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Lesart / Archiv | Beitrag vom 23.01.2017

Terézia MoraDer Anfang liegt im Chaos in der Küche

Moderation: Frank Meyer

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Die Autorin Terezia Mora (dpa)
Die Autorin Terezia Mora (dpa)

Terézia Mora hat schon den Deutschen Buchpreis und den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen, jetzt wird sie auch noch mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede verrät sie, dass ihre Texte unter teils widrigen Bedingungen entstehen.

Terézia Mora ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen hierzulande. Heute bekommt sie den Bremer Literaturpreis, für ihren Erzählband "Die Liebe unter Aliens", in dem sie, so die Jury, "mit Nüchternheit und Emphase gleichermaßen das Innenleben ihrer Figuren zu Panoramen der Seele ausfaltet". Ihre Texte seien genau komponiert, sprachmächtig und mit Sinn für Rhythmus und Melodie.

Mora will eine besondere Dankesrede halten – sie entwirft von sich ein Bild, in dem sie in einer chaotischen Wohnung - mit lärmendem Fernseher, einem kranken Kind und einem schlafenden Mann – sitzt und versucht zu arbeiten: "So muss ich Weltliteratur schreiben!"

Sich so zu zeigen sei ihr weniger peinlich als die andere, bei Preisverleihungen übliche Inszenierung, sagte sie im Deutschlandradio Kultur: "... nämlich herauszustellen, dass ich die Weisheit mit Löffeln gegessen und wahnsinnig viel gelesen habe".

Ohne Lesen kann man nicht schreiben

Letzteres stimme aber tatsächlich, sagte Mora: Ohne das ständige Lesen könne man auch keine Texte schreiben. Schreiben entstehe aus dem Lesen, aber auch aus dem Alltag, betonte sie.

"Bei solchen Reden erwartet man ja immer von einem, dass man die Welt dann rettet in dieser Rede – und die Wahrheit ist aber diese hier. Dass es anfängt in diesem Chaos in der Küche."

Sie habe dieselben Ängste wie die meisten Menschen, verriet Mora in dem Gespräch: fliegen und öffentlich reden. Als ihr klar geworden sei, dass sie in Bremen eine Rede halten müsse, habe sie kurzfristig Panik bekommen. Nach einer Fressattacke fing sie dann an, die Rede zu schreiben und arbeitete sich dadurch wieder heraus:

"Man kann zufrieden sein, wenn es dann so endet."

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