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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.04.2019

Tropenbiologe und Kakao-Experte Arno WielgossMit Schokolade den Regenwald retten

Moderation: Ulrike Timm

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Der Agrar-Biologe und Kakao-Experte Arno sitzt im Bergregenwald von Peru. Hinter ihm sind Palmen und eine Holzhütte zu sehen. (Linus Heilmann )
Hierhin hat ihn das Schicksal verschlagen: Arno Wielgoss im Urubamba-Tal im Bergregenwald von Peru. (Linus Heilmann )

Schokolade spielt im Leben von Arno Wielgoss eine zentrale Rolle. Der Tropenbiologe unterstützt Kakaobauern in Peru und rettet nebenbei den Regenwald. Dass sein Leben diesen Weg genommen hat, verdankt er allerdings einem traurigen Umstand.

Angefangen hat alles mit einem tragischen Unfall: Im Jahr 2000 ertrank der Brunder von Arno Wielgoss‚ der 20-jährige Frederic, im Fluss Urubamba bei einer Entdeckertour im peruanischen Regenwald. Die Familie startete eine Suchaktion, die sie mit Unterstützung von Freunden finanzierte. "Plötzlich überstiegen diese Gelder die Kosten für die Suchaktion", sagt Arno Wielgoss im Deutschlandfunk Kultur. "Und dann hat mein Vater gesagt, also Ex-Elektroingenieur, es wäre doch eine Leichtigkeit, mit dem Überschuss etwas vor Ort zu tun. Nämlich in dieser Region, wo es überhaupt keinen Strom gibt, auf der Gesundheitsstation eine Solaranlage zu installieren. Das war der erste Schritt."  

Spanisch bei der Bauern gelernt

Aus dieser Initiative  entstand der nach dem verstorbenen Bruder benannte Verein "Frederic – Hilfe für Peru". Arno Wielgoss beschloss, zunächst vor Ort zu bleiben, um die Situation genauer zu studieren und Spanisch zu lernen. "Ich habe mir eine eigene Bambushütte da im Regenwald gebaut und dort bei den Bauern einfach Spanisch gelernt, ohne Lehrer und ohne irgendwelche Materialien."

Seine ersten Schritte in der Entwicklungshilfe machte er dann gemeinsam mit einem Entwicklungshelfer in Lima. In den dortigen Slums entwickelten die beiden ein System von unterirdischen Komposthaufen, um einen Teil des Mülls von der Straße zu schaffen. Sein eigentliches Interesse galt aber weiterhin der Situation der Kakaobauern im tropischen Regenwald. Er entschied sich für ein Studium der Tropenbiologie und verband das mit seinem Engagement in Peru. Dabei stand für ihn immer das Konzept "Hilfe zur Selbsthilfe" im Mittelpunkt.

Kakaopflanzen für den Erhalt des Regenwaldes

Mit Hilfe von peruanischen Experten wurde den Bauern, von denen viele nach dem Prinzip der Brandrodung wirtschafteten, das Bewusstsein für einen ökologischen Umgang mit dem Regenwald beigebracht, erzählt Arno Wielgoss. So ließe sich der Anbau von Kakaopflanzen sehr viel besser mit dem Erhalt des Regenwaldes vereinen als viele andere landwirtschaftliche Produkte. 

Der Tropenbiologe Arno Wielgoss steht mit dem Kakaobauer Louis Jonathan Callo an einem Baum im Bergregenwald von Peru.  (Linus Heilmann )Der Anbau von Kakaopflanzen ließe sich gut mit dem Erhalt des Regenwaldes vereinen, sagt der Tropenbiologe Arno Wielgoss (r) – hier mit einem peruanischen Kakaobauern. (Linus Heilmann )

"Kakao kann man ohne Brandrodung und in Mischkulturen anbauen. Man kann einen Regenwald in Miniatur nachbauen, mit großen und kleinen Bäumen, Bodendeckerpflanzen – und jede Pflanze erfüllt eine ökologische Funktion." Inzwischen seien über den Verein fast eine halbe Millionen Bäume nachgepflanzt worden.

Schokolade als Luxusprodukt

Damit die Bauern faire Preise für ihren Kakao bekommen, vermarktet Arno Wielgoss deren Ernte in dem Schokolade-Projekt "PERÚ PURO". Eine Tafel davon kostet ein mehrfaches einer "normalen" Schokolade. In diesem "Luxusprodukt" stecke aber auch viel drin. "Es ist der absolute Regenwaldschutz, diese langfristige Wiederaufforstung, das ist der eine Teil. Der andere Teil ist: Wir zahlen den Bauern vor Ort  einen Mehrwert, der deutlich über dem Fairtrade-Preisniveau liegt."

Nach wie vor engagieren sich auch die inzwischen längst berenteten Eltern von Arno Wielgoss. Seine Mutter kümmert sich unter anderem um Frauenprojekte, der Vater treibt das Thema alternative  Energien voran. Peru, der Ort, wo Sohn und Bruder tragisch ums Leben kam, ist für die ganze Familie wie eine zweite Heimat geworden.

(so)

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