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Kompressor | Beitrag vom 18.06.2021

Tindern mit MuseumsobjektenDate mit der Kunst

Carsten Probst im Gespräch mit Max Oppel

Im Badischen Landesmuseum wird vor einer Aquamanile aus dem Spätmittelalter auf einem Smartphone eine App gezeigt, mit der Museumsbesucher Kontakt zu Ausstellungsobjekten aufbauen können. Der Look ist der Dating-App Tinder nachempfunden. (picture alliance/dpa | Uli Deck)
Wie im richtigen Leben: Gefällt einem ein Ausstellungsstück, nimmt man mit einem Wisch nach rechts in der App Kontakt auf. (picture alliance/dpa | Uli Deck)

It´s a match: Im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe kann man jetzt mit einer von Tinder inspirierten App Kontakt zu Ausstellungsobjekten aufnehmen. Die Dating-App fürs Museum sei eine gelungene Verführung, findet Carsten Probst.

Im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe gibt es jetzt eine Art Dating-App fürs Museum. Damit lernt man aber nicht andere Besucherinnen und Besucher kennen, sondern sie vermittelt sozusagen ein Date mit der Kunst.

Wer die kostenlose App Ping! beim Museumsbesuch nutzt, kann mit Kunstwerken wie auf der Dating-Plattform Tinder interagieren: Gefällt einem ein Objekt, swipet man nach rechts. Gefällt es einem nicht, wischt man nach links. Wie es danach weitergeht und ob das Tindern mit Kunstwerken den Museumsbesuch verändert, hat Carsten Probst getestet.

Chatten mit dem Kunstwerk

Wenn man ein Kunstwerk ablehnt, erscheine ein kleiner Text, dass es völlig okay sei, wenn man ein Objekt nicht möge, berichtet Probst: "Soll ja auch keiner auf die Idee kommen, dass das Museum denkt, man müsse alles toll finden." Wenn man ein Objekt dagegen annehme, werde es interessant: Man könne, wenn man möchte, in eine Unterhaltung mit dem Kunstwerk treten, die von einem Chatbot geführt werde. 

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Dieser Chat mit dem Kunstwerk sei im Plauderton gehalten, manchmal lustig und manchmal szenisch. Als Nutzer der App habe man eine Auswahl von möglichen Nachrichten, die man dem Kunstwerk schicken könne, erklärt Probst. Dennoch könnten die Dialoge relativ weit führen und man könne sich in die Zeit vertiefen, aus dem ein Objekt stamme. "Der Sinn besteht erst mal darin, die Objekte lebendig werden zu lassen", so Probst.

Man könne mit der App auch thematische Rundgänge durch das Badische Landesmuseum machen, etwa zu Corona, MeToo oder der Antike. "Es können und es sollen auch viele weitere Museen dazukommen", sagt der Journalist. "Das wäre jedenfalls sehr sinnvoll. Weil sehr viele verschiedene Museen auch sehr viele verschiedene Geschichten zu erzählen haben."

Die App Ping! sei eine gelungene Verführung, findet Probst: ein netter Zeitvertreib, die Objekte seien auch oft schön fotografiert. Die App richte sich aber weniger an Kunsthistoriker und andere Experten, so wie auch sonst die Vermittlungsarbeit in Museen sich eher an ein breiteres Publikum richtet.

(jfr)

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