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Fazit | Beitrag vom 28.10.2019

Theatermacher Bernhard Stengele Nicht aufgeben in Thüringen

Bernhard Stengele im Gespräch mit Andrea Gerk

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Bernhard Stengele lacht in die Kamera. Im Hintergrund an der Wand hängt ein Plakat von "Der Hauptmann von Köpenick". (Andreas Hummel/dpa-Zentralbild/dpa)
Theatermacher Bernhard Stengele sorgte 2017 in Gera mit einem schwarzen Hauptmann von Köpenick für Aufsehen. Nun ist er zurück in Thüringen. (Andreas Hummel/dpa-Zentralbild/dpa)

Bernhard Stengele war bis 2017 Schauspieldirektor in Gera und Altenburg und sorgte dort für Unmut in der rechten Szene. Bei den Thüringer Landtagswahlen war er Direktkandidat der Grünen - ohne Erfolg. Trotzdem will er bleiben.

Von 2012 bis 2017 war Bernhard Stengele Schauspieldirektor an Theater und Philharmonie Thüringen (das jetzt Theater Altenburg-Gera heißt). Dort schuf er ein internationales Ensemble und wurde deshalb aus rechten Kreisen angefeindet. Nach einem Aufenthalt in Süddeutschland kehrte er im September 2019 zurück und ließ sich als Direktkandidat der Grünen bei den Landtagswahlen aufstellen. Trotz Misserfolgs bei den Wahlen will er in Thüringen bleiben.

Er stehe auch nach seiner Wahlniederlage zu seiner Aussage im Vorfeld der Wahlen, dass er mit seiner Kandidatur zeigen wolle, wie toll die Region sei, sagt Stengele.

Hingehen und sich um die Menschen kümmern

"Es gibt hier wahnsinnig tolle Leute, mit denen ich auch in den letzten zwei Monaten zu tun hatte. Und ich habe eine ganz andere Seite intensiver kennengelernt: Leute, die wahnsinnig wütend sind oder Leute, die wahnsinnig traurig und aggressiv sind, eine Seite, die ich so genau noch nicht kannte."

Er sei viel auf den Straßen und Plätzen gewesen und viel im "Grünen Salon" in Altenburg, wo die Grünen ihre Wahlkampfveranstaltungen abgehalten haben. Wenn man die Menschen erreichen wolle, müsse man dranbleiben, meint er. Im Wahlkampf sei man aufs Land gefahren und habe in Orten, in denen es zuvor nie eine Stimme für die Grünen gegeben habe, Stimmen gewonnen.

Es sei zwar eine Binsenweisheit, dass man hingehen und sich kümmern müsse, aber "man muss es tun und man muss es kontinuierlich tun und dann kann man die Leute auch erreichen."

Eine internationale Schauspielakademie als Ziel

An seinem Projekt einer internationalen Schauspielakademie arbeite er auch weiterhin. Er habe auch schon Partner, die ein Pilotprojekt finanzieren wollten. Die Idee sei, dass man in Thüringen in einer kleinen Stadt, in der es Leerstand gebe, Räume finde, in die man einziehen könne, und mit Dependancen in Israel, der Türkei und Burkina Faso dann Künstler aus verschiedenen Nationen ausbilde.

Aus den eher schlechten Erfahrungen in den Jahren 2015 bis 2017, als sich nichtdeutsche Schauspieler in der Stadt teilweise nicht sicher und zu Hause gefühlt hatten und zum Ende der Spielzeit 2016/2017 das Theater verließen, habe man gelernt, sagt Stengele. Heutzutage würde man das anders absichern, in dem man sich direkt um Wohnungen kümmern würde und um einen gemeinsamen Raum. 

"Ich glaube, dass man da nicht aufgeben darf. Das ist nun mal unsere Zeit, die das erfordert und man muss es gut machen und dann bin ich auch davon überzeuigt, dass das funktionieren kann."

Von den Kulturschaffenden in Thüringen wünsche er sich für die Zukunft, "dass sie nicht aufgeben, dass sie dranbleiben, dass sie die mutigen Themen angreifen, immer zugewandt. Man darf keinen angepassten Spielplan machen und man darf nicht nachgeben, auf keinen Fall."

(rja)

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