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Rang I | Beitrag vom 28.12.2019

Theaterjahr 2019Eine Zeit der intensiven Selbstbefragung

Von Susanne Burkhardt, Janis El-Bira und André Mumot

Die Schauspieler Nils Kahnwald und Maja Beckmann (v.l.n.r.) im Theaterstück "Dionysos Stadt" an den Münchner Kammerspielen. (Julian Baumann / Kammerspiele München)
Auch der Schauspieler des Jahres war bei "Rang 1" zu Gast: Nils Kahnwald, hier im Theaterstück "Dionysos Stadt". (Julian Baumann / Kammerspiele München)

Über Frauenquoten und schlechte Arbeitsbedingungen an deutschen Bühnen wurde diskutiert – und darüber, wie Theater dem Rechtsruck begegnet. Das Rang-1-Team blickt zurück auf die großen Debatten und interessantesten Studiogäste 2019.

Über Frauenquoten und schlechte Arbeitsbedingungen an deutschen Bühnen wurde diskutiert – und darüber, wie Theater dem Rechtsruck in Deutschland begegnet. Das Rang-1-Team blickt zurück auf die großen Debatten und die interessantesten Studio-Gäste 2019.

Das Theaterjahr 2019 ist so gut wie vorbei. Es ist ein Jahr der intensiven Selbstbefragung gewesen. Das Berliner Theatertreffen hat sich entschlossen, für seine Auswahl der zehn bedeutendsten Inszenierungen zukünftig eine 50-prozentige Frauenquote anzusetzen.

Es wurde diskutiert, wie man die Klimakrise auf der Bühne abbilden kann und Produktionen klimaneutral machen kann, und eine Studie über strukturellen Machtmissbrauch und schlechte Arbeitsbedingungen an deutschen Stadttheatern hat für Aufregung gesorgt.

Rang 1 war immer dabei, hat all die Debatten begleitet und aufregende, kontroverse und manchmal sehr schöne Theaterprojekte vorgestellt. Das Rang-1-Team – Susanne Burkhardt, Janis El-Bira und André Mumot – schaut auf das Jahr und die großen Themen zurück.

Große Strukturdebatten wurden angestoßen

"Es gab so viele Diskussionen, die um das Verhalten des Theaters zu aktuellen Themen kreisten, dazu eben auch noch die Strukturdebatte", resümiert Susanne Burkhardt. "Wie verhalten wir uns im Theater selber zu den Themen, die wir auf die Bühne bringen, und das, was wir auf die Bühne bringen, was wir dort propagieren – halten wir das eigentlich selber ein?"

Auch Janis El-Bira teilt diese Einschätzung, hat zudem das Gefühl, "dass demgegenüber die Diskussion über das Ästhetische teilweise etwas auf der Strecke blieb. Man hat das etwa beim Theatertreffen gemerkt, dass es da sehr viel um Strukturfragen, eigentlich um Kataloge ging, die abgeklappert wurden: Was ist jetzt machbar, was sollte man nicht mehr machen, was ist jetzt gerade die korrekte Art Theater zu machen? Aber es ging weniger darum, was eigentlich auf der Bühne zu sehen ist."

Der Realität unter den Rock geschaut

Zu den Rang-1-Gästen, die 2019 besonders im Gedächtnis blieben, zählte unter anderem Martin Gruber vom Wiener Aktionstheater Ensemble, der sich über die politische, gesellschaftskritische Wirkung des Theaters äußerte: "Die Kunst hat meines Erachtens die Möglichkeit, Fellini hat das wunderbar gesagt, der Realität unter den Rock zu schauen", wie Gruber feststellt. "Was mag dahinter liegen, was ist diese Angst, wie fühlt sich diese Saturiertheit an, in der wir leben, und deswegen wahrscheinlich nichts abgeben können? Es geht nicht darum, jetzt die Masse mit Theater zu überzeugen, weil: Die Masse geht nicht ins Theater. Aber es gibt überall Menschen, die Multiplikatoren sind, und es ist, glaube ich, eine ganz, ganz kleine Minderheit, die dazu fähig ist, Dinge zu verändern."

Ebenfalls zu Gast war Nils Kahnwald, der 2019 zum Schauspieler des Jahres gewählt wurde, und der bei Rang 1 über den Entstehungsprozess des zehnstündigen Abends "Dionysos Stadt" an den Münchner Kammerspielen berichtete: "Dem Regisseur Christopher Rüping war relativ schnell klar, auch uns, dass man für so einen antiken Stoff, wenn man ihn noch nie gemacht hat, Zeit braucht, weil das nicht in zwei Stunden zu erleben ist, sondern dass man da einfach eine längere Zeitspanne für braucht, bis man sich überhaupt erst einmal eingehört hat in die Texte."

Weibliche Rollenmuster am Theater

Die Schauspielerin Katrin Wichmann wiederum setzte sich mit dem vielleicht am intensivsten diskutierten Thema des Jahres auseinander, der Gleichstellung von Frauen am Theater – in ihrem Fall konkret mit den klassischen weiblichen Rollenmustern. "Das habe ich natürlich am Anfang meiner Schauspieler-Laufbahn nicht infrage gestellt – aber irgendwann habe ich schon gedacht: Warum steht der Kollege jetzt wieder vorne und hält den Schlussmonolog und ich liege hinten im Gegenlicht im Regen im BH und bin tot, also bin ein schönes Bild und muss da jetzt liegenbleiben eine halbe Stunde. Oder warum sehe ich das ständig, wenn ich selber ins Theater gehe?"

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