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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.08.2016

Türkei-Korrespondent Reinhard BaumgartenEnttäuschter Liebhaber der islamischen Welt

Reinhard Baumgarten im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Reinhard Baumgarten bei der Arbeit (Mehmet Ukşul)
Der Islamwissenschaftler Reinhard Baumgarten (Mehmet Ukşul)

Seit einigen Jahren berichtet der Journalist Reinhard Baumgarten für die ARD aus Istanbul über die Türkei und unter anderem auch den Iran. Die Situation in vielen islamischen Ländern gehe im persönlich sehr nahe.

Die Stimme Reinhard Baumgartens ist auch im Deutschlandradio Kultur täglich zu hören. Der Hörfunk-Mann der ARD in Istanbul berichtet seit fast vier Wochen ohne Unterbrechung über die Putschnacht in der Türkei und all das, was seitdem passiert.

Durch den Ausnahmezustand in der Türkei kämen ihm langsam die Gesprächspartner abhanden, sagt Reinhard Baumgarten. "Viele Interviewanfragen wurden beschieden mit 'Nicht jetzt' oder 'Bin im Ausland' oder 'Bin grad verreist'. Also, man merkt schon, dass dieser Ausnahmezustand ein kräftiger Schlag ins Kontor vieler Menschen hier in der Türkei ist."

Mit erschwerten Arbeitsbedingungen kennt sich der Islamwissenschaftler Baumgarten bestens aus: Seit 2001 arbeitet er als Auslandskorrespondent – zunächst in Kairo, dann in Teheran und seit 2011 in Istanbul. Seine frühe Leidenschaft für die islamische Welt brachte ihn schon Anfang der 80er Jahre nach Kairo. Doch nach über 30 Jahren intensiver Erfahrungen und Auseinandersetzung mit ihr fühle er sich wie ein enttäuschter Liebhaber, sagt Baumgarten.

"Es tut mir weh, wenn ich nach Ägypten schaue, wie dieses Land zugrunde gerichtet wird, mit diesen unfassbar fantastischen Menschen. Das geht mir nach. Es geht mir richtiggehend nach, wenn ich daran denke, wie es den Menschen dort jetzt geht, in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen sie leben, in welchen gesellschaftlichen Umständen sie existieren müssen, und welches Potential dieses Volk eigentlich hat. Und so geht es mir mit vielen islamischen Ländern."

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