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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.09.2016

TierversucheWissenschaftler möchten, dass sachlicher diskutiert wird

Stefan Treue im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Ein Rhesusaffe hält sich am 10.03.2016 in der Tierhaltung im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen (Baden-Württemberg) an einem Gitter fest. (Marijan Murat/dpa picture alliance)
Ein Rhesusaffe in der Tierhaltung im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen (Marijan Murat/dpa picture alliance)

Tierversuche sind in der Gesellschaft ein großes Thema, das oft sehr emotional debattiert wird. Wissenschaftler in Deutschland finden jedoch, dass die Diskussion faktenorientierter werden sollte - und machen einen Vorstoß.

Über Tierversuche werde ausschließlich emotional diskutiert, ohne dass der Bevölkerung über genügend Fakten verfüge. So begründen Wissenschaftler ihre Initiative "Tierversuche verstehen", die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen ins Leben gerufen wurde. 

Im Deutschlandradio Kultur erläuterte Stefan Treue, der Direktor des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen, den Kommunikationsvorstoß in Sachen Tierversuche:

"Es gibt ein Informationsdefizit in der Öffentlichkeit, viele unklare Situationen, viele dramatische Bilder, wenig fachbasierte Informationen, an die die Öffentlichkeit leicht herankommen könnte. Und da möchte die Allianz der Wissenschaftsorganisationen einen Kontrapunkt setzen und Informationen anbieten, um eine sachliche Diskussion überhaupt zu ermöglichen."

Die Behörden müssen jeden Versuch genehmigen

Treue, der selbst an Affen forscht, betonte, dass Tierversuche nur mit Genehmigung der Behörden möglich seien. Nutzen für die Wissenschaft und Leiden der Tiere müssten in jedem einzelnen Fall abgewogen werden.

Treue: "Der typische Tierversuch ist eine Blutprobe an einer Maus. Das, denke ich, kann man sagen, ist ähnlich und vergleichbar einer Blutprobe beim Menschen oder einer Impfstoffinjektion. Natürlich gibt es auch Tierversuche, die belastender sind. Die stehen dann unter besonders strenger Überwachung, und die müssen auch noch mal sorgfältiger begründet werden. Und die stellen auch nur die Ausnahme von Tierversuchen dar."

Tierversuche seien in der Pharmaforschung nicht zu umgehen, meinte der Wissenschaftler: "Es gibt kaum wirklich große medizinische Durchbrüche, kaum eine Therapie, die heute eingesetzt wird, die nicht auch auf Tierversuchen beruhte, allein schon deswegen, weil jedes Medikament, das auf den Markt kommt, natürlich erstmal auf seine Sicherheit überprüft werden muss. Und dazu gehören auch Tierversuche – und natürlich die Grundlagenforschung, die uns überhaupt erst erlaubt zu verstehen, was bei diesen Krankheiten denn schief geht."

Dass das Thema emotional sei, liege gleichsam in der Natur der Sache, allerdings kursierten auch falsche Vorstellungen. So sei die Kosmetikforschung kein Grund, um Tierversuche durchzuführen. So begründete Tierversuche seien in Europa nicht genehmigungsfähig. Auch der Import solcher Produkte sei untersagt:

"Sie dürfen in Europa – auch aus dem Ausland kommend – keine Kosmetikprodukte verkaufen, die durch Tierversuche entwickelt wurden."

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