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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 11.12.2019

Trinh Xuan Thuan: "Die Magie der Nacht" Ein poetischer Blick ins All

Von Gerrit Stratmann

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Die Illustration zeigt das Cover des Buches "Die Magie der Nacht. Eine wissenschaftliche Reise von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen" von Trinh Xuan Thuan. (Piper Verlag / Deutschlandradio)
Trinh Xuan Thuan nimmt seine Leser mit ins Weltall - und denkt über grundsätzliche Fragen nach. (Piper Verlag / Deutschlandradio)

Der Astrophysiker Trinh Xuan Thuan hat ein wunderbar tiefsinniges Sachbuch geschrieben. "Die Magie der Nacht" lädt mit Fotos, Gemälden und literarischen Texten zu einer Sternen-Reise ein - und ist zugleich Meditation über unseren Platz im Universum.

Trinh Xuan Thuan ist in einer Atmosphäre des Krieges aufgewachsen. Geboren 1948 in Hanoi und später wohnhaft in Saigon, erlebte er den ersten und zweiten Indochinakrieg in Vietnam. Die Nacht, schreibt er, war in seiner Jugendzeit vor allem ein Ort der Gefahr, wenn Bomben in der Ferne niedergingen und Flammen den Horizont rot färbten.

Die Nacht so klar und frei

Jahre später verbringt er als Astrophysiker, der an der Universität von Virginia in den USA lehrt, ein paar Nächte auf dem Mauna Kea, einem erloschenen Vulkangipfel auf Hawaii. Dort stehen in 4200 Meter Höhe einige der besten Teleskope der Welt.

Trinh Xuan Thuan hat dort ein paar Tage Beobachtungszeit für seine Forschung bekommen. Nur an wenigen Orten ist die Luft so klar und der Himmel so frei von Lichtverschmutzung wie hier. Und es ist ruhig dort oben. "In die Stille der Nacht gehüllt, überkommt mich ein großes Gefühl von Frieden und Sanftheit", erzählt er.

Die wechselnden Gesichter dieser Nacht, von der Abenddämmerung durch die tiefe mondlose Dunkelheit bis zum Morgengrauen, bilden das erzählerische Gerüst seines Buches. Trinh Xuan Thuan spricht vom Farbenspiel des Sonnenuntergangs auf dem Gipfel und den Spektrallinien des Sternenlichts, von der Entstehung und Bedeutung des Mondes, von Planeten, Asteroiden und Sternbildern. Von der Milchstraße, unserem Platz darin und vom Ursprung und der Zukunft des Universums.

Die unterschiedlichen Gesichter der Nacht

Trotz aller wissenschaftlichen Erklärungen hat der Astrophysiker kein mit Fakten vollgestopftes Sachbuch verfasst. Eher liest es sich über weite Strecken wie eine Meditation über die Nacht und den Sternenhimmel. Er nimmt sich Zeit für Bilder, Beschreibungen und Gedichte.

Doppelseitige Fotos und Gemälde von Munch, Magritte, van Gogh, Chagall oder Turner zeigen unterschiedliche Gesichter der Nacht. Und auch im Text schlägt der Autor unerwartete Brücken, zum Beispiel zwischen dem chaotischen Werden und Vergehen virtueller Teilchen im Vakuum und der Vorstellung fortwährender Unbeständigkeit im Taoismus.

Trinh Xuan Thuan hat ein assoziatives, fast schon poetisches Buch geschrieben: "Die Magie der Nacht" ist eine lehrreiche und sinnliche Reise durch die Dunkelheit.

Trinh Xuan Thuan: Die Magie der Nacht. Eine wissenschaftliche Reise von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen
Aus dem Französischen von Andreas Jandl
Piper Verlag, München 2019
251 Seiten, 25 Euro

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