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Fazit | Beitrag vom 28.07.2019

Tour de FranceZuschauen, wie sich andere quälen

Jürgen König im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Sieger der diesjährigen Tour de France, Egan Bernal, bei der letzten Etappe.  (imago images / Belga / David Stockman)
Mit 22 Jahren ist Egan Bernal Sieger der diesjährigen Tour de France. (imago images / Belga / David Stockman)

Die Tour de France ist zu Ende, gewonnen hat der Kolumbianer Egan Bernal. Aber warum ist so ein Radrennen eigentlich für den Zuschauer interessant? Es habe etwas Meditatives, sagt unser Frankreich-Korrespondent. Und das Leidenspathos übe einen Sog aus.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Tour de France hat mit Egan Bernal ein Kolumbianer die Radtour gewonnen. Mit 22 Jahren ist er der jüngste Sieger seit 84 Jahren. Bis zuletzt hatten die beiden Franzosen Julian Alaphilippe und Thibaut Pinot Chancen auf den Sieg, doch dann kam alles anders.

Unser Frankreichkorrespondent Jürgen König berichtet im Deutschlandfunk Kultur von seinen Gedanken, die ihm während des Rad-Marathons kamen. Auch wenn er das Ende der Tour de France bedaure, frage er sich natürlich auch, wo hier der Reiz fürs Zuschauen liege, denn letztlich mache man nichts anderes, als Menschen stunden-, ja wochenlang beim Radfahren zuzusehen.

Irgendwie übe die Tour also einen Sog auf die Menschen aus, berichtet König aus eigener Erfahrung.

Meditative Wirkung

Dabei passiere über Stunden eigentlich nichts. Die Tour sei auch nicht wirklich spannend, man könne wunderbar nebenbei aufräumen oder sauber machen, auch mal eine Viertelstunde weggehen und zurückkommen - und trotzdem habe man nichts verpasst. Dennoch bleibe man dran. Das Schauen der Tour de France hat also etwas Meditatives.

Ein möglicher Grund für diesen Sog ist nach Königs Ansicht, dass es sich beim Radfahren um eine sehr normale Fortbewegungsart handelt, die jeder kennt. Ein weiterer, dass das Leidenspathos, das auf dieser härtesten Radtour der Welt zur Schau gestellt wird, jede Vorstellungskraft übersteigt.

Alles riskieren, sich stundenlang quälen

"Sie legen in drei Wochen 3366 km zurück. Manche Etappen dauern fünf Stunden und mehr bei 35 Grad Hitze. Auf langen Abfahrten sind sie über 100 km/h schnell. Es gibt Bergstrecken mit acht bis zehn Prozent Steigung und das noch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h. Alles riskieren, sich stundenlang quälen. Die müssen doch Schmerzen haben ohne Ende, denkt man. Aber nein, wenn die Etappe vorbei ist, wartet am nächsten Tag die nächste. Die Fahrer rollen wieder an. Ich dachte manchmal: wie Sisyphos, der seinen Stein immer wieder aufs Neue den Berg hoch rollt."

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