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Kompressor | Beitrag vom 23.09.2020

Tilman Baumgärtel: "GIFs"Kommunizieren mit Bildschleifen

Tilman Baumgärtel im Gespräch mit Massimo Maio

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Illustration einer Hand mit Smartphone auf dem eine Gif-Datei abgebildet ist. Der Hintergrund ist Orange. (Getty Images / Oleksandr Hruts)
Bescheidenes Format, aber das Gif hat im Internet eine beachtliche Karriere hingelegt. (Getty Images / Oleksandr Hruts)

GIFs sind mehr als nur nervige Minivideos in Endlosschleife: Sie haben sich im Netz zu einer eigenen Sprache entwickelt. Der Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel hat sie sich genauer angeschaut und ihnen ein Buch gewidmet.

Schlechte Bildqualität, nur wenige Sekunden lang, dafür in Endlosschleife: GIFs sind im Internet fast allgegenwärtig und viele von ihnen sind sogar weltberühmt. Michael Jackson, der Popcorn isst, Jean-Luc Picard, der sich die Hand vors Gesicht hält oder Orson Welles, der in die Hände klatscht - all diese und viele andere Minivideos sieht man ständig auf Social Media.

Der Medientheoretiker Tilman Baumgärtel erzählt in seinem kurzen Buch "GIFs" die Geschichte dieser Bilder nach. Das "Graphics Interchange Format" ist fast so alt wie das Internet selbst. Ursprünglich hat es der Onlinedienst Compuserve im Jahr 1987 als Standard eingeführt, damit verschiedene Computer mit verschiedenen Betriebssystemen dieselben Bilder anzeigen können.

Erst in den 90ern seien GIFs animiert worden, um Bewegung in die noch kargen und statischen Websites zu bringen, so Baumgärtel. Kleine, pixelige Cartoons ließen sich mit den damaligen geringen Übertragungsraten schnell laden.

Gifs als nonverbale Lingua Franca

Anfang der Nuller-Jahre verschwanden die Gifs weitgehend. Erst mit dem Web 2.0, Social Media und Smartphones erlebte das antiquierte Medium eine Renaissance - auch aus nostalgischen Gründen, wie der Medienwissenschaftler sagt. Es sei eine netzspezifische Form der Kommunikation entstanden, eine nonverbale Lingua Franca.

Buchcover zu Tilman Baumgärtel: "GIFs. Digitale Bildkulturen" (Wagenbach Verlag/Deutschlanradio)Tilman Baumgärtel hat die Geschichte der "GIFs" erzählt - passenderweise in Kurzform. (Wagenbach Verlag/Deutschlanradio)

Diese beziehe ihren Reiz daraus, mit popkulturellem Material zu spielen und dieses umzuwidmen. Und obwohl GIFs mittlerweile ein Millionengeschäft sind, spätestens seit Facebook im Mai die Plattform Giphy gekauft hat, hat es laut Baumgärtel bisher keine Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen gegeben. 

(leg)

Tilman Baumgärtel: "GIFs"
Wagenbach Verlag 2020
80 Seiten, 10 Euro

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