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Fazit | Beitrag vom 22.05.2019

Theaterpremiere in ParisIsabelle Huppert gibt die Königin

Von Eberhard Spreng

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Isabelle Huppert als Mary Stuart, Königin von Frankreich und Schottland. (Lucie Jansch)
Isabelle Huppert als Mary Stuart, Königin von Frankreich und Schottland. (Lucie Jansch)

Die Schauspielerin Isabelle Huppert in Höchstform: Zusammen mit dem Avantgarde-Künstler Robert Wilson bringt sie das Drama um die Königin von Schottland, Maria Stuart, auf die Bühne. Eine Solo-Performance am Théâtre de la Ville in Paris.

Mary redet. Und redet und redet. Und während sie redet, so als wollte sie ihrem Schicksal entgehen, vergeht ihre Welt. Bob Wilson urinszeniert das Solo um die schottische Königin Marie Stuart im Pariser Théâtre de la Ville mit Isabelle Huppert wie ein Kampf der Sprache gegen den Lärm der Welt.

Der stammt, nach Phil Glass und anderen Komponisten, mit denen der amerikanische Bildertheaterregisseur bislang gearbeitet hat, diesmal vom italienischen Pop-Komponisten Ludovico Einaudi. Star-Actrice Isabelle Huppert kämpft wacker gegen den aus Film- und Fernsehen sattsam bekannten Sound aus gefällig-banaler Harmonik und pulsend auftrumpfender Rhythmik, schmettert tapfer ihre Texte, bis sie sich nur noch über die Bühne treiben lässt von den Sounds des charakterlosen Mainstreams.

Essenz des Textes ging bei der Übertragung verloren

Hätte Isabelle Huppert einen kräftigen Text an ihrer Seite - das Duell könnte interessant werden. Aber der Text des Afro-Amerikaners Derryl Pinckney hat seine poetische Dimension in einer bemühten französischen Übersetzung fast völlig verloren. Bleiben also die Bilder, das opulente Renaissancegewandt, mit dem die Starschauspielerin sich zunächst als Schattenriss vor einen weißen Hintergrund stellt, bevor ihr Gesicht Konturen annimmt, wenn sie von ihrer ersten, wirklich leidenschaftlichen Liebe redet.

Zwei Stars haben hier ein Rendez-Vous: Weltschauspielstar Isabelle Huppert und Weltgeschichtsstar Maria Stuart, diese gewaltige Renaissance-Dame, deren Leidenschaften an den schottischen Clans scheitern und dann am kalten Kalkül einer vorsichtigen Rivalin: Elisabeth I.

Einige Momente darstellerischen Eigenwillens der Hubert

Gegen Ende des eineinhalbstündigen Solos kann die Diva tatsächlich innerhalb der formstrengen Theater- und Soundsprache der Inszenierung einige Momente darstellerischen Eigenwillens erkennen lassen. Aber das Rendez-vous mit Bob Wilson findet so richtig nur in einer kleinen geheimnisvollen Miniatur statt: In einer zauberhaften, von Theaterwolken verhangenen Szene, steigt Bob Wilson aus dem Lärm der Musik und dem Geschwätz der Textes aus: Eine Marie wie im Jenseits, mit Wilsons Stimme und der eines Kindes und mit den Lauten eines Sprachlosen: Eine Reminiszenz seiner Anfänge bei der Arbeit mit einem gehörlosen Kind. Das macht als Verbeugung vor dem Théatre de la Ville Sinn, denn hier fand seine französische, europäische und internationale Entdeckung 1971 statt, mit dem Stück "Deafman Glance", "Der Blick des Tauben".

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