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Fazit | Beitrag vom 10.01.2021

Trumpismus sucht neue PlattformGespaltenes Land, gespaltenes Netz

Simon Hurtz im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Donald Trump vor seinen Anhängern. (picture alliance / CNP / AdMedia / Chris Kleponis)
Diesmal hat Donald Trump den Bogen überspannt. Die Sperrung seiner Konten dürfte ihn hart treffen, meint der Journalist Simon Hurtz. (picture alliance / CNP / AdMedia / Chris Kleponis)

Twitter, Facebook und Instagram haben Donald Trumps Accounts gesperrt. Wenn jetzt seine Anhänger in den Untergrund oder auf andere Plattformen wechseln, wird das die Polarisierung der US-Gesellschaft verstärken, glaubt der Journalist Simon Hurtz.

"Ich glaube, eine der vielen schlimmen Folgen der vergangenen vier Jahre und von Trumps Präsidentschaft könnte langfristig sein, dass er nicht nur ein gespaltenes Land, sondern auch ein zumindest zum Teil gespaltenes Netz hinterlässt", sagt Simon Hurtz. Der Journalist analysiert regelmäßig im Social Media Watchblog, wie die großen Plattformen Medien, Politik und Gesellschaft verändern.

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Nachdem Trumps Accounts auf Facebook, Twitter und Instagram gesperrt worden sind, verzeichnete das "alternative Netzwerk" Parler einen regelrechten Ansturm, wie Hurtz berichtet – bis Google und Apple die zugehörige Anwendung aus ihren App-Stores nahmen. Nun zog auch Amazon nach und entfernte das Netzwerk aus seinem Cloud-Hosting-Angebot.

Weitere Radikalisierung ist zu befürchten

Das sei zwar ein harter Schlag gegen Trump und seine Unterstützer, deren Kreis nun deutlich kleiner und tendenziell noch radikaler werde, sagt Hurtz, aber damit sei das Gedankengut jener rund 74 Millionen Menschen, die ihn gewählt haben, nicht verschwunden.

Der Twitter-Account von Donald Trump auf einem Smartphone. Im Hintergrund das Logo von Twitter. (picture alliance / dpa / Revierfoto)Alleine auf Twitter folgten ihm über 88 Millionen Menschen. (picture alliance / dpa / Revierfoto)
Solange diese Menschen auf Facebook und Twitter unterwegs waren, habe es zumindest Schnittmengen gegeben, sagt Hurtz, "also man hatte sich so gegenseitig im Blick und konnte sich teilweise auch widersprechen".

Auch wenn man sich dennoch größtenteils in der eigenen Blase aufgehalten habe, so sei man doch wenigstens auf einer gemeinsamen Plattform unterwegs gewesen.

"Eine Entwicklung, die mir Angst macht"

Aber wenn jetzt "Leute, die unterschiedliche politische Überzeugungen haben, auch auf komplett getrennten Plattformen kommunizieren, dann sehe ich nicht, wie wir die Polarisierung und die Spaltung der Gesellschaft, gerade der US-amerikanischen, noch stoppen wollen", sagt der Journalist Simon Hurtz. 

Das sei eine Entwicklung, die ihm Angst mache. Nichtsdestotrotz halte er die Entscheidung der Tech-Konzerne prinzipiell für richtig, sagt Simon Hurtz.

(ckr)

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