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Zeitfragen | Beitrag vom 05.08.2020

Tondokumente von 1990DDR-Schriftsteller im Jahr der deutschen Einheit

Zusammengestellt von Winfried Sträter

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Schwarzweiß Aufnahme einer Bühne auf der Wolfgang Emmerich, Christa Wolf und Jurek Becker im Gespräch zusammen sitzen (gettyimages / ullstein bild / ADN-Bildarchiv / Peer Grimm)
Wolfgang Emmerich, Christa Wolf und Jurek Becker bei einer Diskussion über 40 Jahre deutsch-deutsche Literatur im Jahr 1990. (gettyimages / ullstein bild / ADN-Bildarchiv / Peer Grimm)

Nach dem Mauerfall beginnt in den Feuilletons die Debatte über DDR-Literatur. Schriftstellerinnnen und Schriftsteller werden mit bösen Anschuldigungen konfrontiert. Eine Diskussion mit Christa Wolf, Jurek Becker und Peter Schneider aus dem Jahr 1990.

1990 war ein irres Jahr. Die Mauer war gefallen und die neu gewonnene Freiheit in der DDR war größer als die des bald vereinten Deutschland. Viele lebten die Möglichkeiten aus, die sich nach dem Sturz des SED-Regimes eröffneten.

Zugleich wuchs die Sehnsucht, wieder in geordneten Bahnen leben zu können. Hoffnungen von Bürgerrechtlern, die im Herbst 1989 die betonierten Verhältnisse aufgebrochen hatten, wurden bitter enttäuscht. Der Osten lernte den Westen – und der Westen den Osten kennen.

Die Neugier auf Tabubrüche

Und: Im Sommer 1990, als sich die DDR auflöst, ändert sich auch die Sicht auf die DDR-Literatur. Solange das SED-Regime noch intakt war, dominierte auch in Westdeutschland die Neugier auf die Tabubrüche, mit denen Schriftstellerinnen und Schriftsteller die Grenzen des offiziell Erlaubten durchbrachen.

1990 dann waren der freien Meinungsäußerung keine Grenzen mehr gesetzt, die Literatur verlor ihre bisherige politische Funktion. Und mit der Auflösung des Staates stellt sich in Ost und West die Frage: Was war eigentlich DDR-Literatur? Wodurch zeichnete sie sich aus? Welchen bleibenden Wert würde sie haben? Die Feuilletons entfachten eine Diskussion über die DDR-Literatur mit zum Teil bösen Anschuldigungen.

Historische Aufnahmen des RIAS

Der Rundfunk im Amerikanischen Sektor Berlins (RIAS) veranstaltete im Sommer 1990 Diskussionen mit Literaten aus Ost und West. Mit dabei waren Christa Wolf, Jurek Becker und Peter Schneider. Gesprächsleiter war Wolfgang Emmerich, Literaturwissenschaftler von der Universität Bremen und Spezialist für DDR-Literatur.

Das Tondokument des Jahres 1990 vermitteln Eindrücke von diesem stürmischen letzten Jahr der DDR, in dem auch für die alte Bundesrepublik die Zeit ablief.


Wir senden weitere "Tondokumente aus dem Jahr der deutschen Einheit":

12.8.2020, ab 19:30 Uhr
Der Runde Tisch in der Provinz – DDR-Alltag 1990
Zusammengestellt von Winfried Sträter - hier zum Nachhören.

19.8.2020, ab 19:30 Uhr
Das Finale in der Volkskammer – Wie das DDR-Parlament das Ende der DDR besiegelte
Zusammengestellt von Susanne Arlt

26.08.2020, ab 19:30 Uhr
Ein Toast auf alle Frauen! – Wie in der DDR 1990 über Gleichberechtigung diskutiert wurde
Zusammengestellt von Constanze Lehmann

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