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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.09.2020

"The Köln Concert" am Schauspielhaus ZürichTanzen zu Keith Jarretts Jazzklängen

Dorion Weickmann im Gespräch mit Eckhard Roelcke

(Reto Schmid)
Dramatisch, ins Depressive kippend inszeniert Choreograf Trajal Harrell das berühmte "Köln Concert" des Jazzpianisten Keith Jarrett. (Reto Schmid)

"The Köln Concert" ist die meistverkaufte Klavier-Soloplatte. Seit Langem wollte Trajal Harrell daraus eine Choreografie machen. Aber erst die Corona-Pandemie ließ ihn die Antwort auf die Frage finden: Wie tanzt man Keith Jarrett?

Der Tänzer und Choreograf Trajal Harrell sei schon immer ein Grenzgänger gewesen, sagt die Tanzkritikerin Dorion Weickmann. Ob japanischer Butoh-Tanz oder Voguing oder eben jetzt Keith Jarrett – Harrell sei immer an neuen Inspirationen interessiert.

Bei "The Köln Concert" konzentriere er sich ganz auf die melancholische Seite der Musik. Passend dazu auch das Setting: "Der Raum ist schwarz und leer. Es stehen nur sieben Klavierbänke darin", beschreibt Weickmann.

Nervenzusammenbruch durch Corona

Die fünf Tänzer und zwei Tänzerinnen seien schwarz gekleidet wie eine Trauergemeinde. Einer nach dem anderen begebe sich aus der Menge heraus und tanze ein Solo, schildert Weickmann: "Was erst einmal sehr dramatisch wirkt, dann aber in einer Art Nervenzusammenbruch mündet."

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Und diese Zusammenbrüche würden auch die Verbindung zur Corona-Pandemie herstellen, sagt Weickmann: nicht sprühend und mitreißend wie Keith Jarretts "The Köln Concert", sondern streng geformt und ins Depressive kippend. Insgesamt sei es ein interessanter Abend gewesen, urteilt die Kritikerin: "Ich finde, es ist gut gelungen, die Unterströmungen aus Keith Jarrett zu ziehen."

(beb)

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