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Plus Eins | Beitrag vom 19.02.2021

Tragödie zweier Kosaken-Kinder"Du wirst immer ein Knecht bleiben"

Von Henry Bernhard

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Hinter dem Eingangstor des Friedhofes sind Kreuze zu erkennen. Im Hintergrund bewaldete Berghänge. (Deutschlandradio / Henry Bernhard)
Der Kosaken-Friedhof von Lienz in Tirol. Die Überlebende Sonja Waldner besucht den Friedhof regelmäßig. (Deutschlandradio / Henry Bernhard)

Michael Rainer und Sonja Waldner sind Kinder von Kosaken. Ende des 2. Weltkriegs landeten sie im österreichischen Lienz. Den dort gestrandeten Kosaken drohte die Auslieferung an die Russen. Die beiden Kinder hatten Glück und haben doch viel verloren.

Michael Rainer und Sonja Waldner haben an ihre Eltern kaum Erinnerungen. Sie wurden als kleine Kinder von ihnen getrennt. Wie? Darüber wissen die beiden nur Ungenaues: "Es gibt viele Geschichten über mein Leben. Die anderen haben erzählt, dass ich in einem Korb wie Moses auf der Drau daher geschwommen bin", so lautet eine Erzählung, die Sonja Waldner über ihre Ankunft als Baby in einer Tiroler Bauernfamilie gehört hat.

Sie wurden als "Russenkinder" missachtet

Michael Rainer, war fünf, als er seine Eltern verlor. Er erinnert sich vage daran, wie es passierte - dass sein Vater wohl erschossen wurde. Ein Schicksal, das vielen Kosaken wiederfuhr. Doch ihre Geschichte konnten viele Nachkommen nicht teilen. Sonja und Michael kannten sich nicht, obwohl sie in derselben Gegend aufwuchsen. Sie wurden versteckt und als "Russenkinder" missachtet. Ihre Geschichte und die ihrer Familien wurde von Historikern erst später rekonstruiert. 

Es ist eine Geshichte von Tätern und Opfern, die in Lienz in Tirol ein tragisches Ende nehmen sollte. Denn hier landeten die Kosaken nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Volksstamm aus dem Süden Russlands und der Ukraine, der früher in Gemeinschaften freier Reiterverbände den Zaren verteidigt hatte, hatte an der Seite der Wehrmacht gegen Stalin gekämpft.

Nach den Siegen der Roten Armee zogen sie mitsamt ihrer Familien zunächst nach Italien, um dann nach Tirol zu fliehen. Aber auch das blieb nur eine Zwischenstation. Henry Bernhard erzählt bei "Plus Eins" den Werdegang zweier Kinder, die in die Mühlen der Geschichte gerieten und erst spät in ihrem Leben Frieden finden sollten.

  

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