Seit 14:05 Uhr Kompressor
Donnerstag, 15.04.2021
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor

Interview / Archiv | Beitrag vom 04.07.2016

Thomas Cook und Co.175 Jahre oder älter - seit wann gibt's Pauschalreisen?

Tourismusforscher Hasso Spode im Gespräch mit Marianne Allweiss und Andre Hatting

Podcast abonnieren
Ein Gondoliere mit zwei Touristen in seiner venezianischen Gondel vor dem riesigen Rumpf des 1.800 Passagiere fassenden Kreuzfahrtschiffes "Splendour of the Seas" (Royal Caribbean Cruise Line) auf dem Canale di San Marco, Venedig. (Andreas Engelhardt)
Ein Gondoliere mit zwei Touristen vor dem Rumpf des 1.800 Passagiere fassenden Kreuzfahrtschiffes "Splendour of the Seas": Auf dem Wasser gibt es fast nur Pauschalreisen (Andreas Engelhardt)

Thomas Cook gilt als Erfinder der Pauschalreise. Stimmt aber nicht, sagt der Tourismusforscher Hasso Spode - er habe die Idee nur perfektioniert. Als Erfinder dürfen Schiffskapitäne im Mittelalter gelten.

Einer weit verbreiteten Legende zufolge hat Thomas Cook die Pauschalreise erfunden. Vor 175 Jahren, am 5. Juli 1841, brachte der englische Baptistenprediger seine ersten Kunden für einen Schilling mit der Bahn nach Loughborough - zu einem Abstinenzler-Treffen.

(Deutschlandradio - Matthias Dreier)Der Tourismusforscher Hasso Spode zu Gast im Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Matthias Dreier)

Für Hasso Spode, Historiker, Tourismusforscher und Leiter des Willy-Scharnow-Archivs zum Tourismus an der TU Berlin, war Cook ein außerordentlich guter Geschäftsmann. Aber kein echter Erfinder. Denn Pauschalreisen habe es schon viel früher gegeben, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Die Grundidee stammt laut Spode aus dem Mittelalter. Damals konnten Pilger, die ins Heilige Land wollten, in Venedig einen All-inclusive-Trip mit dem Schiff buchen. Beförderung, Verpflegung, Schmiergeld und sogar eine Führung auf den Berg Golgatha seien im Preis inbegriffen gewesen, berichtet Spode. Von dort konnte man sich dann auch noch einen Gipsabdruck von Jesus' Fuß mit nach Hause nehmen.

Zu sehen ist eine Filiale des Touristik-Konzerns "Thomas Cook" (dpa / Oliver Stratmann )Thomas Cook heute: Noch immer ein großer Konzern (dpa / Oliver Stratmann )

Selbst später in England war Cook nicht der Erste auf dem Pauschalreisen-Markt - denn schon bald nach der Einführung der Eisenbahn kam es auch zu ersten, organisierten Fahrten. In den 1830er Jahren führten diese beispielsweise zu Schlössern, oder - laut Spode besonders beliebt - zu Hinrichtungen.

Thomas Cook ist dennoch aus der Geschichte des Tourismus nicht wegzudenken, er war enorm erfolgreich. Um 1900 war sein Unternehmen der größte Reiseveranstalter der Welt. Dass es immer wieder heißt, er habe die Pauschalreise erfunden, erklärt Tourismusforscher Spode mit einem Zitat aus der Popmusik: "The winner takes it all ..."

Mehr zum Thema

Reiserecht und Terrorangriffe - "Terroranschläge gelten nicht unbedingt als höhere Gewalt"
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 23.03.2016)

Pfiffig reisen - Clever buchen übers Internet
(Deutschlandfunk, Marktplatz, 10.03.2016)

Urteil: - BGH beschränkt Vorkasse bei Pauschalreisen
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 10.12.2014)

Der Weg zum Massentourismus
(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 26.09.2013)

Die Zukunft unseres Urlaubs
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 13.02.2013)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Soziologe über CoronaprotesteFeindbild Staat
Ein Polizist bewacht eine Gruppe Demonstranten der Querdenker. (picture alliance /dpa / Andreas Gora)

Teile der Berliner Coronaprotestbewegung sollen durch den Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft werden. Über die Demos hat der Soziologe Sebastian Koos geforscht. Auch viele Menschen aus dem bürgerlichen Lager hätten sich radikalisiert.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur