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Fazit | Beitrag vom 09.06.2020

Trauerfeier für George FloydEine Beerdigung mit globaler Signalwirkung

Julia Wissert im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die Trauerfeier für den von einem Polizisten ermordeten George Floyd. (Getty Images / Pool)
Die Trauerfeier für den von einem Polizisten ermordeten George Floyd. (Getty Images / Pool)

Die Trauerfeier für den von Polizisten getöteten Georg Floyd wurde live im Netz übertragen. Die Theaterintendantin Julia Wissert sieht darin ein Signal, dass die Diskussion über strukturellen Rassismus nicht mehr einfach vom Tisch zu wischen sei.

Hunderte Trauernde nahmen am 9. Juni in Houston Abschied von dem durch einen Polizisten getöteten Afroamerikaner George Floyd. Die Trauerfeier konnte live in Netz verfolgt werden.

Auch Julia Wissert, die neue Intendantin am Schauspiel Dortmund, hat sich angeschaut, wie Floyd von seiner Familie und seinen Freunden mit bewegenden Worten verabschiedet wurde. Wissert hat sich in vielen ihrer Theaterarbeiten mit strukturellem Rassismus in Deutschland auseinandergesetzt.

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Sie sagt: Die Art, wie der tote George Floyd  der Öffentlichkeit präsentiert worden sei, solle ein Signal setzen: "Es macht das, worüber schon seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit gesprochen wird – über strukturellen Rassismus, über die Ermordung von schwarzen Menschen, und nicht nur in den USA, auch in Deutschland, auch in Europa – einfach sichtbar... Es ist einfach nicht mehr vom Tisch zu weisen, dass schwarze Menschen umgebracht werden. Seit Jahrhunderten."

Nicht nur ein Widerstand der Black Community

Ist dies der Beginn eines Wandels in den USA? Die Trauerfeier mit ihren Videoeinspielungen habe gezeigt, dass es überall in den USA Menschen gebe, die Widerstand gegen strukturellen und institutionalisierten Rassismus leisteten, sagt Wissert. Aber:

"Ich weiß nicht, ob das eine homogene Meinung ist, denn sonst wäre George Floyd wahrscheinlich nicht tot." Doch der Reverend habe es in Gegenwart der Trauergemeinde gut auf den Punkt gebracht: Die Widerstandsbewegung sei nicht länger nur eine schwarze Bewegung. Es sei auch eine weiße, jüdische, queere oder Latino- und Latinabewegung.

Einen Wandel könne nur die Gesellschaft selbst einleiten. Nur so könne  die Ermordung von schwarzen Menschen verhindert werden:

"Ich glaube, die Ermordung Georg Floyds ist ein weiterer Impuls in einer sehr, sehr langen Geschichte. Und meine Hoffnung ist natürlich, dass dadurch, dass sich jetzt eine globale Widerstandsbewegung formiert hat, diese Energie weitergehen wird als nur bis zur Beerdigung von George Floyd."

(mkn)

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