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Kulturnachrichten

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Tschechischer Karikaturist Vladimír Renčín gestorben

Populär machten ihn seine zeitkritischen Karikaturen- und Bilder-Witze

Eine Ikone des Humors in Tschechien ist tot: Der Karikaturist Vladimír Renčín ist am Mittwoch im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Das berichtete die Zeitung "Pravo" unter Berufung auf die Tochter des Künstlers. Renčíns zeitkritische und oft philosophischen Fragen nachgehende Strichzeichnungen erschienen in Deutschland unter anderem in der Wochenzeitung "Die Zeit", dem Magazin "Bild der Wissenschaft" und GEO. Renčíns raffinierte Bildwitze waren in Dutzenden Büchern und Ausstellungen zu sehen. In der sozialistischen CSSR eckte er mit seinen ironischen Alltagskommentaren beim Regime an und erhielt in den 1970er Jahren lange Publikationsverbot. Im Jahr 2011 wurde Renčín mit der tschechischen Verdienstmedaille ausgezeichnet. Renčín wurde am 6. Dezember 1941 in Pecky bei Prag geboren, er lebte bis zuletzt in Hradec Kralove (Königgrätz).

Geschwister-Scholl-Preis für Hisham Matar

Sein Roman "Die Rückkehr" zeuge von der Widerstandskraft des menschlichen Geistes

Für sein Buch "Die Rückkehr. Auf der Suche nach meinem verlorenen Vater" (Luchterhand Literaturverlag) wird Hisham Matar mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. "Die Rückkehr" sei ein Buch über die überwältigende Widerstandskraft des menschlichen Geistes, teilte die Jury in München zur Begründung mit. Damit erinnere Hisham Matars Werk im weitesten Sinn an das Vermächtnis der Geschwister Scholl. Das Buch erzählt, wie Hisham Matar seinen entführten und in einem libyschen Gefängnis verschwundenen Vater Jaballa Matar sucht. "Die Genauigkeit, mit der Hisham Matar über Gespräche berichtet, in denen so viel ungesagt bleiben musste, schlägt den Leser in den Bann", so die Jury. Hisham Matar wurde 1970 in New York City geboren, wuchs in Tripolis und, nach der Emigration der Familie, in Kairo auf. Seit 1986 lebt er in England. Der mit 10.000 Euro dotierte Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München am 20. November überreicht.

Kazuo Ishiguro erhält Literaturnobelpreis

Autor von "Was vom Tage übrigblieb" wird für sein Schaffen geehrt

Der britische Erzähler Kazuo Ishiguro erhält den diesjährigen Literatur-Nobelpreis. Das gab das Nobelpreiskomitee in der schwedischen Hauptstadt Stockholm bekannt. Ishiguro habe in seinen Romanen mit großer emotionaler Kraft den "Abgrund unserer Illusion einer Verbindung mit der Welt aufgedeckt", hieß es zur Begründung. Ishiguro, geboren am 8. November 1954 im japanischen Nagasaki, kam im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Großbritannien. Heute lebt er mit seiner Familie in London. Seine ersten beiden Romane befassen sich mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die japanische Gesellschaft. Zu Ishiguros bekanntesten Werken zählt "Was vom Tage übrigblieb". Der 1989 erschienene Roman wurde 1993 unter dem gleichen Titel mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen verfilmt. In "Alles, was wir geben mussten" setzte sich der Schriftsteller 2005 mit dem Thema Organspende und der Debatte über menschliche Klone auseinander. Neben weiteren Romanen verfasste Ishiguro Kurzgeschichten sowie Drehbücher für Film und Fernsehen. Die aktuell mit umgerechnet rund 943.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als der weltweit bedeutendste Preis für Literatur. Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, überreicht.

Preußen-Stiftung erforscht Herkunft von Schädeln

Das Projekt soll als Vorbild für künftige Provenienzforschung dienen

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erforscht die Herkunft von rund 1.000 Schädeln in ihren Beständen, die aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika stammen. Die Schädel gehörten zu den anthropologischen Sammlungen, die die Stiftung 2011 in äußerst schlechtem Zustand von der Charité übernommen hat und die sich heute in Obhut des Museums für Vor- und Frühgeschichte befinden, wie die Stiftung in Berlin mitteilte. Das zweijährige Projekt soll als Vorbild für die zukünftige Erforschung der Provenienz von weiteren menschlichen Überresten in den Beständen des Museums dienen. Die weltweit verstreuten Quellen zu dem Bestand sollen erfasst und ausgewertet werden. Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete würden zusammenarbeiten, da sowohl ethnologische als auch anthropologische und kolonialgeschichtliche Kenntnisse nötig seien, heißt es. So solle auch ein internationales Netzwerk mit Wissenschaftlern aus den Herkunftsländern Tansania, Burundi und Ruanda aufgebaut werden. Die Entscheidung über eine Restitution der Schädel sei von den Forschungsergebnissen abhängig.

Unveröffentlichte Kriegstagebücher von Heinrich Böll

Bölls Notizen aus den letzten Kriegsjahren erscheinen bei Kiepenheuer & Witsch

Im Verlag Kiepenheuer & Witsch erscheinen heute bisher unveröffentliche Kriegstagebücher von Heinrich Böll aus den Jahren 1943 bis 1945. Der Band "Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind. Die Kriegstagebücher 1943 –1945" erscheint als Faksimileausgabe mit Transkription. Knapp, assoziativ, stellenweise geradezu lyrisch notierte Böll darin, was ihn in den letzten Kriegsjahren beschäftigte, quälte und am Leben hielt. Anders als in den Kriegsbriefen, die Zensur passieren mussten und in denen er zusammenhängend beschrieb, was ihm widerfuhr, hielt er hier stichwortartig fest, was den einzelnen Tag bestimmte und innerhalb der grausamen Kriegsroutine an der Front zu etwas Besonderem machte. Am 21. Dezember dieses Jahres wäre der 1985 verstorbene Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden.

Schauspielerin und Autorin Anne Wiazemsky ist tot

Bekannt wurde sie in den 1960er Jahren in Filmen von Godard und Pasolini

Die französische Schauspielerin und Autorin Anne Wiazemsky ist tot. Die frühere Frau von Regisseur Jean-Luc Godard starb im Alter von 70 Jahren in Paris an einem schweren Krebsleiden, wie ihre Familie mitteilte. Sie spielte in den 1960er bis 80er Jahren in Kinofilmen mit. Später veröffentlichte sie eine Reihe von Romanen. Ihr Debüt gab Wiazemsky 1966 in "Zum Beispiel Balthasar", danach spielte sie in Godards "Die Chinesin" von 1967 und ein Jahr später in "Teorema - Geometrie der Liebe" von Pier Paolo Pasolini. Später machte sich die Enkelin des französischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers François Mauriac mit autobiographischen Romanen einen Namen. In Frankreich wurde sie 1998 für "Une poignée de gens" (Eine Handvoll Leute) mit dem großen Romanpreis der Académie française ausgezeichnet. In dem Buch schreibt sie über ihre russischen Wurzeln. In Deutschland erschien 2011 ihr Roman "Mein Berliner Kind", inspiriert von den Erfahrungen ihrer Mutter in der Nachkriegszeit.

1,9 Mio. Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek digitalisiert

Zusammenarbeit der Bayerischen Staatsbibliothek mit Google wird zehn Jahre alt

Seither wurden mehr als 1,9 Millionen historische Bücher und Dokumente aus den Beständen erfasst und im Internet weltweit zugänglich gemacht worden, wie die Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) in München mitteilte. Darunter befinden sich urheberrechtsfreie Bestände hauptsächlich vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts, viele davon Erstausgaben deutscher Klassiker wie Johann Wolfgang von Goethes "Leiden des jungen Werthers" bis Heinrich Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen". Neben der Staatsbibliothek in München seien sukzessive auch ihr nachgeordnete regionale Staatliche Bibliotheken in Bayern in das Projekt einbezogen worden. Inzwischen betrage das Datenvolumen der erfassten Titel über 800 Terabyte. Auch die Nutzerzahlen seien beachtlich, hieß es. So seien im vergangen halben Jahr die digitalisierten Titel nur über die Google Buchsuche allein bereits über 2,8 Millionen mal online aufgerufen worden.

Autor Paul Maar wurde streng katholisch erzogen

Bibelgeschichten können Kindern helfen

"Sams"-Autor Paul Maar hat keine guten Erinnerungen an die streng religiöse Erziehung seiner Großmutter. "Sie ging jeden Morgen um sechs Uhr in die Frühmesse, ich musste mit, und jeden Morgen gegen fünf Uhr aufstehen", sagte der 79-Jährige in einem Interview. Mädchen habe er nicht einmal anschauen dürfen. Dennoch hat Maar heute keine negative Einstellung zur Religion. "Eltern sollten öfter mal den Kindern aus der Bibel vorlesen", sagte er. Die Geschichte von David und Goliath habe ihm beispielsweise als Kind geholfen, sich gegen andere durchzusetzen. Anlässlich seines 80. Geburtstags im Dezember hat Maar ein neues Buch über das "Sams" veröffentlicht. In der Geschichte, in der das "Sams" Weihnachten feiert, spiegele sich auch Maars Verhältnis zur Kirche. Der gebürtige Schweinfurter lebt in Bamberg. Sein erstes "Sams"-Buch "Eine Woche voller Samstage" erschien 1973.

Platz für Ton Steine Scherben-Sänger Rio Reiser

Dem Antrag steht die Frauenquote im Weg

In Berlin soll ein Teil des Kreuzberger Mariannenplatzes nach dem 1996 gestorbenen Sänger Rio Reiser ("König von Deutschland") umbenannt werden. Einen entsprechenden Antrag habe die Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Kreuzberg-Friedrichshain eingebracht, berichtet der "Tagesspiegel". Darin werde auf die Bedeutung Reisers und seiner Band "Ton Steine Scherben" für den Bezirk sowie auf sein kulturelles und politisches Wirken verwiesen. Einer Benennung nach Reiser könnte im Wege stehen, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sich 2005 eine Frauenquote von 50 Prozent verordnet hat. Bis die erreicht ist, dürfen Straßen und Plätze nur nach Frauen benannt werden. Bei Rio Reiser sei jedoch vielleicht eine Ausnahme möglich: Der Sänger, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannte, habe sich stark für Schwulenrechte engagiert, womit er sich ebenfalls für einen Straßennamen qualifizieren könne.

Merkel und Macron eröffnen Buchmesse

Bekenntnis für ein gemeinsames und starkes Europa

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am kommenden Dienstagabend gemeinsam mit Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron die 69. Frankfurter Buchmesse eröffnen. Frankreich ist vom 11. bis 15. Oktober Ehrengast des weltgrößten Branchentreffs, zu dem rund 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern erwartet werden. Die Eröffnung der Messe durch Merkel und Macron stehe symbolhaft für die enge Verbindung beider Länder und sei als Bekenntnis für ein gemeinsames und starkes Europa zu werten, erklärte Buchmessendirektor Juergen Boos.
Frankreich will den gesamten französischsprachigen Sprachraum vorstellen. Fast 200 frankophone Autoren wollen zur Bücherschau nach Frankfurt reisen.

Herder übernimmt schweizerischen Paulusverlag

Zum Programm gehört der jährliche Pauluskalender

Der Freiburger Verlag Herder übernimmt den schweizerischen Paulusverlag. Ziel sei es, das Programm des von Ordensschwestern gegründeten Unternehmens neu aufzustellen und zu profilieren, erklärte Herder in Freiburg. Der Sitz des Kleinverlags wird von Fribourg nach Einsiedeln verlegt. Im Paulusverlag erscheinen religiöse und liturgische Bücher, beispielsweise das Werk der für ihre Lyrik bekannten Benediktinerin Silja Walter. Zum Programm gehört auch der jährlich erscheinende Pauluskalender. Herder ist einer der renommiertesten deutschen Verlage für Theologie und Religion. 2016 übernahm das Familienunternehmen die Mehrheit der Buchhandelsgruppe Thalia.

Japaner Murakami bei Nobelpreis-Tippern Favorit

Favoritenliste verändert sich meist bis zum Schluss

Kurz vor Verkündung des Literaturnobelpreisträgers führt der Japaner Haruki Murakami die Wettlisten im Internet an. Der Romanautor und langjährige Favorit lag am Vormittag in der Gunst der Zocker vor dem Kenianer Ngugi wa Thiong'o und der Kanadierin Margaret Atwood. Gute Chancen auf einen Nobelpreis haben bei mehreren Wettbüros auch der Chinese Yan Lianke und der israelische Schriftsteller Amos Oz. Die Favoritenliste verändert sich oft noch bis Minuten vor der Verkündung. Der Träger des Literaturnobelpreises 2017 wird heute gegen 13.00 Uhr bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr hatte überraschend der Musiker Bob Dylan den bedeutendsten Literaturpreis bekommen. Auf den Listen der Wettbüros war er vorher nicht auf vorderen Plätzen aufgetaucht.

Usbekischer Journalist Abdurakhmanow frei

Reporter ohne Grenzen: Druck auf autoritäre Regime wirkt

Nach neun Jahren Haft ist der usbekische Journalist Salijon Abdurakhmanow wieder frei. Er sei am Mittwoch vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, teilten Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen (ROG) mit. Abdurakhmanow hatte unter anderem über den ökologischen Kahlschlag am Aralsee berichtet. 2008 wurde er wegen angeblich versuchten Drogenhandels zu zehn Jahren Haft verurteilt. "Abdurakhmanows Freilassung zeigt, dass anhaltender Druck auf autoritäre Regime früher oder später Wirkung zeigt", erklärte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Neben dem Journalisten wurde auch der Menschenrechtler Asam Farmonow, der seit 2006 in Haft saß, freigelassen. In Usbekistan existierten praktisch keine unabhängigen Medien, beklagt Reporter ohne Grenzen.

Popband Florence+The Machine ärgert sich über Tories

Die Verwendung ihres Songs war nicht genehmigt

Die Sängerin der britischen Band Florence + The Machine, Florence Welch, ärgert sich über die konservative Partei von Theresa May. Die britischen "Tories" sollen am Mittwoch auf ihrem Parteitag in Manchester einen Song der Londoner Popgruppe gespielt haben. Welch war davon wenig begeistert - sie reiht sich damit ein bei zahlreichen Popmusikern, die gegen die Nutzung ihrer Lieder durch konservative Politiker protestieren. "Die Verwendung von 'You've Got The Love' auf dem konservativen Parteitag war nicht von uns genehmigt und wäre auch nicht genehmigt worden, wenn sie uns gefragt hätten", schrieb sie bei Twitter und forderte: "Wenn die konservative Partei dann in Zukunft darauf verzichten könnte, unsere Musik zu nutzen."

Lichtensteins "Female Head" auf 15 Mio. Dollar taxiert

Popart-Gemälde wird in New York versteigert

Auf dem Bild sind zwei gespiegelte Gesichter einer blonden Frau neben einer dritten Silhouette, die zugleich wie blondes Haar wirkt, zu sehen. Lichtenstein (1923-1997) verbinde in "Female Head" die komplexen Welten des Kubismus, Surrealismus und Pop mit unvergleichlicher Energie und Vorstellungskraft, teilte das Auktionshaus Sotheby's dazu mit. Die als "Ben-Day dots" bekannten, typischen Punkte deuten in dem Werk ebenso auf Lichtenstein wie die moderne Pinselführung und die Palette der Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Sotheby's spricht von einem der "verlockendsten Gemälde der 1970er Jahre". Grégoire Billault von der Abteilung für moderne Kunst des Auktionshauses bezeichnete "Female Head" als ein Meisterwerk. Der aus Manhattan stammende Lichtenstein gilt neben Andy Warhol als wichtigster Vertreter der Popart und als einer der bedeutendsten US-Künstler des 20. Jahrhunderts.

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