Seit 13:05 Uhr Bücherherbst 2021
Samstag, 23.10.2021
 
Seit 13:05 Uhr Bücherherbst 2021

Interview | Beitrag vom 27.09.2021

Thüringen und Sachsen nach der BundestagswahlStadt-Land-Gefälle nutzt der AfD

Judith Enders im Gespräch mit Stephan Karkowsky

Ortszentrum und Stadtkirche in Vacha,  Thüringen.  (picture alliance / Bildagentur-online / Sunny Celeste )
Die in Thüringen geborene Politologin Judith Enders beobachtet die AfD-Erfolge in ihrer alten Heimat mit Sorge. (picture alliance / Bildagentur-online / Sunny Celeste )

Der Osten Deutschlands kam im Wahlkampf und in der Berichterstattung zu wenig vor, kritisiert die Politologin Judith Enders. Nach den Erfolgen der AfD in Thüringen und Sachsen braucht es einen neuen Blick auf das Stadt-Land-Gefälle.

Als gebürtige Thüringerin "bekommt man schon einen Schreck, wenn auf der Karte mit den Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen plötzlich alles blau aussieht", sagt die Politologin Judith Enders.

Angesichts der großen Erfolge für die AfD sei für sie persönlich auch Fremdschämen dabei. "Gleichzeitig ist es auch ein Signal, das mal wahrgenommen werden muss."

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)
"Man kann nicht pauschal sagen, der Osten wählt rechts, und da können wir uns nicht im Westen gemütlich zurücklehnen und denken, das ist eben nur ein Problem dahinten hinter der Mauer." Stattdessen müsse man genauer hinschauen.

Der "Frust" nach 30 Jahren 

"Man hat im Wahlkampf überhaupt nichts über die spezifischen Themen des Ostens gehört und auch nicht in der Wahlberichterstattung", kritisiert die Politologin. Bei der AfD sehen offenbar einige Wähler die Chance, dass alles einmal ganz anders gemacht wird, vermutet sie.

"Nach 30 Jahren Deutsche Einheit ist immer noch Frust vorhanden."

Es sei beschämend für die ganze Bundesrepublik, dass es nach Jahren nicht gelungen sei, den Wandel so zu gestalten, dass alle Bürgerinnen und Bürger damit zufrieden sein könnten.

Anderer Trend in Mecklenburg-Vorpommern 

Die Linkspartei wirkt offenbar nicht mehr als Protestpartei, was einer der Gründe für das gute Abschneiden der AfD ist, meint Enders. Außerdem spielt das Stadt-Land-Gefälle eine wichtige Rolle.

In Mecklenburg-Vorpommern sei das anders, weil mit der SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eine große Sympathieträgerin und "Landesmutter" bereit stand. Vielleicht müssten auch mehr Ostdeutsche in die Heimat zurückkehren und sich politisch als Landräte und Bürgermeister gegen die AfD engagieren.

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Saudi-ArabienKlimafreundlicher mit Ölförderung?
Ein saudischer Mann schaut durch ein Flugzeugfenster, durch das eine Ölraffinerie zu sehen ist. (AFP / Giuseppe Cacace)

Saudi-Arabien verdient viel Geld mit dem Erdölexport. Dennoch will es unabhängiger vom Öl werden. Eine Wende in der Klimapolitik? Es gehe eher um wirtschaftliche und politische Motive, sagt der Energie-Experte Tobias Zumbrägel von der NGO Carpo.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur