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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.08.2018

"The Factory" bei der RuhrtriennaleStarkes Dokumentartheater

Stefan Keim im Gespräch mit Britta Bürger

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Saad Al Ghefari, Mustafa Kur und Ramzi Choukair (v.l.). "The Factory", PACT Zollverein. Foto: Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018 (Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018)
Die Darsteller Saad Al Ghefari, Mustafa Kur und Ramzi Choukair (v.l.) in "The Factory". (Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018)

Die Theatermacher Mohammad al-Attar und Omar Abussada bringen die Geschichte einer Fabrik in Syrien auf die Bühne der Ruhrtriennale. "The Factory" erzählt von einer Firma, die immer produziert, egal wer an der Macht ist - gut gespielt, mit surrealen Momenten.

IS-Terroristen entführen Arbeiter des Zementwerks Lafarge in Syrien. Die Firmenleitung zahlt die Lösegelder nicht. Als die Terroristen erfahren, dass die Angehörigen die Entführten mit eigenem Geld freikaufen, gewähren sie Rabatte. Der französische Konzern  zahlt Geld an die Islamisten, aber nur damit seine Produkte die Straßensperren passieren dürfen. Insgesamt 5, 5 Millionen Euro sollen da geflossen sein.

Diesen realen Fall haben die syrischen Theatermacher Mohammad al Attar und Omar Abusaada in ihrem neuen Stück "The Factory" aufgegriffen.

Saad Al Ghefari. "The Factory", PACT Zollverein. Foto: Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018 (Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018)Karges Bühnenbild mit starker Wirkung: Saad Al Ghefari in "The Factory". (Ant Palmer/Ruhrtriennale 2018)

Die Anklage richtet sich eindeutig gegen den menschenverachtenden, nur auf seinen Profit bedachten Konzern. Das Ensemble besteht aus einer Frau und drei Männern. Sie verkörpert eine französische Journalistin, die über Jahre hinweg recherchiert, nachdem der Arbeiter Ahmad ihr eine Mail geschrieben hat.

Bewegender Monolog

Der Darsteller Ahmads ist der einzige, der keine Maske trägt. Am Ende erzählt er in einem bewegenden Monolog, wie er sich von einem Taxi zur Firma fahren lässt, obwohl die Truppen des IS im Anmarsch sind. Kurz bevor die Terroristen die Fabrik übernehmen, fliehen die Angestellten. Ahmads Weg führt ihn mit seiner Familie durch viele Gefahren in die Türkei. Dabei verbraucht er sein ganzes Geld, denn ohne Schleuser geht nichts.

Lafarge-Zementfabrik in Syrien (dpa)Lafarge-Zementfabrik in Syrien. (dpa)

Die anderen beiden Männer spielen undurchsichtige Charaktere. Einer ist ein gutaussehender Charmeur, Wissenschaftler und Geschäftsmann, mehrsprachig und gebildet. Er vermittelt zwischen Konzern und IS, handelt völlig gewissenlos und bemäntelt das mit Witz und Charme. Der zweite ist der Sohn eines mächtigen Generals aus dem Assad-Regime, verlässt das Land, als die Revolte ausbricht, ein kontrollierter Mensch, der es gewohnt ist, sich nicht in die Karten schauen zu lassen.

Gut gespielter Abend

Die Inszenierung erzählt die Geschichte der Fabrik aus verschiedenen Perspektiven, chronologisch gebrochen und in einem starken Bühnenbild von Bissane al Charif. Ein großer Betonturm mit Schusslöchern steht im Bühnenhintergrund, aus seinem unteren Teil lässt sich eine Projektionsfläche für Videos zusammen schieben.

Am Ende liegen von innen beleuchtete Helme auf der Bühne, die an die Leute erinnern, die in der Fabrik blieben, als der IS anrückte. "The Factory" ist ein starker, gut gespielter Abend, Dokumentartheater mit surrealen Momenten.

Weitere Termine: 12., 15., 16., 17., 18. August 2018, PACT Zollverein in Essen.  
Die Inszenierung läuft im Rahmen der Ruhrtriennale.

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