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Tonart | Beitrag vom 02.03.2018

Timo Blunck: "Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?" "Ist das noch Rausch oder schon Traum?"

Moderation: Andreas Müller

Timo Blunck mit Bass - bei einem Konzert der Gruppe "Palais Schaumburg" 1982 in Hamburg. (Imago/Future Images)
Timo Blunck mit Bass - bei einem Konzert der Gruppe "Palais Schaumburg" 1982 in Hamburg. (Imago/Future Images)

Unter dem Titel "Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?" erscheinen sowohl ein Album als auch ein Buch. Autor ist der Musiker Timo Blunck. Er war Mitglied der Band "Die Zimmermänner", ehemaliger Bassist bei "Palais Schaumburg" und eine wichtige Figur der "Hamburger Schule".

Alternde deutsche Pop-Musiker, insbesondere aus Hamburg, schreiben irgendwann Romane: Jochen Diestelmeyer (Blumfeld) hat's getan, Frank Spilker (Die Sterne) auch, Tocotronic sind schon länger weg aus der Hansestadt und haben zuletzt lieber ein autobiografisches Album aufgenommen.

Timo Blunck, Jahrgang 1962, - einst bei der legendären 80er-Band Palais Schaumburg und immer noch bei den "Zimmermännern" - macht nun beides: Heute erscheinen zeitgleich ein Roman und eine neue Platte, die den selben Titel tragen: "Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?". Beides ist reichhaltig mit nicht jugendfreiem Jargon, skurriler Sprache und pornografischer Provokation angefüllt. 

(Die Zimmermänner)Die Zimmermänner: Detlef Diederichsen und Timo Blunck (Die Zimmermänner)

Musikerbiografien? Langweilig!

Auch wenn Timo Blunck meint: "Musikerbiografien finde ich relativ langweilig" - sein Buch ist doch ziemlich autobiografisch: "Ein Großteil davon ist wahr." Viele Situationen und Personen aus seinem bisherigen Leben hat er zusammengefaßt, echte Erlebnisse verdichtet: "Das ist magischer Realismus", wie es der Neu-Romancier nennt. Verglichen wird sein Buch vom drastischen Stil her schon mit der Autobiografie von Charles Mingus. Vielleicht gibt es ja auch sowas wie verwandte Seelen dieser beiden Bassisten.

In Folge einer Nahtoderfahrung auf der Bühne - Traum und Albtraum vieler Musiker - habe sich "der Gainsbourg von St. Georg", wie er auch schon genannt wurde, überhaupt dazu veranlasst gesehen, mit dem Schreiben zu beginnen. Bei der folgenden Schmerztherapie hat Timo Blunck unter Opiaten gestanden, sodass er sich zwischen Delirium und kreativem Prozess desöfteren fragen musste: "Ist das noch Rausch oder schon Traum?"

In den 80ern war es Realität, als er mit Palais Schaumburg eine echte Trend-Band betrieb, die große Spuren in der Musikgeschichte hinterließ. Aber interessiert das heute noch jemanden? Das sind doch, wie Blunck meint: "Botschaften aus einer vergangenen Welt".

"Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?"
Unter diesem Titel erscheint das Album von Timo Blunck beim Hamburger Label Tapete Records. Unter dem gleichen Titel erscheint das Buch mit seinen Erinnerungen beim Heyne Verlag.

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