographie des Terrors".

Offener Brief der Berliner Bühnen an Michael Müller

Mit einem offenen Brief haben sich die Leitungen von 23 Berliner Bühnen und Veranstaltungsorten an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller gewandt und die schnellstmögliche Öffnung ihrer Häuser verlangt. Sie betonen, dass sie die unmittelbare Notwendigkeit für ein schnelles und konsequentes Handeln angesichts der Gefahren der Pandemie verstehen. Zugleich seien sie aber sehr besorgt, dass ihren Häusern nachhaltiger Schaden droht. Zum Schluss des Briefes appellieren die Leitungen der größten und wichtigsten Bühnen der Stadt an den derzeitigen Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz: "Unsere Häuser in den folgenden Monaten wieder bespielen zu können, eröffnet mehr Chancen, als dass es Risiken birgt. Bitte geben Sie den Berlinerinnen und Berlinern, unseren Gästen sowie den Kulturschaffenden – wenn irgend möglich – diese Chancen zurück."

NRW-Ministerin warnt Kultur vor Öffnungsforderungen

Nordrhein-Westfalens Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen hat an die Kulturbranche appelliert, die harten Einschränkungen in der Corona-Krise mitzutragen. Die Kultur müsse aufpassen, dass sie nicht immer eine Extrawurst brate, sagte die parteilose Politikerin im Kulturausschuss des Landtags. Die Szene solle sich "nicht zu sehr aus dem gesellschaftlichen Konsens herausbewegen". Das könne ihr dauerhaft schaden. Die Kultur hatte kritisiert, dass Theater und Museen trotz strenger Hygiene-Konzepte ebenso schließen mussten wie Gastronomie und Freizeiteinrichtungen. In Frankfurt am Main wird die Forderung der Kultureinrichtungen nach baldigen Öffnungen unterstützt. Bei den nächsten Lockerungen sollten sie als erste wieder öffnen dürfen, sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Berlin beruft erste Intendantin ans Deutsche Theater

Iris Laufenberg, derzeit geschäftsführende Intendantin des Schauspielhauses Graz, wird 2023 Intendantin des Deutschen Theaters Berlin. Das teilte das Grazer Theater unter Berufung auf Berlins Kultursenator Klaus Lederer mit.
Laufenberg werde als erste Frau das "DT" mit der Spielzeit 2023/2024 für zunächst fünf Spielzeiten übernehmen. Dem Berliner Publikum ist sie bereits durch ihre zehn-jährige Tätigkeit als Leiterin des Theatertreffens der Berliner Festspiele bekannt. In seiner Mitteilung dankte Kultursenator Lederer dem Intendanten des Deutschen Theaters, Ulrich Khuon, für seine kooperative und engagierte Unterstützung bei seiner Nachfolge.

"Uriah-Heep"-Mitgründer Ken Hensley ist tot

Der britische Rockstar Ken Hensley ist tot. Wie sein Management mitteilte, starb er bereits am Mittwoch im Alter von 75 Jahren. 1970 zählte Hensley zu den Gründern der Rockband Uriah Heep, die über 40 Millionen Tonträger verkaufte. Mit Songs wie "Lady in Black" und "Love or Nothing" begeisterten die Musiker Fans in aller Welt. Hensley stammte aus London und spielte bis 1980 bei Uriah Heep. Zuletzt lebte er mit seiner Frau Monica in Spanien. Dort soll er auch beerdigt werden.

Israelischer Lyriker Zach gestorben

Der israelische Lyriker Natan Zach ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren, bestätigten israelische Medien und das Scheba-Krankenhaus nahe Tel Aviv. Kulturminister Hili Tropper nannte Zach einen der bedeutendsten Lyriker des Landes. Sein Einfluss auf die israelische Kultur werde Generationen andauern. Präsident Reuven Rivlin und Verteidigungsminister Benny Gantz würdigten den Künstler via Twitter. Zach wurde in Berlin geboren. Seine Familie emigrierte Mitte der 30er Jahre nach Israel. Für seine Arbeit ist er mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Nach Angaben des Suhrkamp-Verlags übersetzte er auch Werke von Bertolt Brecht und Max Frisch.

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