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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.08.2016

"The End" in HamburgDie erste virtuelle Pop-Oper der Welt

Alexander Kohlmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Die computeranimierte Sängerin Hatsune Miku ist am 18.08.2016 in Hamburg während der Fotoprobe der Oper "The End" auf der Leinwand zu sehen. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
(picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Eine Kulturgeschichte der Auseinandersetzung mit dem Menschsein, gespiegelt in einem künstlichen Menschen - das ist das Thema der virtuellen Pop-Oper "The End" um das Manga-Mädchen Hatsune Miku. "Ein mitreißendes Drama", findet Alexander Kohlmann.

In Asien werden virtuelle Popstars wie die Manga-Figur Hatsune Miku bereits gefeiert wie früher die Rolling Stones. Hatsune Miku spielt in ausverkauften Stadien, ihre Songs komponieren ihre Fans für sie. Jetzt hat der Komponist Keichiiro Shibuya eine Oper um und für das blauhaarige Mädchen geschrieben: die erste virtuelle Pop-Oper der Welt. Am Donnerstag feierte "The End" beim Internationalen Sommerfestival Hamburg Deutschlandpremiere.

"The End" erzählt die Geschichte Hatsune Mikus, von ihrer Geburt aus tausenden von Pixeln, von der Einsamkeit in der  virtuellen Welt und von ihrem Versuch, dieser Einsamkeit durch Selbstauflösung zu entkommen.

Die virtuelle Welt als Gefängnis

"Ein großes und mitreißendes Drama", meint Alexander Kohlmann über das ungewöhnliche Bühnen-Event, bei der der Komponist die einzige lebende Person auf der Bühne gewesen sei. "Auf der Bühne war die virtuelle Welt wie so ein Gefängnis aufgebaut" - in Form einer kleinen Hütte mit Pixelflimmern. "Und da saß sie dann wirklich in einer kleinen Wohnung teilweise, mit einem Sessel und einer Lampe und guckte uns aus großen traurigen Kulleraugen an."

Zwischendurch führt Hatsune Miku philosophische Gespräche mit einem weißen Kaninchen: "Was macht das Menschsein aus?, hat sie die ganze Zeit gefragt. Da ging es natürlich auch darum, dass ihr bewusst wurde, und das war eigentlich das tragische Moment in diesem Märchen, dass sie ein Mensch ist oder ein Wesen ist, dass nur davon lebt, dass andere sie angucken."

Die computeranimierte Sängerin Hatsune Miku ist am 18.08.2016 in Hamburg während der Fotoprobe der Oper "The End" auf der Leinwand zu sehen. Die Musik für das Stück komponierte Keichiiro Shibuya. Die Deutsche Erstaufführung findet am 18.08. statt. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)Der digitale Superstar Hatsune Miku versucht seinem virtuellen Gefängnis zu entfliehen. (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Am Ende sei es Hatsune Miku tasächlich gelungen, ihrem Gefängnis zu entkommen, wenn auch nur durch einen Akt der Selbstauflösung:

"Es flimmerte und es war so ein bisschen ein inszenierter Selbstmord, dass sie sich langsam vor unseren Augen auflöste, immer blasser wurde, Nebel flutete den leeren Raum, und dann hätte es zu Ende sein können. Aber dann gab es so einen Ausblick, dass wir ihre Stimme immer noch hörten und sie sich fragte: Wo bin ich denn jetzt? Könnt ihr mich noch sehen?"

Vorsorglich Ohrstöpsel ans Publikum verteilt

Letzlich spiegele sich so in dem Geschehen auf der Bühne eine ganze Kulturgeschichte wider, meint Kohlmann.

"Auch solche Sachen wie Maschinenmenschen in der Romantik oder die Geschichte von der kleinen Meerjungfrau. Also die Frage: was macht das Menschsein aus, gespiegelt in einem künstlichen Menschen?"

Musikalisch hätten am Anfang sinfonische Klänge dominiert, am Ende elektronisches Dröhnen und Bummern. "Es wurden vorher schon vorsorglich Ohrstöpsel ausgeteilt."

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