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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 11.02.2017

Trump, AfD, EU-KriseWas kann der Film bewegen?

Gäste: Filmproduzent Thomas Kufus und Regisseur Oliver Hirschbiegel

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Protest gegen Donald Trump in New York City 12. November 2016.  (dpa / picture-alliance / Kevin Hagen)
Protest gegen Donald Trump in New York City (dpa / picture-alliance / Kevin Hagen)

Kann der Film etwas bewegen in politisch unsicheren Zeiten? "Wir können nicht mehr, als die Zuschauer aufwecken", meint Oliver Hirschbiegel. Thomas Kufus glaubt, "Filme, die rein politisch sind, funktionieren im Kino nur leidlich."

Wir leben in politisch brisanten Zeiten: Europa droht auseinanderzubrechen, Rechtspopulisten drängen an die Macht, beflügelt vom Sieg des neuen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Viele Menschen sind durch diese Entwicklungen verunsichert, für andere sind sie ein Weckruf, dagegenzuhalten. Auch für viele Künstler.

Die Kunst muss universelle Werte hochhalten

"Mein Konzept ist das von Freiheit", sagt der Regisseur Oliver Hirschbiegel. Er stellt seinen Fernseh-Dreiteiler "Der gleiche Himmel" auf der Berlinale vor und sitzt in der Amnesty-Jury des Festivals. Mit seinem Namen sind erfolgreiche Kinoproduktionen wie "Das Experiment", "Der Untergang" und "Elser – Er hätte die Welt verändert" verbunden. "Ich mache es nicht, wie Trump es betreibt – Sieger und Besiegte, Gut und Böse, Schwarz und Weiß – nach diesem schlichten Weltbild." Angesichts der gegenwärtigen Tendenz, Grenzen zu schließen und Mauern zu bauen, müsse gerade die Kunst die universellen Werte hochhalten. "Sie kann Räume öffnen, das, was blockiert ist, aufmachen und Licht herein lassen. Wir belichten und beleuchten. Film ist ja dazu da, eine Geschichte zu erzählen, die so nah geht, dass es denen draußen auch so geht. Wir können ja nicht mehr, als die Zuschauer aufwecken: Schau' dir das Mal an." 

Dokus à la Michael Moore - in Deutschland nicht realisierbar

"Filme, die rein politisch sind, funktioniere im Kino nur leidlich; so etwas ist dem Fernsehen vorbehalten", weiß Thomas Kufus. Mit seiner Firma zero one film zählt er zu den einflussreichen unabhängigen Produzenten in Deutschland. Er hat mehrere Filme von Andres Veiel produziert, die sich mit dem RAF-Terror beschäftigen, darunter "Black Box BRD"; den globalisierungskritischen Dok-Film "More than honey", aber auch den mehrfach ausgezeichneten Spielfilm "Der Staat gegen Fitz Bauer". Auf der Berlinale hat die neue Produktion von Andres Veiel "Beuys" Weltpremiere.

Filmische Schnellschüsse, wie sie der US-amerikanische Dokumentarfilmer Michael Moore drehe, könnten so nie in Deutschland realisiert werden. "Das ist auch seine Art der Direktheit und – ich sage mal – der ästhetischen Lässigkeit. Einer wie er, muss das machen – und er wird das auch finanziert bekommen. In Deutschland geht das nicht." Filmproduktionen hierzulande seien mit viel Bürokratie verbunden, mit Drehgenehmigungen, dem Klären von Rechten und dem Beantragen von Fördergeldern. Derzeit arbeitet Thomas Kufus gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Markus Imhoof an einem Film zur Flüchtlingskrise.

Unsichere Zeiten - Wie kann der Film darauf reagieren? Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Oliver Hirschbiegel und Thomas Kufus.  Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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