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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.09.2011

"Tournée"

Überzeugender halbdokumentarischer Spielfilm über die Welt des Tingeltangel

Von Jörg Taszman

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Der französische Schauspieler und Regisseur Mathieu Almaric (picture-alliance / dpa)
Der französische Schauspieler und Regisseur Mathieu Almaric (picture-alliance / dpa)

Der Streifen handelt von den Sorgen und Nöten eines verkrachten, ehemaligen Top-Produzenten, der eine Truppe von Striptease-Tänzerinnen dirigiert, und gehört zum Originellsten, was das französische Kino in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite die üppigen, amerikanischen Striptease-Tänzerinnen des "New Burlesque", die sich Abend für Abend in einer sinnlichen Show, die nichts mit Billig-Erotik zu tun hat, einem nicht so zahlreichen Publikum präsentieren. Und auf der anderen Seite – oder genauer -mitten unter diesen starken Frauen – hüpft ein egomanisches Männchen, ihr Impresario Joachim herum. Ein Franzose, der für diese Tournee zurückgekehrt ist in seine Heimat.

Regisseur Mathieu Amalric spielt diesen hochstaplerischen Choleriker, der nie gänzlich unsympathisch ist. Seit Jahren gehört Amalric zu Frankreichs besten Schauspielern überhaupt, international bekannt vor allem durch seine Auftritte als James-Bond-Bösewicht in "Ein Quantum Trost" oder hinkender Agent in Steven Spielbergs "München". Spätestens seit seiner einmaligen Performance als querschnittsgelähmter Chefredakteur von "Elle" in "Schmetterling und Taucherglocke" ist er auch in Deutschland bekannt.

Mit "Tournée" gelingt Mathieu Amalric nun ein überzeugender halbdokumentarischer Spielfilm über die weitgehend unbekannte populäre Kunstform des "New Burlesque", die Welt des Tingeltangel und die Nöte eines verkrachten, ehemaligen Top-Produzenten, der private und geschäftliche Sorgen hat. Das ist definitiv ein Film der spaltet, aber zu den originellsten, französischen Filmen der letzten Jahre gehört.

Frankreich 2010 - Regie: Mathieu Amalric, Darsteller: Mathieu Amalric, Anne Benoit, 111 Minuten

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