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Interview | Beitrag vom 05.11.2020

Transatlantische Beziehungen Mauerfall-Gedenken in Wyoming

Andrew Denison im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Grand Teton Nationalpark in Wyoming (picture-alliance/newscom)
Im US-Bundesstaat Wyoming leben 600.000 Einwohner auf weiter Fläche – vor allem Trump-Wähler. (picture-alliance/newscom)

In seiner Heimat Wyoming wäre ein Goethe-Institut sicher willkommen, sagt der Transatlantiker Andrew Denison. Er lebt in Deutschland und setzt sich für gute Beziehungen beider Länder ein. Ein Mauerfall-Gedenken habe es dort bereits gegeben.

Die langwierige Auszählung aller Stimmen nach der US-Präsidentenwahl führt mal wieder vielen Deutschen vor Augen, wie sehr sich die Vereinigten Staaten von der bundesdeutschen Politik unterscheiden. "Die Hälfte der Amerikaner liebt ihn und die andere Hälfte hasst ihn", erklärt der in Königswinter am Rhein lebende US-amerikanische Politologe Andrew Denison das Verhältnis zu Präsident Donald Trump und die Polarisierung in seiner Heimat.

Er ist Direktor des "Transatlantic Networks", das die Beziehungen zwischen beiden Ländern befördern soll, und stammt selbst aus Wyoming. In dem Bundesstaat leben auf einer Fläche so groß wie Frankreich nur rund 600.000 Einwohner, von denen jetzt etwa 70 Prozent für Trump gestimmt haben.

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Wyoming werde in Washington von zwei Senatoren vertreten, genauso wie Kalifornien mit 40 Millionen Einwohnern, sagt Denison. "In Amerika hat die ländliche Bevölkerung viel mehr Einfluss als die städtische Bevölkerung." Das sei ein Grund, warum die Kandidatin Hillary Clinton bei der letzten Präsidentenwahl zwar mehr Stimmen gehabt habe als Trump, aber dennoch die Wahl verlor.  

Goethe-Institut in der Prärie 

Den Vorschlag von FDP-Chef Christian Lindner, auch im Mittleren Westen der USA ein deutsches Goethe-Institut zu eröffnen, um die Beziehungen zu stärken, begrüßt Denison. "Wenn ein Goethe-Institut da in der Prärie auftauchen würde, ich denke, die Amerikaner würden Spaß habe." Es wäre toll, auch noch ein deutsches Bier anzubieten, meint der Transatlantiker.

Auch in Wyoming gebe es einige Leute, die Deutschland bereits kennen, so beispielsweise die US-Soldaten, die von dort zu ihren Einsätzen in Irak oder Afghanistan geflogen seien.   

"Die Gesellschaften wachsen ineinander"

Ein Goethe-Institut könne mehr Neugier für die Welt da draußen wecken. Denison erzählt, dass auch in Wyoming das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls gefeiert worden sei. Auf einem Uni-Campus habe man eine 30 Meter lange Berliner Mauer nachgebaut. "In voller Größe und da drauf dann Graffiti aller Art, und jemand hatte sogar eine NVA-Uniform." Am Ende sei diese Mauer zusammengeschlagen worden, und alle hätten über diesen spannenden Moment 1989 gesprochen.

Viele in Wyoming seien stolz, wenn sie ihre Kinder nach Europa schickten. Obwohl 70 Prozent jetzt für Trump gestimmt hätten, liefen die Austauschprogramme in den Highschools. "Ich denke, die Gesellschaften wachsen ineinander." Er habe die Hoffnung, dass die Deutschen gegenüber den US-Bürgern nicht nur den Zeigefinger heben, sondern ihnen die Hand geben und sie verstehen. Die USA seien ein Land der "unbegrenzten Möglichkeiten und unbegrenzten Widersprüche".

(gem)

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