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Länderreport | Beitrag vom 11.07.2018

Tobi Rosswog über ein Leben frei von Geld"Ich wollte mich nicht verwerten müssen"

Tobi Rosswog im Gespräch mit Nana Brink

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Ein Tramper steht an einer leeren Straße. (Atlas Green / Unsplash)
Tobi Roswoog bewegte sich per Trampen fort – genug Autos seien auf den Straßen ja unterwegs (Atlas Green / Unsplash)

Er schmiss sein Studium, verschenkte seine Sachen, reiste per Anhalter durch Europa und lebte zweieinhalb Jahre "geldfrei", berichtet der 27-jährige Tobi Rosswog. Und er meint: Er sei mit seinem Experiment eigentlich ein- und nicht ausgestiegen.

Auf der Reise mit seiner Freundin hielt er Vorträge darüber, wie man geldfrei lebt. Er rede absichtlich von 'geldfrei' und nicht von 'ohne Geld', betont Tobi Rosswog:

"Das liegt daran, dass wir in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht ohne Geld leben können, weil um uns herum immer irgendwo Geld fließt."

Den Besitz kollektiviert

Dabei sei er eigentlich ein- und nicht ausgestiegen in ein neues Miteinander, sagt Tobi Rosswog über sein Experiment, für das er sich innerhalb einer Woche entschieden habe: "Ich habe vor mittlerweile fünf Jahren all mein Geld verschenkt und alles, was ich an Besitz hatte, verkollektiviert. Bin dann eben im Vertrauen rausgegangen, ohne mich verwerten zu müssen, alles zur Existenzsicherung wird irgendwie da sein. Und habe Menschen ganz anders begegnen können."

Er habe seine Lebenszeit nicht mehr für 5 oder 10 Euro die Stunde verkaufen wollen und sei per Anhalter auf die Reise gegangen:

"Losgefahren bin ich über Trampen. Ich bin von A nach B gekommen über die große Fülle von Autos, die sich auf deutschen Straßen bewegen – meistens nur mit 1,3 Menschen drin im Schnitt. Im deutschsprachigen Raum, aber auch in Frankreich, Belgien, Niederlande."

"Lebensmittel gehören in den Magen"

Der Nahrungsüberfluss, in dem diese Gesellschaft lebe, habe ihn niemals an Hunger leiden lassen, beschreibt Tobi Rosswog seine Erfahrung. Im Schnitt würden 45 Kilogramm pro Tag pro Filiale in Deutschland an genießbaren Lebensmitteln weggeworfen: "Ich bin direkt an die Tonnen gegangen, um das da rauszuholen." Außerdem habe er gemeinsam mit anderen die Food-Sharing-Bewegung gegründet, um Lebensmittel, bevor sie in die Tonne wandern, in Kooperation mit den jeweiligen Läden abzuholen. Lebensmittel gehörten in den Magen und nicht in die Tonne: 

"Ich nutze das, was weggeworfen wird. Das ist für mich ein Transformationsschritt. Dadurch, dass ich geldfreier lebe, kann ich auch lohnarbeitsunabhängiger werden. Und dadurch habe ich mehr Zeit, mich zu entfalten und zu gucken, was ist mein Talent, meine Berufung. Und wenn ich das gefunden habe, mich  gemeinschaftlich einbringen, ohne mich verwerten zu müssen. So habe ich zum Beispiel in den zweieinhalb Jahren auch geldfrei große Veranstaltungen organisiert."

Seine Ansichten hat Tobi Rosswog in dem Buch "After Work – Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit" publiziert, das am 1.10.2018 im Oekom Verlag erscheint. Das Honorar für sein Buch spendet er an das Kollektiv für gelebte Utopien.

(cosa)

Tobi Rosswog: "After Work – Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit"
Oekom Verlag, München
2018, 15 Euro

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