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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 26.02.2016

TV-Tipp: "Der Tel Aviv-Krimi" in der ARDEine deutsche Ermittlerin in Israel

Von Bernd Sobolla

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Blick auf die Skyline von Tel Aviv (dpa / picture alliance)
Blick auf die Skyline von Tel Aviv (dpa / picture alliance)

Abseits von "Tatort" und Co. gibt es jede Menge TV-Kommissare, die auch im Ausland ermitteln. Neu dabei: Sara Stein, gespielt von Katharina Lorenz, recherchiert im März einen Mordfall im "Tel Aviv Krimi" im Ersten. Ob die Serie das Zeug zum Quotenhit hat?

Berlin, Kreuzberg, Nachtleben, die DJane Tamar Levi wird ermordet vor einem Club aufgefunden. Tamar stammt aus Tel Aviv, und nicht weit entfernt vom Tatort findet die Polizei Tamars Freund, den Palästinenser Khalid. Für Tamars Schwester eine klare Sache.

"Sie war immer so rebellisch, so wild. … Daran ist Khalid schuld. Das hat sie davon, sich mit so einem einzulassen. Ich würde mich nicht wundern, wenn er sie umgebracht hat."  
"Khalid ersticht ihre Schwester und kommt dann hier her, um zu warten, dass sie stirbt?"  
"Damit alle glauben, er ist unschuldig. So machen die das immer."  
"Wer die?"  
"Die Palästinenser."

Die ermittelnde Kommissarin Sara Stein hat allerdings ihre Zweifel, auch wenn die ersten Ermittlungsergebnisse den Verdacht der Schwester bestätigen.

"Also ich habe mich mal umgehört letzte Nacht: In der Szene scheint sie ein ziemlicher Star gewesen zu sein – und eine Schlampe."
"Hat wahrscheinlich wild rumgevögelt."
"Ja."
"Na ja, die Leute sagen, ihr Freund sei ziemlich eifersüchtig gewesen. Die beiden hatten dauernd Krach."

Der bisher zweiteilige Krimi soll das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis thematisieren, insbesondere die Tendenzen, dass viele junge Israelis nach Berlin ziehen und Deutsche nach Jerusalem oder Tel Aviv, um zu studieren oder Start-up-Firmen zu gründen. Ursprünglich war geplant, die Serie in Tel Aviv zu beginnen. Dorthin zog es laut Drehbuch die Berliner Jüdin Sara Stein. Aber als dort 2014 gedreht werden sollten, kam der Gaza-Krieg dazwischen. Regisseur Matthias Tiefenbacher musste einen neuen Ansatz finden.

"Daraus entstand dann die Idee, wie nennt man das Neue-Deutsch, Prequel zu erzählen. Also die Geschichte vor der Geschichte sozusagen. Also der letzte Fall dieser Kommissarin in Berlin, bevor sie sich aufmacht nach Tel Aviv. Was eigentlich eine riesige Chance war, wie sich dann herausstellte, weil man mit den Themen, mit denen man auch in Tel Aviv arbeiten wollte, schon mal arbeiten konnte."

Gerüchte über einen palästinensischen Mörder

Der Anstoß zur ersten Folge in Berlin war ein Zeitungsartikel, in dem geschildert wird, wie ein Israeli in Berlin von Arabern zusammengeschlagen wurde, aber nicht zur Polizei gehen wollte, weil er Arabern grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber steht.

"Der Arabisch perfekt sprach. Und das auch mit Engagement, weil er nämlich mit Arabern in Palästina gearbeitet hat. Ein sehr engagierter Mensch war, also überhaupt nicht in die Schablone passte, die ihm die Abreibung letztendlich verursacht hat. Und dieser große Bogen, dass alles nicht so ist, wie es scheint, und dass jeder Gefangener seines eigenen Vorurteils ist, das erschien uns ein gute inhaltliche Überschrift für unsere Geschichte."

Schon bald kursieren im Internet Geschichten, dass Tamar von ihrem palästinensischen Freund ermordet worden sei und dass es einen politischen Hintergrund für die Tat gebe. Der Druck auf Sara Stein steigt, möglichst schnell Ermittlungserfolge zu präsentieren. Auch wenn sie selber daran zweifelt. Denn plötzlich taucht auch der strenggläubige Jude Avigdor auf. Er war Tamar aus Israel gefolgt, und wollte sie vielleicht auf den Weg der Tugend zurückführen, fernab des lasterhaften Szenelebens von Berlin.

"Ich kann diese Verschwörungstheorien nicht mehr hören. Das sind alles nur Spekulationen."
"Das ist nun mal so."
"Frau Schubert, egal wen wir als Mörder von Tamar Levi ermitteln, es wird immer irgendwem nicht passen: Ein Araber darf nicht der Täter sein, ein Deutscher schon gar nicht, ein Israeli ginge vielleicht gerade noch. Dann bleibt eigentlich nur noch ein Marsmensch."

Jüdische Abstammung scheint keine Rolle zu spielen

Katharina Lorenz brilliert als ebenso scharfsinnige wie unabhängige junge Kommissarin, deren jüdische Abstammung keine Rolle zu scheinen spielt. Die im pulsierenden Brennpunkt unterschiedlichster Kulturen in Berlin lebt und die von Kollegen umgeben ist, deren interessante, zum Teil skurrile Charaktere, viel Entwicklungspotential haben. Und ihre schicksalhafte Begegnung mit dem Musiker David Shapiro gibt der Geschichte eine wichtige persönliche Note und Lust auf mehr in Tel Aviv.

"Was machen Sie denn hier?"
"Ich habe die CD für Ihren Vater. Brahms!"
"Ja, aber…"
"Und ich bekenne mich schuldig."
"Was haben Sie denn verbrochen, Herr Shapiro?"
"David!"
"David."
"Glaubst Du an Liebe auf den ersten Blick?"
"Dafür bräuchte ich Beweise."
"Die liefere ich, wenn Du mit mir Essen gehst."

"Tel Aviv-Krimi" läuft am 3. und 10. März 2016 um jeweils 20.15 Uhr in der ARD. Die dazugehörige DVD ist vom 11. März an im Handel erhältlich.

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