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Im Gespräch | Beitrag vom 13.11.2019

Theaterintendantin Kathrin Mädler"Frauen führen anders"

Kathrin Mädler im Gespräch mit Britta Bürger

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Die Theater-Intendantin Kathrin Mädler steht, an das Geländer gelehnt, im Foyer des Landestheaters Memmingen. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Intendantin Kathrin Mädler: Machtstrukturen sind nicht nur im Theater sehr männlich und traditionell geprägt. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Seit drei Jahren bringt Kathrin Mädler frischen Wind ins Landestheater Schwaben in Memmingen. Die Intendantin brennt für das Gegenwartstheater. Dass sie neue Spielorte ausprobiert, kommt auch bei den Einheimischen gut an: Das Theater ist meist ausverkauft.

Kathrin Mädler ist eine der wenigen Theater-Intendantinnen in Deutschland. Seit 2016 leitet sie das Landestheater Schwaben. Nur "etwa 20 Prozent" aller Theaterhäuser werden in Deutschland von Frauen geleitet, so Mädler. Warum das so ist? Darauf hat die studierte Dramaturgin und Literaturwissenschaftlerin selbst noch keine abschließende Erklärung gefunden. "Tatsache ist, dass es Zeit wird, dass sich das ändert. In den zweiten Ebenen gibt es ja schon deutlich mehr Frauen. In den Ausbildungen sind es mehr Frauen. Ich glaube schon, dass es insgesamt daran liegt, dass unsere Macht- und Leitungsstrukturen, nicht nur im Theaterbereich, sehr männlich und traditionell geprägt sind."

Theateralltag: Missbrauch und Mobbing

Mit diesen Themen hat sich auch der Theaterwissenschaftler Thomas Schmidt beschäftigt. In seiner aktuellen Studie "Macht und Struktur im Theater", hat er fast 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Theatern befragt. Von verbalen, körperlichen und sexuellem Missbrauch ist darin die Rede, von Mobbing und Diskriminierung. Zu 65 Prozent ausgeübt durch Intendanten und Regisseuren.

"Jeder Fall ist natürlich erschreckend und zu viel", sagt Kathrin Mädler. Allerdings bemerke sie, "dass im Moment sehr viel passiert, was eine Wahrnehmung dieser Problematik angeht. Ich glaube, dass ein großes Bewusstsein entstanden ist, dass Veränderungen nötig sind, auch in den Leitungsstrukturen. Ich finde, dass die Studie, wie sie im Moment diskutiert wird, eine schwierige Polarisierung aufmacht. Zwischen den machtvollen Leitungen, 'den Bösen da oben', und 'denen da unten', die überhaupt nichts zu sagen haben. Ich glaube, dass so eine Polarisierung der Debatte gerade gar nicht hilft."

"Kultur muss uns mehr wert sein"

Viele dieser Probleme würden auch mit der finanziellen Lage der Theater in Deutschland zusammenhängen, so Kathrin Mädler. "Zu niedrige Gagen müssen auch wir zahlen." Und da stelle sie sich die Frage: "Was ist uns in unserer Gesellschaft Kunst, Kultur, Theater wert? Gerade in der jetzigen Zeit, wo wir über Rechtspopulismus sprechen, wo wir über Sprache nachdenken müssen, wie wir weiter miteinander reden können, müssen wir darüber reden, ob uns da Theater und Kultur nicht mehr wert sein müssen."

Obwohl grundsätzlich für eine Frauenquote, ist Kathrin Mädler im künstlerischen Bereich nicht wirklich davon überzeugt. "Ich denke, wenn es um künstlerische Arbeit geht, können nicht Faktoren wie Quote oder auch eine politische Korrektheit das einzige Entscheidungskriterium sein." Dennoch schaue sie darauf, am eigenen Theater, zur Hälfte Regisseurinnen zu engagieren. "Ich bin kein Vertreter essentieller Gendertheorien. Aber ich glaube mittlerweile schon ein bisschen, dass Frauen anders führen. Sowohl Regie als auch in anderen Führungspositionen. Ich glaube schon, dass Frauen, wahrscheinlich aus der sozialen Prägung heraus, mehr dazu neigen etwas kooperativer zu führen. Und vielleicht auch ein bisschen mehr dazu neigen, sich selber in Frage zu stellen."

Und wie würde die 43-Jährige ihren eigenen Führungsstil beschreiben? "Ich würde hoffen, dass es am Haus eine große Offenheit gibt. Und ich würde hoffen, dass ich einen Führungsstil habe, wo die Verschiedenheit der Meinungen und der Haltungen die wir haben, eine Rolle spielt."

Das scheint zu funktionieren. Die Arbeit am Landestheater Schwaben hat man in diesem Jahr gewürdigt. Das Haus wurde mit dem "Theaterpreis des Bundes" ausgezeichnet.

(bri/ful)

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