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Im Gespräch | Beitrag vom 20.07.2018

Tomatenzüchterin Irina ZachariasKönigin im Reich der Paradiesäpfel

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Irina Zacharias mit einem Korb voller Tomaten, über 1000 Tomatensorten zieht Zacharias auf. (Igor Schifris)
Irina Zacharias mit einem Korb voller Tomaten, über 1000 Tomatensorten zieht Zacharias auf. (Igor Schifris)

Sie schmecken nach Mango, Ananas und Kartoffel, heißen Schlesische Beere, Andenhorn und Rotes Zebra: Mehr als 1000 Tomatensorten zieht Irina Zacharias in ihrem Garten. Dass sie alte Sorten erhält, hat auch mit ihrer Kindheit in der Sowjetunion zu tun.

Goldapfel, Liebesapfel, Paradiesapfel - das sind nur drei der vielen Namen, die man der Tomate in verschiedenen Ländern und Kulturen gegeben hat. Irina Zacharias ist dem Charme dieser so besonderen Frucht ganz und gar erlegen. Schon in ihrer Kindheit züchteten ihre Eltern auf einer Datscha außerhalb von Moskau verschiedene Tomatensorten.

"In Moskau hat dich keiner gefragt, ob du mitmachen willst. Wenn man im Winter eingelegtes Gemüse essen wollte, dann musste man alles mögliche aus der Datscha herausholen. Sonst hätte es nur Kartoffeln gegeben."

Ihr Vater, ein Agraringenieur war, habe sehr schnell Interesse an bunten Tomaten gefunden.

"Es gibt zum Beispiel Tomaten, die wie Paprika ausschauen. Die sind hohl. Und da fragen Menschen: Sind das wirklich Tomaten?"

Intensive Gaumenfreuden als Lohn

Heute lebt Irina Zacharias auf einem Einsiedler-Bauernhof bei Regensburg und widmet den Tomaten große Teile ihrer Lebenszeit und wird dafür mit intensiven Gaumenfreuden belohnt. In der Gärtnerei "Irinas Tomaten & Kräuter" zieht sie mit ihrem Ehemann mehr als 1000 Sorten in einem Farbspektrum von grün über gelb bis rot, pink und lila. Wer probiert, kann überrascht werden. "Viele sagen: Das schmeckt wie Obst, gar nicht wie Tomate. Beim Tomatenfest hat ein Kind gesagt, ganz begeistert: Mama, diese Tomate schmeckt so gut, die schmeckt gar nicht nach Tomate. Die schmeckt wie Tomatensaft."

Dabei sammelt die studierte Psychologin außerdem Erkenntnisse über die heilenden Kräfte der Natur für Körper und Seele. Würde sie auf eine einsame Insel verbannt und dürfte nur eine Tomatensorte mitnehmen, nähme sie die Kirschtomate Goldita mit, weil es eine kleine robuste, ertragreiche Sorte ist, die früh trägt und lange geerntet werden kann.

"Zum Glück aber ist mein Handlungsspielraum bei Tomaten breiter als eine Sorte."

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