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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 21.08.2014

TürkeiErdogans Prestigeprojekt

Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Istanbul und Ankara

Von Thomas Bormann

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Recep Tayyip Erdogan spricht am 30.03.2014 zu seinen Anhängern. Der türkische Ministerpräsident will nach dem Sieg bei den Kommunalwahlen mit seinen politischen Widersachern abrechnen. (AFP/KAYHAN OZER/Pressefoto Büro des türk. Ministerpräsidenten)
Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede im März 2014 (AFP/KAYHAN OZER/Pressefoto Büro des türk. Ministerpräsidenten)

Von Ankara nach Istanbul in nur vier Stunden statt acht. Möglich macht das ein neuer Schnellzug - ein Prestigeobjekt des ehemaligen Ministerpräsidenten und neugewählten Präsidenten Reccep Tayyip Erdogan. Er will damit zeigen, was er in seiner Regierungszeit alles bewegt hat.

Seit Ende Juli verbindet der Yüksek Hizli Tren, der Hochgeschwindigkeitszug, die beiden größten Städte der Türkei. Er braucht nicht ganz vier Stunden für die 533 Kilometer von Ankara nach Istanbul.

Höchste Geschwindigkeit, maximaler Komfort und sicheres Reisen – das versprechen die Türkischen Eisenbahnen ihren Passagieren. Die Istanbulerin Cicek Cakir ist mit ihrem dreijährigen Sohn Aras die Strecke schon gefahren. Der Kleine war tief beeindruckt:

"Ich hab' Bagger gesehen und wir sind durch viele Tunnel gefahren, der Zug war schnell", sagt er

Und seine Mutter urteilt über das Flaggschiff der Türkischen Eisenbahnen:

"Er gleitet nicht so sanft über die Gleise – wahrscheinlich, weil die Strecke noch nicht komplett fertig ist. Der Zug beschleunigt immer mal wieder, einmal zeigte die elektronische Geschwindigkeitsanzeige sogar 256 Stundenkilometer an. Aber meistens fuhr der Zug sehr viel langsamer, oft nur 60 Stundenkilometer oder noch langsamer."

Eine Reisende: "Immer pünktlich"

Insgesamt aber ist sie sehr zufrieden:

"Was mich positiv überrascht hat, waren die pünktlichen Abfahrtszeiten. Zum erstenmal saß ich in einem Zug, der auch pünklich abfuhr. Das war auch unterwegs an allen Bahnhöfen so, immer pünktlich; das hat mir gefallen."

Wer von Ankara nach Istanbul reisen will, nutzt bislang meist das Flugzeug oder das Auto; nur zehn Prozent der Reisenden nehmen die Bahn. Dieser Anteil soll mit dem Hochgeschwindigkeitszug auf 80 Prozent steigen. Reccep Tayyip Erdogan hatte nur zwei Wochen vor seiner Wahl zum Präsidenten die Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Istanbul eröffnet, um seinem Volk zu beweisen, was er in seiner Regierungszeit als Ministerpräsident alles bewegt hat:

"Vor nicht so langer Zeit, vor circa zehn Jahren noch, war die Türkei nicht einmal fähig, ihr 150 Jahre altes Schienennetz zu modernisieren – ganz zu schweigen davon, Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen."

Erdogan will als neuer Präsident viele weitere Hochgeschwindigkeitsstrecken einweihen:

"Eisenbahnnetze bedeuten Zivilisation. Zivilisiert sein – das geht nicht mit reinen Worten, sondern mit der Umsetzung von Versprechen. Das tun wir. Die Türkei ist heute auf der Weltrangliste jener Länder, die Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge bauen und betreiben, auf Platz acht. In Europa auf Platz sechs.

ICE im Vorteil

Erdogan vergleicht die Türkei gern mit anderen High-Tech-Ländern. Die Passagierin Cicek Cakir kann das auch; sie ist nämlich in ihrem Deutschland-Urlaub mit dem ICE von Stuttgart nach Frankfurt gefahren:

"Der ICE in Deutschland bietet dem Fahrgast viel mehr Komfort, er ist  im Durchschnitt auch schneller. Die hiesigen Hochgeschwindigkeitszüge würde ich eher 'beschleunigte Züge' nennen."

Aber immerhin: Fahrzeiten in der Türkei halbieren sich: Früher brauchten Zugreisende acht Stunden und mehr von Ankara nach Istanbul; wenn alle Baustellen erst einmal fertig sind, wird diese Reise nur noch dreieinhalb Stunden dauern. 

Mehr zum Thema:

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