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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.12.2018

Tracy Letts' "Wheeler" am BEMidlife-Crisis eines Langeweilers

Barbara Behrendt im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Stephanie Eidt und Felix Rech in "Wheeler" von Tracy Letts in der Regie von Oliver Reese am Berliner Ensemble. (Matthias Horn)
Stephanie Eidt und Felix Rech in "Wheeler" von Tracy Letts in der Regie von Oliver Reese am Berliner Ensemble. (Matthias Horn)

Tracy Letts seziert in seinen Dramen das gegenwärtige Amerika. Doch sein neues Stück "Wheeler" in der Inszenierung von Oliver Rees hat unsere Kritikerin Barbara Behrendt gelangweilt. Zumal der Hauptdarsteller eine Fehlbesetzung sei.

In der Geschichte geht es um einen gewöhnlichen weißen US-Amerikaner Anfang 50, der in einer Midlife-Crisis steckt mitten in der Scheidung ist und sich für den absoluten Loser hält. Er lernt dann über Freunde eine neue Frau kennen, mit der er aber auch nicht glücklich wird.

"Es wird nicht klar, warum wir uns das anschauen sollen"

Barbara Behrendt: "Wheeler soll so ein sympathischer Nörgler sein, ein liebenswerter Misanthrop, aber leider Gottes ist er nur ein Narziss, der sich selbst bemitleidet. Es ist ein Stück mit gut gebauten Szenen und pointierten Dialogen, aber es wird nicht klar, warum wir uns diese Geschichte des alternden Mannes, der sich selbst bedauert und sich junge Frauen ins Bett holt, anschauen sollen."

Felix Rech spiele die Hauptrolle gut, sei aber dennoch eine Fehlbesetzung, weil er viel zu jung für diese Midlife-Crisis wirke:

"Geradezu jugendlich noch und außerdem viel zu attraktiv für diese ganzen Selbstwertprobleme."

Man frage sich dann, warum die psychologisch viel stärkeren Frauen – sehr überzeugend gespielt von Stephanie Eidt und Josefin Platt – sich mit so einem Idioten rumschlagen.

Trang Le Hong und Felix Rech in "Wheeler" von Tracy Letts in der Regie von Oliver Reese am Berliner Ensemble. (Matthias Horn)Trang Le Hong und Felix Rech in "Wheeler" von Tracy Letts in der Regie von Oliver Reese am Berliner Ensemble. (Matthias Horn)

Die Inszenierung von Regisseur Oliver Reese sei sehr konventionell und realistisch:

"Er ist ja eher ein solider Handwerker, kein begnadeter Künstler."

Die Bühne im Kleinen Haus wirke wie eine amerikanische TV-Serie aus den 90er Jahren. Das habe man alles schon gesehen.

Vollmundige Ankündigungen des Intendanten nicht eingelöst

"Das Stück hat letztlich nur diese konventionelle Midlife-Crisis dieses Langweilers zu erzählen", sagt Behrendt. Die beiden vorigen Stücke von Tracy Letts seien deutlich besser gewesen. Oliver Reese müsse sich aber vorwerfen lassen, dass er als Intendant das Stück ausgesucht habe. Um Reeses zu Beginn seiner Intendanz formulierten Anspruch, das Berliner Ensemble als Haus für das gegenwärtige Autorentheater zu etablieren, stünde es nicht gut.

"Dass er auch dieses Stück im Kleinen Haus spielen lässt, sagt ja schon, wie viel er dem Stück und der Gegenwartsdramatik zutraut. Er hat es nicht geschafft, die richtigen Stücke und die richtigen Autoren in das Haus zu holen. In den letzten anderthalb Jahren gab es kaum eine Uraufführung, die ein spannendes neues Stück oder einen neuen Autor gezeigt hätte.

Auch um sein Autorenlabor ist es still geworden, seitdem Moritz Rinke ausgestiegen ist. Und auf der großen Bühne werden Shakespeare und Brecht gespielt. Ich habe den Eindruck, er kauft ein, was gerade en vogue ist. Die vollmundigen Ankündigungen hinsichtlich eines großen, neuen Autorentheaters, da hat er mich schwer enttäuscht."

Tracy Letts: Wheeler
Inszenierung: Oliver Reese
Bühne: Hansjörg Hartung

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