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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 30.04.2019

Tierarzt Christopher Stremme Der Elefantenretter von Sumatra

Moderatorin: Ulrike Timm

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Christopher Stremme, Tierarzt und "Elefantendoktor" auf Sumatra (Community for Sumatra Nature Conservation)
Christopher Stremme ließ sich auf Sumatra nieder - dort sind Elefanten stark bedroht. (Community for Sumatra Nature Conservation)

Christopher Stremme hat seit der Kindheit ein Faible für Elefanten. Weil Bauern und Elefanten auf Sumatra oft zu Todfeinden werden, entwickelte er ein Projekt gegen die Konflikte mit den Dickhäutern: Elefantenpatrouillen.

Den ersten "Elefanten-Kontakt" hatte der Dortmunder Tierarzt Christopher Stremme im Zoo – und war fasziniert: "Vielleicht ist es die Größe, vielleicht ihre Intelligenz, ich kann es nicht genau sagen." Er studierte Tiermedizin, spezialisierte sich auf Elefanten und ließ sich auf der indonesischen Insel Sumatra nieder.

Dort leben noch etwa 1200 wilde Elefanten. Sie sind stark bedroht – weil sie durch die massive Abholzung der Regenwälder ihren Lebensraum verlieren. "Das hat fatale Folgen für Menschen und Tiere", sagt der 52-jährige Elefantenexperte. Christopher Stremme hat oft beobachtet, wie Elefanten auf Futtersuche in die Äcker der Menschen einfallen:

"Wenn sie entdecken, dass auf den Feldern Reis, Mais und Zuckerrohr wachsen, ist das für Elefanten in etwa so wie für uns eine Sahnetorte."

Zertrampelte Felder, wütende Bauern 

Die Tiere vernichten die Ernte der Bauern und zertrampeln nicht selten auch ihre Hütten. Sogar Menschen sind schon getötet worden. Aus Zorn darüber werden die Eindringlinge oft vergiftet oder in den Feldern erschossen. Um diesen Mensch-Tier-Konflikt zu entschärfen, ließ die Regierung wilde "Problem-Elefanten" einfangen und in Elefantencamps sperren. Dort führen sie ein tristes Dasein:

"Es gibt keine Beschäftigung für die Tiere, sie sind einzeln an Ketten gefesselt, können keine Sozialkontakte mit Artgenossen aufnehmen und stehen den größten Teil des Tages einfach nur rum."

Die Elefantenpatrouillen

Christopher Stremme machte sich zum Ziel, das Elend der gefangenen Dickhäuter zu lindern - durch eine gute Idee. Der Tierarzt rekrutiert Elefanten aus den Lagern, bildet sie gemeinsam mit lokalen Elefantenführern aus und setzt sie in Elefantenpatrouillen ein. Bei Bedarf drängen dann die Camp-Elefanten ihre wilden Artgenossen zurück in den Dschungel.

"Mensch-Elefanten-Konflikte werden hauptsächlich durch weibliche Elefantenherden mit ihren Nachkommen ausgelöst. Zur Patrouille setzen wir deshalb meistens Elefanten-Bullen ein. Vor denen haben die weiblichen Tiere großen Respekt."

Falls das einmal nicht der Fall sein sollte, gibt es noch eine Steigerung:

"Zum Teil werden von den Mahouts auch Feuerwerkskörper eingesetzt. Das heißt, der Mahout sitzt auf dem Elefanten und brennt Feuerwerkskörper ab, um die wilden Elefanten zu verscheuchen. Mit dieser Aktion müssen die zahmen Elefanten natürlich vertraut sein und keine Angst mehr haben. Wenn also ein Tier neu in die Patrouille kommt, muss es erstmal lernen, 'schussfest' zu sein."

Viel weniger Aggressionen gegenüber Elefanten

Christopher Stremmes Patrouillen-Projekt, das von der Welttierschutzgesellschaft unterstützt wird, ist erfolgreich und wird auf Sumatra gut angenommen. Denn Stremme schlägt gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Die Elefanten aus den Camps dürfen sich bewegen, ihre wilden Artgenossen werden nicht mehr von den Bauern erschossen und – die Felder der Dorfbewohner bleiben intakt. Vor allem deshalb hat die lokale Bevölkerung ihre Einstellung gegenüber den grauen Riesen positiv verändert. Wenn sie auch längst nicht so begeistert von ihnen ist wie der Tierarzt:

"Elefanten sind sehr intelligent und sensibel. Sie können zum Beispiel Nüsse oder Samen mit der Rüsselspitze vom Boden aufheben. Und Früchte, die eine harte Schale haben, mit dem Fuß aufbrechen, ohne dabei den Inhalt zu beschädigen. Ihre Füße sehen zwar aus wie große, unkoordinierte Säulen, aber sie wissen genau, wieviel Druck sie mit dem Fuß auf einen Gegenstand ausüben."

Auch ihre Zuneigung können Elefanten fein abgestimmt zeigen. Menschen, die sie unsympathisch finden, müssen sich vor ihnen in Acht nehmen. Doch wenn ein Elefant erstmal Vertrauen fasst, zeigt er es deutlich:

"Die kommen zu einem, legen den Rüssel auf einen, riechen an einem. Wenn ein Elefant einen Menschen besonders mag und ihn länger nicht gesehen hat, reagiert er so, wie er auch auf andere Elefanten reagiert, die er mag und länger nicht gesehen hat – er kommt dann häufig laut trompetend zu der Person und umarmt und berüsselt sie."

(tif)

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