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Tonart | Beitrag vom 30.12.2020

TikTok und MusikDie Trendsetter

Von Mike Herbstreuth

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Lil Nas X im pinken Cowboy-Anzug. (Getty Images / The Recording Academy / Rich Fury)
Vom TikTok-Hit zum Grammy: Lil Nas X hat mit "Old Town Road" einen globalen Megahit gelandet. (Getty Images / The Recording Academy / Rich Fury)

Wer macht die Stars von morgen? Dass es die sozialen Medien sind, ist den meisten klar. Doch dieses Jahr konnte sich eine neue Plattform als wohl wichtigster Meinungsmacher für Musik etablieren: TikTok.

Donald Trump war kein Fan, wollte die Plattform sogar verbieten – aber selbst der mächtigste Mann der Welt konnte den Siegeszug von TikTok im Jahr 2020 nicht aufhalten. Was wahrscheinlich auch an der Pandemie lag. Denn der endlose Stream an unterhaltsamen Videos war wie gemacht gegen die Langeweile in der Quarantäne. Da konnten dann auch die Kritik in Sachen Datenschutz oder die Zensurvorwürfe der chinesischen App nichts anhaben.

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Mittlerweile hat TikTok im Monat über 850 Millionen aktive Userinnen und User und ist auf dem Weg, Instagram als drittmeistgenutzte Social-Media-Plattform der Welt nach Facebook und Youtube abzulösen. Und nebenbei hat TikTok auch noch die Musik verändert.

Wichtige Einnahmequelle für Labels

Es war ein Satz, den man leicht überhören konnte, weil Steve Cooper ihn eher beiläufig dahergesagt hat. Cooper ist Chef des Plattenlabels Warner Music, das Acts wie Ed Sheeran, Coldplay, Lizzo oder Robin Schulz unter Vertrag hat. Und Ende November, als er den Finanzreport von Warner Music vorgestellt hat, da fiel ganz nebenbei diese Bemerkung, die zeigt, wo die Musikindustrie ihre Zukunft sieht:

"Social Media ist für uns schon jetzt eine bedeutende Einnahmequelle im neunstelligen Bereich, mit höheren Zuwachsraten als Streamingabonnements."

Social-Media-Plattformen sorgen für ein Label wie Warner also schon jetzt für einen Umsatz von mehreren Hundert Millionen Dollar jährlich – und besonders TikTok spielt dabei eine immer größere Rolle. Weil auf der Kurzvideoplattform im Prinzip nichts ohne Musik geht.

Globale Megahits made on TikTok

Egal ob Dance-Contests, Lip-Sync-Performances oder kurze Sketche: Musik wird in fast jedem TikTok-Video verwendet. Und was auf TikTok Erfolg hat, das landet auch in den Streamingcharts ganz oben und früher oder später auch im Radio.

"Der Einfluss von TikTok auf die Charts wächst seit einigen Jahren und wird immer deutlicher", sagt Chaz Jenkins von Chartmetric – ein Unternehmen, das die Charts von Streamingdiensten analysiert. Das wohl bekannteste Beispiel eines Songs, der zuerst auf TikTok viral ging und dann ein globaler Megahit wurde, ist "Old Town Road" von Lil Nas X.

Ähnlich wie bei "Old Town Road" lief es 2020 auch für jede Menge anderer Songs. Insgesamt 15 Nummer-eins-Hits der US-Billboard-Charts sind laut TikTok in diesem Jahr zuerst auf der Plattform viral gegangen, bevor sie es dann an die Spitze der Charts schafften.

Vom viralen Hit zum Majordeal

Das führte dazu, dass Acts wie Powfu und Surf Mesa, nach ihrem Erfolg bei TikTok von einem Majorlabel unter Vertrag genommen wurden. Seit diesem Jahr endgültig ein potenzieller Weg zur Musikkarriere:

"TikTok war anfangs ein interessanter Ort für technikaffine Jugendliche, um sich selbst zu vermarkten. Aber im Laufe des Jahres 2019 haben Plattenfirmen bemerkt, dass diese jungen Künstlerinnen und Künstler, die ihre Songs auf TikTok zur Verfügung stellen und dort Videos veröffentlichen, auf der ganzen Welt unglaubliche Reichweiten erzielen", so Jenkins.

Und auch in Deutschland, wo Musikerinnen und Musiker wie Capital Bra oder Loredana TikTok schon länger als Werbetool für neue Singles benutzen, gibt es mittlerweile die erste Karriere, die auf einem TikTok-Hit basiert: Die Hamburger Sängerin Zoe Wees wurde nach ihrem viralen Hit "Control" vom Label Caroline unter Vertrag genommen.

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