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Interview | Beitrag vom 13.01.2020

TV-Show "No Body is perfect" Aktivistin befürchtet Diskriminierung im Netz

Natalie Rosenke im Gespräch mit Ute Welty

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Die Coaches der Sendung "No body is perfect" stehen nackt am Meer und sind von hinten fotografiert: Daniel Schneider, Sandra Wurster, Paula Lambert, Silvana Denker. (SAT.1)
Auch die Coaches in der Sat. 1-Sendung "No body is perfect" sind nackt – den Teilnehmern soll ein positives Gefühl für ihren Körper vermittelt werden. (SAT.1)

In der TV-Show "No Body is perfect" sollen die Teilnehmer sich mit ihrem Körper und dem Nacktsein wohlfühlen lernen. Die Aktivistin Natalie Rosenke kämpft gegen Gewichtsdiskrimierung und warnt vor den Reaktionen im Internet.

"No Body is perfect" (Kein Körper ist perfekt"), heißt eine neue TV-Show im Privatsender Sat. 1, die heute startet. Innerhalb von vier Tagen auf der griechischen Insel Mykonos sollen die Teilnehmer lernen, sich und ihren Körper zu akzeptieren, auch wenn sie nackt sind. Eine der Aufgaben, bei denen sie vier, ebenfalls nackte, Betreuer begleiten, besteht darin, dass sich die Teilnehmer jeden Abend 20 Minuten lang nackt im Spiegel betrachten. Sie sollen etwas an sich entdecken, das sie schön finden.

Sat. 1 beruft sich bei diesem Experiment auf wissenschaftliche Studien, die gezeigt hätten, dass sich die Lebenszufriedenheit und das Selbstwertgefühl eines Menschen steigert, wenn er sich durchschnittliche, nackte Körper anschaut und selbst mehr Zeit mit seinem eigenen nackten Körper verbringt.

Frage der Nachhaltigkeit

Solche vier komprimierten Tage ohne Außenwelt könnten viel freisetzen, sagt Natalie Rosenke, Vorsitzende der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung, über das neue TV-Format. "Aber die Frage ist immer die Nachhaltigkeit." Die entscheidende Frage sei, wie im Internet damit umgegangen werde. Es gebe im Netz einige Akteure, denen es wichtig sei, dass sie auf Menschen herabsehen könnten und das könne sehr unschön werden. "Da hoffe ich ganz stark auf Moderation."

Natalie Rosenke setzt sich eine Mütze auf und schaut an der Kamera vorbei. (Rolf Schulten)Natalie Rosenke von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung sorgt sich um die Teilnehmer der Sendung, die jetzt mit einer Kontroverse über ihre Kontroverse konfrontiert würden. (Rolf Schulten)

Sie selbst sei erfreulicherweise in der Jugend nicht in eine "Körperhass-Schleife" hineingekommen, so Rosenke. "Das heißt, bestimmte Phasen habe ich da nicht mitgemacht." Für sie sei der Moment entscheidend gewesen, als sie das Thema als politisches wahrgenommen habe. In der Bewegung "Body Positivity" gebe es eine Wohlfühlströmung, aber auch eine sehr politische Ausrichtung. "Es ging darum, Körper sichtbar zu machen, die für uns aktuell noch unsichtbar sind."

Beth Ditto als Vorbild

Dabei gehe es genau um solche Körper, wie von der Sängerin Beth Ditto, einem wichtigen Aushängeschild für "Body Positivity". Der Unterschied zwischen Ditto und den Teilnehmern der Sendung: Die Sängerin sei "einen Weg gegangen", bevor sie sich mit ihrem Körper bewusst ins Rampenlicht gestellt habe. Bei den Teilnehmern der TV-Show sei noch unklar, wo sie jetzt starteten. "Die werden auf einen Schlag prominent." Sie würden mit einer Kontroverse über ihre Körper konfrontiert.

(gem)

 "No Body is perfect – Das Nacktexperiment" ab Montag, 13. Januar 2020, um 20:15 Uhr, in Sat. 1 

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