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Studio 9 | Beitrag vom 02.08.2015

Tschechien: Massaker von Aussig Gedenken an ermordete deutsche Zivilisten

Von Peter Lange

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Gedenken an das Massaker von Aussig (picture alliance / dpa / Foto: Libor Zavoral)
Gedenken an das Massaker von Aussig am 31. Juli 2015. Vor 70 Jahren fand in der heutigen tschechischen Stadt Usti nad Labem (Aussig) ein Pogrom gegen die deutsche Zivilbevölkerung statt (picture alliance / dpa / Foto: Libor Zavoral)

Als vor 70 Jahren, nach Kriegsende, ein Munitionslager in der damaligen Stadt Aussig explodierte, wurde die deutsche Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht und von einem Mob gejagt. Rund 200 Menschen sind nach heutigen Erkenntnissen damals getötet worden.

Rund 100 Menschen, Tschechen und Deutsche, gedachten während eines Gottesdienstes an der Dr.-Edvard-Beneš-Brücke in Usti nad Labem am 31. Juli 2015 an das Massaker vor 70 Jahren.

Am 31. Juli 1945 explodierte in der Stadt, die damals noch Aussig hieß, ein Lager mit gesammelter Wehrmachtsmunition. Die Hintergründe sind bis heute im Dunkeln geblieben. Schnell hatte sich damals aber das Gerücht von einem Sabotageakt der Deutschen verbreitet. Ein bewaffneter Mob aufgebrachter Tschechen machte daraufhin Jagd auf alle Deutschen, deren man habhaft wurde. Viele, vor allem alte Menschen und junge Frauen, wurden erschlagen oder in den Fluss geworfen und beschossen.  

Rund 200 Opfer

Tschechische und deutsche Historiker gehen heute davon aus, dass rund 200 Menschen ermordet wurden. Der Pogrom von Aussig gehörte, wie das ganze Thema Vertreibung, Jahrzehntelang zu den Tabuthemen in Tschechien.

Eine Generation jüngerer Kommunalpolitiker hat nun begonnen, das Schweigen zu brechen. Der Bürgermeister des Bezirks, zu dem das heutige Usti gehört, sagte auf der Gedenkveranstaltung:

"Dieses Ereignis ist Bestandteil unserer Geschichte, dieses Thema darf nicht verheimlicht und versteckt werden, sondern wir müssen es aufarbeiten. Nur so können wir verhindern, dass sich die Geschichte in ähnlicher Weise wiederholt."

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