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Kompressor | Beitrag vom 15.01.2021

Trashfilmer Lloyd Kaufman über TrumpIm B-Movie namens US-Politik

Lloyd Kaufman im Gespräch mit Timo Grampes

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Regisseur und Produzent Lloyd Kaufman schaut hinter einer Gruselmaske hervor.  (imago images / ITAR-TASS)
Der Filmproduzent Lloyd Kaufman steht für die bissige Gegenkultur Amerikas. Rechts im Bild: seine berühmteste Filmfigur, der "Toxic Avenger". (imago images / ITAR-TASS)

Seit 50 Jahren dreht und produziert Lloyd Kaufman Trash- und Splatterfilme. In der Trump-Ära habe er sich wie in einem seiner eigenen Streifen gefühlt, erzählt er. Auch sein neuer Film habe viel mit dem scheidenden US-Präsidenten zu tun.

In den Jahren der Trump-Regierung habe er sich fast ein wenig wie in seinen eigenen Trash- und Splatterfilmen der Produktionsfirma Troma Entertainment gefühlt, erzählt Regisseur und Produzent Lloyd Kaufman. Seit mehr als 50 Jahren inszeniert und produziert er Independent- und Low-Budget-Streifen: B-Movies, die sich satirisch an der US-amerikanischen Gesellschaft abarbeiten.

Trashfilm und Realität verschmelzen

Dass ein Mann wie Donald Trump in den USA irgendwann an die Macht gelangen würde, konnte ihn eigentlich nicht mehr überraschen: Schließlich hätten schon zahlreiche seiner Filme vorausgeahnt, was Trump schließlich durchgesetzt habe, meint Kaufman. So etwa im Kultklassiker "Toxic Avengers", in dem ein mutierter Superheld seine Stadt vor Korruption und Gier rettet. "Dann gab es noch andere Filme, in denen wir wirklich vorausgesehen haben, was Trumps Welt ist."

Was er allerdings nicht verstehe, witzelt Kaufman über die radikalen Trump-Anhänger, die das Kapitol erstürmt haben: "Warum diese Terroristen, diese Barbaren in unseren Kostümen rumlaufen" – in den Kostümen von Filme wie "Class of Nuke 'Em High" oder "Surf Nazis Must Die".

Kaufmans Trashfilm-Visionen und die Realität scheinen zunehmend zu verschmelzen.

"Die meisten Politiker sind einfach gruselig"

Dass er 2016, im Jahr von Trumps Erfolg, nicht zur Wahl gegangen ist, bereue er trotzdem nicht, so Kaufman. "Beide Kandidaten waren schrecklich. Warum soll ich einen Kandidaten unterstützen, den ich nicht mag."Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Auch bei dieser Präsidentschaftswahl habe er nicht für den demokratischen Kandidaten Joe Biden gestimmt. "Da ich Biden nicht gut finde und Trump nicht gut finde, habe ich mich für die Grüne Partei entschieden, die machen wenigstens etwas für die Umwelt. Die meisten Politiker, die wir haben, sind einfach gruselig. Das sind schreckliche Kandidaten."

Neuer Film über Trump und Twitter

Zwar hätte sich niemand ausdenken können, was während der Trump-Präsidentschaft alles geschehen sei. Dazu sei dies doch zu unglaublich. Trotzdem habe sein neuer Film "#Shakespeare’s Shitstorm" sehr viel mit der Trump-Ära zu tun, sagt der Regisseur. Es ist eine freie Adaption von Shakespeares "Der Sturm". "Viele Probleme der Trump-Zeit werden da angesprochen, zum Beispiel der Hass, der auf Twitter verbreitet wird."

Auch ein Geheimnis verrät Lloyd Kaufman: "Wir haben einen Gastauftritt am Ende des Films, da wird Präsident Trump auftauchen." Ob sein Film also ein Happy End haben wird?

Für die Zukunft der US-amerikanischen Gesellschaft wünscht der Regisseur sich jedenfalls: "Wahrheit und Liebe, das wäre mein Rat, dann kann man nicht scheitern."

(lkn)

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