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Im Gespräch | Beitrag vom 13.08.2019

Theaterintendant Manuel SoubeyrandVom Kuhstall auf die Bühne

Moderation: Britta Bürger

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Manuel Soubeyrand blickt auf eine lange Tätigkeit als Intendant u.a. in Esslingen zurück. (imago images / Horst Rudel)
Manuel Soubeyrand blickt auf eine lange Tätigkeit als Intendant u.a. in Esslingen zurück. (imago images / Horst Rudel)

Weil er den Sprung auf die Oberschule nicht schaffte, machte er eine Ausbildung zum Melker. "Eine der glücklichsten Entscheidungen meines Lebens", sagt Manuel Soubeyrand, Ziehsohn von Wolf Biermann. Heute leitet er das Theater in Senftenberg.

Den französischen Nachnamen hat Manuel Soubeyrand von seinem leiblichen Vater. Den lernte er aber erst als Erwachsener kennen. Zuvor hatte es den in Köln geborenen Manuel nach Ostberlin verschlagen. Und dort wurde Wolf Biermann sein Ziehvater.

"Super" sei Wolf Biermann als Vater gewesen, erzählt Manuel Soubeyrand, "ich habe ihn als sehr liebevoll in Erinnerung und kümmernd": Soubeyrands westdeutsche Mutter Brigitte war als Alleinerziehende mit ihrem kleinen Sohn in die DDR gezogen: "Sie wollte nicht im Adenauer-Deutschland leben, und so ist sie mit mir gegen den Strom geschwommen."

Wolf Biermanns Schnauzbart, ein Westimport?

Wo die Theaterregisseurin Brigitte Soubeyran (ohne "d", aber das ist eine andere Geschichte) Wolf Biermann kennen und lieben lernte. Und dem Liedermacher französischen Stil nahebrachte. Dass sie für Biermanns Schnauzbart verantwortlich ist, der stark an den des französischen Chansonnier Georges Brassens erinnert, kann Manuel Soubeyrand aber nicht bestätigen.

Im Ostberliner Theatermilieu aufgewachsen, landete Manuel Soubeyrand beruflich zunächst im Kuhstall, als Melker: "Da ich mal Dompteur werden wollte, dachte ich, ja, es sollten eigentlich Großkatzen sein, dann werden es eben Groß-Milchrinder." Was er nicht bereute, denn hier lernte er arbeiten.

Der Irrglauben, mit Theater die DDR verändern zu können

Irgendwann zog es ihn dann aber doch ans Theater, und 1982 bekam er ein Engagement als Schauspieler am Berliner Ensemble. Wie viele andere hatte Manuel Soubeyrand damals den "Irrglauben", durch Theater die DDR verändern zu können:

"Wenn man einen Satz wie Schillers 'Geben Sie Gedankenfreiheit' sagte und alle klatschten, da dachte man, jetzt bringt man das Regime zu Fall. Natürlich töricht."

Als die Mauer fiel, war Manuel Soubeyrand zunächst wenig begeistert: "Im Grunde war mir der Gedanke, mit der Bundesrepublik vereinigt zu werden, völlig absurd. Aber Gott sei Dank war die Mehrheit der Menschen schlauer und klüger als ich."

Projekt Lausitz-Triennale

Sein Leben wurde tatsächlich west-östlich. Erst verschlug es ihn nach Ulm, dann - als Schauspieldirektor - nach Chemnitz, 2004 wurde Manuel Soubeyrand Intendant des Landestheaters im schwäbischen Esslingen. Und seit 2014 leitet er die Neue Bühne Senftenberg im südlichen Brandenburg.

Über der Region, der Lausitz, schwebt das Damokles-Schwert des Ausstiegs aus dem Braunkohle-Abbau. Dagegen setzen Soubeyrand und andere Theatermacher eine Idee, die ursprünglich aus dem Westen stammt: Analog zur Ruhrtriennale wollen sie ein Kunstfestival etablieren. Das soll dann in einigen Jahren die Lausitz-Triennale werden.

(pag)

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