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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 08.03.2021

TV-Interview von Meghan und Harry "Das Urtrauma der gejagten Prinzessin wirkt nach"

Bernhard Pörksen im Gespräch mit Jana Münkel

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Auf einem Bildschirm ist Meghan Markle beim TV-Interview zu sehen. (AP/ Rick Rycroft)
Meghan hat zusammen mit Harry in einem TV-Interview schwere Vorwürfe gegen das britische Königshaus erhoben. (AP/ Rick Rycroft)

Rassismus und Suizidgedanken: Meghan und Prinz Harry beschreiben das Leben im britischen Königshaus in einem Interview als Qual. Die Presse hat daran eine Mitschuld, sagt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen.

Meghan und Prinz Harry haben in einem TV-Interview mit der US-Moderatorin Oprah Winfrey schwere Vorwürfe gegen das britische Königshaus erhoben. Von Diskussionen über die Hautfarbe ihres Babys und fehlender Hilfe bei psychischen Problemen ist da die Rede. In zahlreichen Medien wird von einer "Bombe" oder einem "royalen Bürgerkrieg" gesprochen – was den Blick auf das eigentlichen Problem jedoch verstellt, meint der Medienwissenschaftler Bernarhd Pörksen.

Ungeheure Zudringlichkeit der Boulevardpresse

"Die Art, wie die Geschichte dieses Interviews jetzt erzählt wird, nämlich als Schlammschlacht zwischen dem Königshaus und den abtrünnigen Königskindern, verbirgt etwas sehr Entscheidendes, nämlich die Verantwortung des Medienbetriebs selbst", sagt Pörksen.

Prinz Harry habe immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr dieses Urtrauma der gejagten Prinzessin Diana, die von Paparazzi gewissermaßen in den Tod getrieben wurde, nachwirkt und wie toxisch die britische Presse agiere."Wir reden auch über die ungeheure Zudringlichkeit der Boulevardpresse, die Menschen schlicht und einfach zur Jagd ausgeschrieben hat."

Futter für die globalisierte Emotionsindustrie

Zum Gesamtbild gehöre auch, dass man es mit einer "globalisierten Emotionsindustrie" zu tun habe – und damit mit Big Business. Für das Interview sollen neun Millionen Dollar bezahlt worden sein, dazu kämen außerordentlich teure Werbezeiten. Außerdem hätten das Paar wie auch die Moderatorin in dem Gespräch "immer wieder neue Cliffhanger produziert".

Das sei ein ganz merkwürdiger Fall von erschütternder Enthüllung, Big Business, authentischer Selbstkundgabe und massiv erlebbarer Inszenierung, kritisiert Bernhard Pörksen, "irgend so ein Zwitter zwischen einem Märchen für Erwachsene und einer tatsächlichen Enthüllungsgeschichte".

(ckü)

Für die Journalistin Christine Heuer ist im Interview von Meghan und Prinz Harry mit Oprah Winfrey die Frage nach der Hautfarbe des Kindes, die im britischen Königshaus vor der Geburt erörtert wurde, zentral. Hier können Sie den Beitrag hören:

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