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Fazit | Beitrag vom 14.11.2020

Trumps ergraute HaareWenn die Macht geht, kommt der Mensch wieder zum Vorschein

Von Matthias Dell

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Donald Trump mit grauen Haaren im Rosengarten des Weißen Hauses. (dpa / Chris Kleponis / Pool via CNP)
Ein sichtlich zermürbter und ergrauter Donald Trump bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach der Wahlniederlage. (dpa / Chris Kleponis / Pool via CNP)

Donald Trump ist ein Medienprofi. Wenn er über Nacht ergraut und sich so bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach der Wahlniederlage zeigt, dann ist der neue Look wahrscheinlich kein Zufall. Doch was lässt sich an Trumps grauem Haar ablesen?

Am Freitag trat Donald Trump zum ersten Mal seit der verlorenen Wahl an die Öffentlichkeit, um über das Impfstoffprojekt "Operation Warp Speed" im Rosengarten des Weißen Hauses zu informieren. Dabei deutete er erstmals an, dass es demnächst womöglich auch eine Regierung geben könnte, die nicht von ihm geführt würde. Mehr noch als das Gesagte wirkte Trumps Performance und Look: Schweratmig und bei Weitem nicht so hochtourig wie üblich las der Präsident seine Rede ab. Und er zeigte sich mit grauem Haar.

Das war nicht das erste Mal. Das hatte es im Frühjahr schon gegeben, aber nach der verlorenen Wahl machte dieser Look plötzlich Sinn: Alles Grelle und Clownhafte, das bei Trump über Jahrzehnte stabile Markenzeichen, das auch im blond-zitrusfarben-orangenen Haar und der rosigen Gesichtsfarbe gelegen hat, schien aus ihm gewichen. Wenn die Macht geht, kommt der Mensch wieder zum Vorschein.

Gestern gefürchtet, heute verdattert

In Demokratien ist das leichter, weil das Verlieren formalisiert ist und man auch als abgewählte Politikerin alt werden kann in der Demokratie – nicht umsonst gibt es den Begriff des "Elder Statesman". In Autokratien hingegen, in denen langjährige Herrschaftszeiten an ein übertriebenes Bild der jeweiligen Person gebunden sind, fällt diese Suggestion in sich zusammen, sobald keine Macht mehr an dieses Bild gebunden ist.

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Erich Mielke, Saddam Hussein, Hosni Mubarak – die Liste der Männer, die gestern gefürchtet waren und heute als verdatterte, kranke Senioren erscheinen, ist lang. Das graue Haar und die Ermattung von Trump könnten sich in diese Ahnenreihe fügen – als Symbol von Macht, die sich ausgeschlichen hat.

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