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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 07.06.2009

Trinität: Davon, dass die drei sich einig sind

Von Pfarrer i. R. Burkhard Müller, Bonn

Die Trinität - auch Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit genannt. Es gibt nur einen Gott und nicht drei! "Aber die Drei sind doch Einer", sagen Christen. Wer soll das verstehen? Es ist heute schwer nachzuvollziehen, wie es damals vor vielen Jahrhunderten zur Trinitätslehre gekommen ist. Christen werden die Trinitätslehre einfach nicht los. Burkhard Müller erläutert, warum das so ist.

"Am Anfang also: Beziehung
Am Anfang: Rhythmus.
Am Anfang: Geselligkeit.
...
Eine Gottheit, die vibriert
vor Lust, vor Leben.
Die überspringen will
auf alles,
auf alle."
1

Erst spielt nur eine Stimme. Die zweite kommt hinzu. Jetzt sind es drei.

Musik: Bach, Toccata e-moll

Wie schön die Drei miteinander spielen. Wie gesellig sie miteinander tanzen. Jeder ist gleich wichtig. Jeder ist gleich selbstständig. Jeder ist nichts ohne die anderen: die Drei sind gleichberechtigt, demokratisch sozusagen.

Darf man in dieser Musik Gott erkennen? Den geselligen, den trinitarischen Gott? Der Eine, der als Drei gesellig lebt? Die Drei, die sich wie Einer einig sind? Kann man diese Musik also trinitarisch hören?

Doch was bedeutet "Trinität"?
Das "Tri" entspricht dem deutschen "Drei". Trinität bedeutet Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes. Sie meint Gott Vater, Gott Sohn und den Heiligen Geist, die Drei, die doch nur Einer sind. Vor längerer Zeit feierten wir mit Muslimen in unserem Stadtteil ein gemeinsames Fest.
Am Schluss sollten ein Imam und ich als Pfarrer jeder in 10 Minuten seine Religion vorstellen.
Der Wunsch kam von den Muslimen. Sie wollten vor allem wissen, warum wir Christen an drei Götter glauben, wie sie meinten. Auch das noch! habe ich gedacht. Da schreiben die Gelehrten ganze Bücher über die Trinität, und dir geben sie nur 10 Minuten, deinen Glauben darzustellen!
Ich habe unsere Gäste in unsere Kirche geführt vor einen Wandteppich mit einer Sonne, einem Kreuz und einer Taube drauf. Und ich erläuterte: "Wir Christen glauben an einen einzigen Gott.
Dieser Gott ist die Kraft alles Lebens. Das Bild dafür ist die Sonne, die das Leben schenkt.
Wenn jemand wissen will, was Gott tut, dann soll er staunen über die Kraft und Schönheit des Lebens in unserer Welt. Vor der Sonne sehen Sie auf dem Teppich das Kreuz.
Das erinnert an Jesus Christus.
Auf den hören wir, wenn wir wissen wollen, was Gott uns sagen möchte. Der hat sich mit seinem ganzen Leben für uns Menschen eingesetzt. Man hat ihn wegen seiner Botschaft gekreuzigt. Aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Seitdem glauben wir Christen: Alles, was Jesus gesagt und getan hat, ist göttlich und wunderbar. Denn der e i n e Gott hat sich voll mit ihm identifiziert. Und drittens sehen Sie die Taube auf dem Wandteppich.
Die ist für uns das Symbol des Heiligen Geistes. Der heilige Geist, das ist der e i n e Gott, wie er jetzt zu uns spricht und uns jetzt leitet. Es sind tatsächlich drei: der Vater, der Sohn und der Geist. Aber es ist immer derselbe e i n e Gott."
Ich habe keine 10 Minuten gebraucht, um den christlichen Glauben zu erklären!
Den ganzen Gott in kurze trinitarische Sätze gefasst!
Aber darf und kann man das überhaupt? Gott mit so kurzen Formeln abhandeln?

Augustinus, der große Theologe der Alten Kirche, geht am Meeresstrand spazieren.
Er ist in Gedanken an das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes vertieft.
Da sieht er ein Kind, das mit einem Löffel Wasser aus dem Meer in sein Eimerchen schöpft.
"Was machst du denn da?", fragt er. "Ich schöpfe das Meer aus!" antwortet das Kind.
Da stockt Augustinus innerlich: "So wenig dieses Kind mit dem Löffel das Meer ausschöpfen kann, so wenig wird es mir gelingen, mit meiner Vernunft das Geheimnis der Dreieinigkeit auszuschöpfen."

Drastisch formuliert Xenophanes, ein griechischer Philosoph rund 500 Jahre vor Jesus:

"Wenn die Rinder und Pferde und Löwen Hände hätten und mit diesen Händen malen könnten und Bildwerke schaffen wie Menschen, so würden die Pferde die Götter abbilden und malen in der Gestalt von Pferden, die Rinder in Gestalt von Rindern, und sie würden solche Götterstatuen meißeln ihrer eigenen Körpergestalt entsprechend."2

Egal, wie wir von Gott reden: es sind menschliche Bilder. So mysteriös und theologisch komplex die Trinitätslehre auch ist, sie ist das Spiegelbild dessen, was in unsern Köpfen steckt.
Der Apostel Paulus sagt mit Recht:

"Jetzt sehen wir wie in einem Spiegel ein dunkles Bild,
erst zuletzt dann von Angesicht zu Angesicht."

( 1. Kor. 13, 12 )

Es gibt viele lesenswerte Bücher über die Trinität. Es wird darin meist so getan, als ob die Trinitätslehre vom Himmel herabgeschwebt sei wie die Offenbarung eines göttlichen Mysteriums.
Aber in Wirklichkeit ist da nichts herabgeschwebt. Die Trinitätslehre ist keine Offenbarung von oben vom Himmel herab, sie ist unten auf Erden entwickelt. Sie ist nicht zeitlos, sondern zeitbedingt. Sie steht auch nicht über der menschlichen Vernunft, sondern ist im Gegenteil Produkt vernünftiger Überlegungen und theologischer Denkbemühungen. Und dann hat noch die Kirchenpolitik tüchtig mitgeschrieben. Alles begann damit, dass in der Bibel formelhaft von Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist geredet wird:

"Lehret alle Völker und tauft sie auf den Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes".

Aber wer sind diese Drei?
Was haben sie miteinander zu tun?
Sind sie etwa drei Götter?
Oder wer von ihnen ist der Gott?

In den ersten Jahrhunderten der Kirche hat man darüber lebhaft und leidenschaftlich diskutiert.
Zum Teil auf höchstem Niveau. Das heute zu verstehen, dürfen wir getrost den Fachleuten überlassen. Es bildeten sich Gruppierungen: Modalisten stritten mit den Monarchianern, mit Adoptianern und Monophysiten und Subordinatianern. Kaiser Konstantin aber war das ewige Gezänk der Theologen leid.
Er wollte Ruhe in seinem Reich. Darum berief er - wohlgemerkt: der Kaiser, nicht die Kirche!-
im Jahr 325 eine Bischofsversammlung nach Nicäa ein. Ganz korrekt ging es schon bei der Einladung nicht zu. Von den etwa 4000 Bischöfen, die es damals im Reich des Konstantin gab,
wurden nur Auserwählte, vom Kaiser selbst Ausgewählte, eingeladen. Etwa 250 Kirchenführer reisten mitsamt reichlich Begleitpersonal an. Natürlich auf Staatskosten. Die Besetzung war nicht ausgeglichen: Aus dem Westen, also aus dem lateinischen Sprachbereich, waren nur vier Bischöfe dabei.
Der Kaiser gab sich als liebenswürdiger Gastgeber. Und ließ doch keinen Zweifel daran, wer Herr im Hause war. Er persönlich eröffnete die Versammlung:

"Wie ein Engel Gottes strahlte er in der feurigen Glut seines Purpurs und dem Glanz von Gold und Edelsteinen. Alle seine Begleiter überragte er an Größe, Schönheit und Würde. Er schritt bis zur vordersten Reihe der Plätze, wo mitten in der Versammlung ein Goldsessel für ihn bereitgestellt war. "3

In seiner Begrüßungsrede stellte er sich vor als ein

"Mitknecht der Bischöfe."

Das klang demütig. Aber es meinte natürlich: Dass ich als Kaiser für die äußeren Angelegenheiten allein zuständig bin, ist sowieso klar. Aber ich werde hier wie ein Bischof auch in Kirchendingen mitbestimmen. Es wurde theologisch anspruchsvoll diskutiert, ausführlich und gründlich beraten. Es ging hin und her. Der Kaiser war geduldig. Eine Zeit lang. Er verstand nicht alles, worum es ging. Langsam wollte er Ergebnisse haben. Jemand hatte ihm eingeflüstert: Mit dem Begriff homousios machen wir den Sohn Christus wesensgleich mit Gott, dem Vater. Damit beenden wir dann den Streit über die Göttlichkeit Jesu innerhalb der Trinität.
Die Bischöfe wollten das zwar so nicht haben. Aber was kann man schon machen gegen den kaiserlichen Druck. Also wurde beschlossen, was der Kaiser wollte. Triumphierend notierte der:

"Was dreihundert Bischöfe..."

eine Zahl, die glatt übertrieben ist,

"Was dreihundert Bischöfe miteinander beschlossen haben,
ist nichts anderes als das Urteil Gottes."

Die Ergebnisse, eigentlich kirchliche Bekenntnisse, wurden vom Kaiser zum Reichsgesetz erklärt. Seitdem ist diese antike Trinitätslehre das verbindliche Dogma der Kirche und für Jahrhunderte eine Art staatliches Grundgesetz.

Der Komponist Bruckner ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Trinität unsere Kultur geprägt hat. Hier in seiner Vierten Symphonie könne man - wie so oft bei diesem Komponisten - die Trinitätslehre hören, sagt mir ein Musikkenner. Es sind die Rhythmen. 12.123.12.123.
Die Zwei für die beiden Naturen Christi: die göttliche und die menschliche Natur.
Die Drei für Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist. darum 12.123.12.123

Musik: Bruckner, 4. Symphonie

Konstantin feierte das Ende der Konferenz mit einem Riesenbankett. Kaiser und Kleriker schmausten brüderlich vereint und lagen zechend um die Tische. Das erschien einem Zeitzeugen als

" "eine Wiederholung des ersten Pfingsten, als eine Verwirklichung des Reiches Christi". "

Der Kaiser hatte sich zu früh gefreut! Denn wenig später brach der alte Streit erneut aus.
Es ging immer wieder um die Frage, in welcher Weise Jesus göttlich ist. Athanasius und Arius seien hier genannt als besonders prominente Theologen und wilde Streithähne.
Die eine Partei freute sich, dass Athanasius nach Trier verbannt wurde. Die anderen freute, dass Arius plötzlich auf der Straße in Konstantinopel starb. Athanasius konnte es nicht lassen, darüber das Gerücht zu verbreiten, Arius sei auf einem Spaziergang von einer plötzlichen Übelkeit befallen gewesen und zu einer Toilette geeilt. Dort sei sein Leib wie bei dem Verräter Judas mitten entzwei geborsten. Die inneren Organe und Eingeweide hätten sich aufgelöst, Arius sei immer mehr zusammengeschrumpft und schließlich durch die Öffnung des Aborts in die Dunggrube gestürzt. Mehrere Generationen lang dauerten die Auseinandersetzungen.
Auf immer neuen Konzilen wurden in immer verbesserten Formeln die Lösungen gesucht.
Wie auch immer man das Ergebnis beurteilt: ein offenbartes Mysterium ist es nicht.
Nennt man es ein theologisches Meisterwerk, so atmet es doch den Geist vergangener Zeiten.
Man muss auch die Kritikpunkte benennen. In Nicäa wurde lebendiger christlicher Glaube erstmals in lehrbuchhafte Formeln gepresst, die per Gesetzes verbindlich wurden.
So trat Rechtgläubigkeit neben lebendigen Glauben. Damit gab es auch erstmals so etwas wie Konfessionen mit der Aufspaltung der Christenheit in Rechtgläubige und Falschgläubige.
Denn die vielen Arianer und Nestorianer blieben dabei: Jesus ist kein Gott. Sie schlossen sich dem kaiserlichen Dogma nicht an und waren - draußen.
Wo sie dann später zum Islam wechselten, denn dort wurde Jesus ebenfalls nicht als Gott gesehen.
Vor allem aber: Nur kurze Zeit und für Wenige in den Gemeinden war das Ergebnis wirklich verständlich. Immer schwerer hatten es die Menschen, den tiefen Gedanken zu folgen. Man muss schon hoch gescheiter Historiker sein, um diese Dogma und seine theologischen Feinheiten zu verstehen. Ich vermute, dass wegen dieser Verstehensschwierigkeiten die Trinitätslehre zunehmend als geoffenbartes Mysterium verkauft wurde.
Leider, denn vermutlich hat die Ehrfurcht vor dieser alten Lehre verhindert, die Trinitätslehre zu aktualisieren. Das aber wäre dringend nötig, weil heute ganz neue Fragen gestellt werden.
Wir glauben an Gott den Schöpfer. Aber was bedeutet das denn bei einer Evolutionstheorie, nach der die Natur alles hervorgebracht hat?
Wir glauben an Jesus, den Sohn. Aber wie können wir heute von zwei Naturen Christi, der göttlichen und der menschlichen, reden, wo wir heute doch bei allem Leben an die Gene denken? Hat Jesus nur menschliche Gene, oder gibt es auch göttlich Gene? Man spürt, dass diese Frage irgendwie falsch ist. Aber wie bitte kann man das mit den zwei Naturen Jesu heute verstehen? Wir glauben an den Heiligen Geist. Heute, wo die Weltreligionen zu Nachbarn geworden sind, kann man die Frage nicht auslassen, ob und wie dieser Geist auch dort wirkt.
Oder haben die mit dem trinitarischen Christengott nichts zu tun?
Leider haben wir keinen Kaiser Konstantin, der uns nötigt: Kommt, setzt euch zusammen und findet vernünftige Antworten des Glaubens auf die modernen Fragen.
Wir müssen uns selbst auf den Weg machen, darüber nachzudenken, was es denn mit diesem geselligen Gott auf sich hat.
Aber das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Und darum ist es auch voll in Ordnung, wenn man sich dem Geheimnis der Trinität anders nähert als durch theologische Kopfarbeit.
Zum Beispiel so:

Musik: Messiaen, Méditation sur le Mystère de la Sainte Trinité Nr. 4

Der große französische Komponist Olivier Messiaen geriet im 2. Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Erfahrungen dieses Krieges haben tiefe Spuren in ihm und seiner Musik hinterlassen. Sein Orgelstück meditiert anbetend das Geheimnis der Trinität.

Man kann sich mit Messiaens Orgelwerk oder mit anderen Formen der Mediation der Trinität annähern. Ganz anders gehen diese Christen mit dem altkirchlichen Bekenntnis um.

"Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat
Himmel und Erde..."


Sie sind zu einem Ökumenischen Gottesdienst zusammengekommen.
Nun sprechen sie gemeinsam den alten Text.

...aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil...


Die Einzelheiten des Textes sind den Betern nicht wichtig. Für sie ist der Text als Ganzes ein Symbol dafür, dass sie im Kern zusammengehören: Orthodoxe, Katholiken und Protestanten.

...Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein....
Manche lassen sich bei der Trinität von der Zahl Drei faszinieren. Es gibt Religionswissenschaftler, die vermuten, die Trinitätslehre sei aus dem Bedürfnis entstanden, der heiligen Zahl Drei zu entsprechen. Einer redet sogar von der "Zwingherrschaft der Zahl Drei". Die Trinitätslehre sei geradezu zwangsläufig entstanden durch das Diktat dieser Zahl.

Musik: Bach, h-moll-Messe Sanctus

Vielleicht haben Sie es bereits bemerkt. Die Frauen bilden einen dreistimmigen Chor.
Die Männer ebenso. Und alles fließt im Dreier-Rhythmus 1-2-3; 1-2-3.
Zum Orchester gehören drei Oboen, drei Trompeten und drei Geigenstimmen. Gottes trinitatische Heiligkeit wird in diesem Sanctus aus der h-moll-Messe von Bach durch die Drei-Zahl besungen und gefeiert.

Offiziell stellen die Kirchen die Trinitätslehre auf dem Treppchen der wichtigsten Dogmen ganz oben hin. Aber das ist bloße Theorie. Tatsächlich scheint sie keine große Bedeutung zu haben.
Ein Beispiel: Ich habe einen neuen Taschen-Katechismus, eine Art Lexikon der Glaubensbegriffe, mit immerhin 400 Seiten gekauft. Im Inhaltsverzeichnis finde ich viele wichtige Punkte benannt: von Abendmahl und Ablass bis Zionismus und Zukunft.
Aber die Trinität kommt nicht vor.
Schon Kant sagte:

" "Aus der Dreieinigkeitslehre lässt sich schlechterdings nichts für das Praktische machen"."4

Seiner Meinung nach hat die Trinität für das praktische Leben keine Bedeutung.
"Einspruch!" ruft der südamerikanische Befreiungstheologe Leonardo Boff.5
Er ist davon überzeugt, dass unser trinitarisches Gottesbild ganz praktisch unsere irdischen Verhältnisse beeinflussen muss.

Ist es nicht so? erklärt Boff, in der Trinität ist jeder gleich wichtig. Und doch ist jeder nichts ohne die anderen. Nur im Konzert der Drei, im Miteinander der Gleichberechtigten, ist Gott wirklich vollkommen. Und darum, so folgert Boff, müssen wir so miteinander umgehen, wie es der Trinität entspricht: gleichberechtigt, partnerschaftlich, demokratisch. Also keine politische Unterjochung. Stattdessen: Gleiche Rechte für alle. Auch in der Kirche muss es solche Gleichheit aller geben, meint Boff. Die Abstufung Papst, Klerus, Laien entspricht nicht dem trinitarischen Gottesbild. Und auch in den Familien müssen die Männer aufhören, patriachalisches Gehabe an den Tag zu legen.

Die trinitarischen Fragen sind nicht nur theologisches Glasperlenspiel.
Sondern sie haben Konsequenzen für den Alltag. Darum müssen wir dringend die Trinitätslehre für unsere Tage aktualisierten. Auf die Fragen kann keiner allein eine Antwort finden: Wer sind die Drei und was haben sie miteinander zu tun?
Darum empfinde ich es zugleich als eine versteckte Hausaufgabe, wenn der Apostel Paulus am Schluss eines Briefes den Korinthern die Worte aufschreibt:

"Die Gnade unsere Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!"
(2. Kor. 13, 13)

Literaturangaben:
1 Kurt Marti "Die gesellige Gottheit" Radius-Verlag S. 8
2 Xenophanes Clem.Str.5,110 zitiert nach Wikipedia
3 Eusebius "Vita Const." 3,11 zitiert nach Hans Lietzmann Geschichte der Alten Kirche Bd. 3 Berlin 2. Aufl. 1953 S. 105 f.
4I. Kant "Der Streit der Fakultäten" WW IX, Darmstadt 1971 S.303 zitiert nach Gisbert Grieshake "Hinführung zum Glauben an den drei-einen Gott" 5. Auflage Freiburg 1998 S.7
5 Leonardo Boff "Kleine Trinitätslehre" 1991 Düsseldorf

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