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Breitband | Beitrag vom 16.03.2019

Terror in ChristchurchVom Troll zum Terrorist?

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(imago I zuma press )
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Als die Tech-Konzerne reagierten, da waren bereits mehr als 40 Menschen tot und der Terrorakt live im Internet übertragen worden. Facebook, YouTube und Twitter, sie alle müssen sich fragen lassen, ob sie zu langsam reagierten und ob ihre Löschmodi ausreichend sind, um auch die spätere Verbreitung von den grausamen Bildern der Morde zu verhindern?

Ankündigung vor der Tat

Zusätzlich wurde die Tat wenige Stunden zuvor auf der Plattform 8chan angekündigt. Der Täter von Christchurch hat keinen Hehl um sein Anliegen gemacht. Doch in der Masse von rechten Memes, Shitpostern und anderen radikalen Inhalten, ist jemand der nur schreibt und jemand, der zur Tat schreiten wird, nicht klar zu identifizieren. 

Das "Manifest" ist durchzogen von Andeutungen auf Memes, die zu einer Art Humor-Kanon des Internet gehören. So rief der Attentäter kurz vor der Tat "Subscribe to Pewdiepie", womit er auf einen Wettbewerb von Fans des schwedischen Videoproduzenten anspielt. Dabei geht es darum, dass dessen Account weitherin die meisten Subscriber auf YouTube hat. Beides sind keine klar rechten Memes, selbst wenn Pewdiepie in der Vergangenheit mit teils rassistischen Aussagen auffiel. Es liest sich eher so, als wollte der Attentäter ein spezielles Publikum beim Internetforum 8chan bedienen.

Massenmord mit Fan-Publikum

Es wirkt als würde dort jemand versuchen durch Massenmord ewigen Internet-Ruhm in der rechten Szene zu erlangen. Doch gleichzeitig nutzt der Autor des "Manifests" auch gezielt die Technik des Shitpostings, womit versucht wird einen Diskurs durch massenweise Tweets, Post und Nachrichten auf aggressive Weise zu steuern.

Ist hier ein Troll zum Terrorist geworden? Und hat somit die rechtsradikale Szene im Netz seit Jahren zu wenig Beachtung erfahren? Ist eine toxische Internetkultur schuld? Und wie kann eine Gesellschaft damit umgehen, dass jemand mit einer Vielzahl an Sturmgewehren und Schrotflinten unschuldige Menschen erschießt, dies live streamt und das Ganze - vielleicht zur Ablenkung - mit einem Internet-Witz beginnt.

Zusammen mit Karoline Schwarz analysieren wir das Netzverhalten des Täters.

Breitband

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