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Kulturnachrichten

Montag, 14. Oktober 2019

Trauerstaatsakt für Schauspielerin Vlasta Chramostova

Mit einem Staatsakt im Nationaltheater in Prag hat Tschechien die gestorbene Schauspielerin und Ex-Dissidentin Vlasta Chramostova geehrt. Am Sarg hielten heute Kollegen der Künstlerin Totenwache. Mehrere Minister, Prominente aus Film und Theater sowie ehemalige Bürgerrechtler zählten zu den Trauergästen. Die Schauspielerin war eine der ersten Unterzeichnerinnen der Petition Charta 77 von Vaclav Havel für mehr Bürgerrechte in der damaligen Tschechoslowakei. Die sozialistischen Machthaber belegten sie mit einem jahrelangen Berufsverbot als Schauspielerin. Daraufhin organisierte Chramostova mit anderen Künstlern geheime Theateraufführungen in ihrer Wohnung. Erst nach der Wende von 1989 konnte sie ans Nationaltheater zurückkehren. Chramostova war am 6. Oktober im Alter von 92 Jahren gestorben.

Evaristo und Atwood gewinnen Booker-Literaturpreis

Der britische Booker-Literaturpreis geht in diesem Jahr ausnahmsweise an zwei Autorinnen. Ausgezeichnet wurden die Britin Bernardine Evaristo und die Kanadierin Margaret Atwood, wie die Jury in London mitteilte. Evaristo wurde für ihr Buch "Girl, Woman, Other" ausgezeichnet. Margaret Atwood bekam den Preis für den Roman "The Testaments". Der "Booker Prize" ist der wichtigste britische Literaturpreis. Er ist mit 50 000 Pfund (rund 57 000 Euro) dotiert. Die beiden Gewinnerinnen teilen sich das Preisgeld. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen.

Stanisic nutzt Dankesrede für Breitseite gegen Handke

Der frisch gekürte Buchpreis-Gewinner Sasa Stanisic hat in seiner Dankesrede den Literaturnobelpreisträger Peter Handke heftig angegriffen. Die Entscheidung aus Stockholm in der vergangenen Woche habe ihm die Freude über den Deutschen Buchpreis "vermiest", sagte der 41-Jährige im Kaisersaal des Frankfurter Römer. Stanisic stammt aus Bosnien, Handke hatte in den 1990er Jahren für Serbien Partei ergriffen. "Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt", sagt der Autor, der 1992 nach Deutschland floh.

Sasa Stanisic erhält den Deutschen Buchpreis

Sasa Stanisic erhält den Deutschen Buchpreis 2019. Das gab die Jury in Frankfurt am Main bekannt. Sein Roman "Herkunft" gilt damit als der beste Roman des Jahres. Schon 2014 hatte der aus Bosnien stammende Autor mit "Vor dem Fest" den Preis der Leipziger Buchmesse bekommen. Der 41-Jährige erzählt in seinem Roman über seine Großmutter, die langsam das Gedächtnis verliert, über die Flucht der Familie während des Bosnien-Kriegs nach Deutschland und behandelt dabei die Frage, welche Rolle Herkunft überhaupt spielt. Der Preis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Der Sieger erhält 25 000 Euro, die fünf übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. In diesem Jahr standen in der letzten Runde drei Männer und drei Frauen, drei Neulinge und drei etablierte Autoren zur Wahl.

Untersuchungen zu falschem Nobelpreis-Anruf

Wenige Tage nach der Doppel-Bekanntgabe der Literaturnobelpreisträger hat die Schwedische Akademie Untersuchungen zu einem möglichem Scherzanruf bei einem irischen Schriftsteller aufgenommen. Man überprüfe, ob der Anruf wirklich aus dem eigenen Haus gekommen sei oder von jemanden von außerhalb getätigt wurde, teilte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, in Stockholm mit. Der irische Autor John Banville war am Donnerstag nach eigenen Angaben kurz vor der Bekanntgabe der Preise für die Jahre 2018 und 2019 von einem Mann angerufen worden, der sich als Malm ausgegeben haben soll. In dem Telefonat sei ihm erzählt worden, er habe den Literaturnobelpreis gewonnen, sagte Banville. Später habe der Mann noch einmal zurückgerufen und eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, wonach es in letzter Minute Meinungsverschiedenheiten in der Akademie gegeben habe, weshalb er den Preis doch nicht erhalte. Banville vermutete, der Anruf sei von einer Person getätigt worden, die Groll auf die Akademie hege.

Arvo-Pärt-Zentrum zieht positive Bilanz

Ein Jahr nach der Eröffnung hat das Arvo-Pärt-Zentrum in Estland eine positive erste Bilanz gezogen. Mehr als 33 000 Menschen hätten das nahe der Hauptstadt Tallinn gelegene Zentrum besucht, das sich dem Werk und Leben des bedeutenden zeitgenössischen Komponisten des Landes widmet. Das Interesse sei noch größer als erwartet und das Publikum bestehe aus Menschen von jung bis alt, sagte die Leiterin Anu Kivilo dem estnischen Rundfunk. Die neue Einrichtung mit Konzertsaal, Bibliothek und Seminarräumen besitzt Fotos, Videos und Tonträger, die das Schaffen des Komponisten zeigen. Der 84-jährige Musiker hat dem Zentrum bereits einen Großteil seiner Skizzenhefte und Aufzeichnungen vermacht.

Vietnam verbietet Kinofilm wegen Streit mit China

Wegen der Gebietsstreitigkeiten mit China um das Südchinesische Meer hat Vietnam den Animationsfilm "Everest - Ein Yeti will hoch hinaus" wieder aus den Kinos genommen, wie Staatsmedien berichteten. In einer Szene des Films wird eine Karte mit dem umstrittenen Seegebiet gezeigt - so wie es die Volksrepublik für sich beansprucht. Auch Vietnam erhebt Ansprüche auf Teile des Territoriums. Der Streit um das Seegebiet mit großen Öl- und Gasvorräten schwelt seit Jahren. Alle Filme in Vietnam müssen von kommunistischen Zensoren genehmigt werden, sie kontrollieren die Bildszenen auch auf politisch sensibles Material. Der Film lief seit Anfang Oktober in den Kinos des Landes und ist eine gemeinsame Produktion des US-Filmstudios DreamWorks und Chinas Pearl Studio. Eigentlich geht es im Film nur um einen chinesischen Teenager, der einem Yeti hilft, in seine Heimat zurückzukehren.

Nobelpreisträgerin Tokarczuk kommt nach Frankfurt

Die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk wird zum Start der Frankfurter Buchmesse erwartet. Sie wird morgen Abend dort bei der Eröffnung über die politische Verantwortung von Autoren sprechen. Tokarczuk zählt zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart und ist vor allem für ihre Romane bekannt, unter anderem "Die Jakobsbücher". Ihre Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Kunstpreis der Stadt Wolfsburg für Birgit Brenner

Für ihre gesellschaftskritischen Arbeiten zu Alltagsthemen bekommt die Berliner Künstlerin Birgit Brenner den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg, wie die Städtische Galerie mitteilte. Die Jury würdigte Brenners Bildsprache zu aktuellen Themen wie Existenzangst, Paarbeziehungen, das Älterwerden oder gesellschaftliche Veränderungsprozesse in ihren Werken. Dabei stelle sie analoge und digitale Sehmuster gegenüber, ebenso Perfektion und Do-it-yourself, sowie reales Leben und künstliche Konstruktionen. Brenner ist bekannt für ihre Arbeiten rund um Video, Malerei, Zeichnung, Fotografie und Skulptur. Der Preis, zu dem auch eine eine Einzelausstellung mit Katalog gehört, hat inklusive Preisgeld einen Wert von rund 100 000 Euro. Bis April 2021 werden in Wolfsburg neue Werke und Installationen von Birgit Brenner gezeigt.

5000 Jahre alte Grabenanlage nahe Tübingen entdeckt

Erstmals haben Archäologen im Neckarraum ein Grabensystem eines jungsteinzeitlichen Dorfes entdeckt. Die Anlage bei Tübingen stammt nach Einschätzung der Forscher der Universität Tübingen und des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege aus dem 53. Jahrhundert vor Christus. Bei den Ausgrabungen wurde auch ein Grab einer Frau aus dieser Zeit gefunden. Sie trug eine Kette aus Kalksteinperlen. Schmuckstücke aus der frühen Jungsteinzeit waren bislang aus dem Karpatenbecken und Balkanraum belegt, nicht aber in Süddeutschland. Die Forscher vermuten, dass die Einwanderung einer Bevölkerungsgruppe mit dazu beitrug, dass die Menschen in Mitteleuropa sesshaft wurden. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie die Einheimischen von Jägern und Sammlern zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden.

Pianist Levit widmet Musikpreis den Opfern von Halle

Der Pianist Igor Levit hat seine Auszeichnung mit dem Opus Klassik als Instrumentalist des Jahres auch den Opfern des Terroranschlags von Halle gewidmet. Bei der Preisverleihung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin erinnerte er an die Frau und den Mann, die vergangene Woche bei dem Terroranschlag in Halle getötet worden waren. Zudem sagte er: "Ich widme meinen Preis all denen, die seit Jahren still oder laut gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus, gegen Islamophobie und gegen Antifeminismus kämpfen. All diese Begriffe eint die absolute Menschenverachtung". Der Musiker ist am Sonntag für sein Album "Life" mit dem Opus Klassik ausgezeichnet worden. Zuvor hatte er sich in Berlin an der Demonstration der Initiative "Unteilbar" gegen Antisemitismus und rechte Gewalt beteiligt und ein Klavierstück zum Ende des Protestzuges gespielt.

Norwegens Prinzessin reist im Zug zur Buchmesse

Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat sich mit einem Literaturzug auf den Weg zur Frankfurter Buchmesse gemacht. Im Sonder-ICE fuhr sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem norwegischen Thronfolger Haakon, am Montag einen Teil der Strecke von Berlin nach Köln. Mette-Marit ist Botschafterin für norwegische Literatur im Ausland. Wenn man lese, lerne man viel über die Gesellschaft, über andere und sich selbst, sagte Mette-Marit. Norwegen ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. An Bord des Literaturzugs waren mehrere Schüler und auch norwegische Schriftsteller wie Jostein Gaarder und Maria Parr. In Köln sind ein Auftritt in einer Buchhandlung und ein Empfang geplant. Am Dienstag fährt der Zug weiter zur Frankfurter Buchmesse, die dann am Abend eröffnet wird.

Heinrich Schütz Musikfest mit positiver Bilanz

Rund 5000 Fans für Alte Musik haben die 20. Ausgabe des Heinrich Schütz Musikfestes in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besucht. Dies entspreche einer Auslastung von 87 Prozent und sei einer der besten Jahrgänge gewesen, teilte der Veranstalter mit. "Wir hatten den Mut, uns unter dem Aspekt der Moderne an ungewöhnliche Programmkonzepte zu wagen, Grenzüberschreitungen zu vollziehen und moderne Kontrapunkte zu setzen", erklärte Intendantin Christina Siegfried. Bei 39 Veranstaltungen in Bad Köstritz, Gera, Weißenfels und Dresden traten unter anderen der Rias Kammerchor, das französische Barockensemble La Tempeté und die Sopranistin Dorothee Mields auf. Mit dem Internationalen Heinrich-Schütz-Preis wurde der britische Dirigent Sir Roger Norrington geehrt. Heinrich Schütz (1585-1672) wurde in Thüringen geboren und gilt als erster deutscher Komponist von europäischem Rang. Unter seiner Führung erlebte auch die heutige Staatskapelle Dresden ihre erste Blütezeit.

Kulturrat verteidigt Computerspiele-Szene

Nach dem Attentat von Halle hat der Deutsche Kulturrat Äußerungen von Bundesinnenminister Seehofer zurückgewiesen. Seehofer hatte gesagt, viele potenziellen Täter kämen aus der Computerspiele-Szene und würden sich Simulationen als Vorbild nehmen. Nicht Games seien das Problem, sondern der Rechtsextremismus, erklärte der Geschäftsführer des Spitzenverbands der Kulturverbände, Olaf Zimmermann. Der Verband der deutschen Games-Branche, Game, sprach von einem Generalverdacht durch den Bundesinnenminister. Dies zeuge vor allem von Unkenntnis und Hilflosigkeit und lenke von den wirklichen gesellschaftlichen und politischen Ursachen für solche Taten ab.

25.000 Besucher kommen zur "lit.RUHR"

Das Literatur-Festival "lit.RUHR" hat erneut Tausende Bücherfans ins Ruhrgebiet gelockt. Nach Angaben der Veranstalter kamen bis zum Abschluss am Sonntagabend rund 25.000 Besucher. Das waren etwa ähnlich viele Gäste wie im Vorjahr. Zwar gab es weniger Veranstaltungen, deren Auslastung war aber mit durchschnittlich 82 Prozent höher als im Vorjahr. Das Publikum habe große Begeisterung erkennen lassen, erklärte Festivalleiter Rainer Osnowski. Die "lit.RUHR" fand 2017 erstmals statt und wird vor allem von verschiedenen Stiftungen finanziert, darunter die RAG-Stiftung und die Stiftung Mercator GmbH.

JU-Chef Kuban will Upload-Filter abschaffen

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, hat einen neuen Anlauf zu einer Reform des europäischen Urheberrechts ohne sogenannte Upload-Filter gefordert. Natürlich stehe die JU für Urheberrechtsschutz, dieser dürfe aber keine Zensurkeule werden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es müsse eine Freiheit im Netz geben. Mit diesen Filtern würden aber auch Dinge aus dem Netz gezogen wie Satire oder Parodien, die aus seiner Sicht auch im Netz eine Selbstverständlichkeit seien. Das Europaparlament hatte im Frühjahr eine Reform des Urheberrechts gebilligt. Diese sieht vor, kommerzielle Plattformen wie Youtube beim Urheberrecht stärker in die Pflicht zu nehmen. Upload-Filter prüfen bereits beim Hochladen, ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich geschützt sind.

Hans-Ehrenberg-Preis an Norbert Lammert verliehen

Der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ist in Bochum mit dem diesjährigen Hans-Ehrenberg-Preis ausgezeichnet worden. Die von der Evangelischen Kirche Bochum verliehene Auszeichnung gehe an den 70-jährigen Politiker, weil er mit Leidenschaft, Esprit und Stil die demokratische Kultur Deutschlands geprägt habe, erklärte der Bochumer Superintendent und Vorsitzende der Findungskommission, Gerald Hagmann. Der Preis erinnert an den Theologen und Philosophen Hans Ehrenberg (1883-1958). Er wirkte als Pfarrer in Bochum, gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus und wandte sich vehement gegen Antisemitismus.

Heinrich-Schütz-Preis für Dirigent Roger Norrington

Der britische Dirigent Sir Roger Norrington ist mit dem Heinrich-Schütz-Preis geehrt worden. Der 85-Jährige Brite wird damit für seine Verdienste um die Pflege und Verbreitung der Musik des deutschen Frühbarock-Komponisten ausgezeichnet. Norrington sei "einer der wichtigsten Pioniere der historisch-informierten Aufführungspraxis", hieß es zur Begründung. Die Verleihung fand im Rahmen des diesjährigen Heinrich Schütz Musikfestes in Dresden statt.

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Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

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