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Lesart / Archiv | Beitrag vom 15.06.2015

Tejú Coles Debüt jetzt auf Deutsch"Das Buch hat etwas in mir geöffnet"

Teju Coles im Gespräch mit Maike Albath

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Der nigerianisch-amerikanischer Schriftsteller Teju Cole (Deutschlandradio / Torben Waleczek)
Der nigerianisch-amerikanische Schriftsteller Teju Cole (Deutschlandradio / Torben Waleczek)

Mit "Open City" wurde Tejú Cole einem breiten Publikum bekannt. Nun ist "Jeder Tag gehört dem Dieb", der erste Roman des nigerianisch-amerikanischen Autors, auf Deutsch erschienen. Durch dieses Buch habe er sich seiner Heimat Nigeria wieder nähern können, sagt Cole.

Das Umhergehen, Abtasten und Aufsaugen der Umgebung kennzeichnet die Figuren von Tejú Cole, der mit dem Großstadtroman "Open City" 2012 bei uns bekannt wurde. New York und Brüssel waren dort der Gegenstand seiner literarischen Tiefenbohrungen.

Sein bereits 2007 veröffentlichter erster Roman "Jeder Tag gehört dem Dieb" dagegen spielt in dem Land, aus dem Coles Eltern stammen und in dem er aufwuchs: Nigeria. Das Buch ist nun auch auf Deutsch erschienen. Obwohl der studierte Kunsthistoriker mit "Open City" seinen ersten großen Auftritt als Schriftsteller hingelegt hat, war es eigentlich nie ein Geheimnis, dass es schon einen früheren Roman von ihm gab, den allerdings kaum jemand gelesen hatte. Aus dem einfachen Grund, weil er in einem nigerianischen Verlag erschienen ist.

Eine Farce über Korruption und Gewalt

"Jeder Tag gehört dem Dieb" ist das Buch eines Heimkehrers: Die Geschichte setzt im nigerianischen Konsulat in New York ein. Der namenlose Ich-Erzähler, ein Medizin-Student aus New York, will sich einen nigerianischen Pass besorgen, bevor er erstmals seit 15 Jahren wieder nach Lagos reist, die Stadt seiner Jugend. Die Angestellten des Konsulats bieten einen speziellen Service an: Gegen eine Gebühr, die auf einer gesonderten Zahlungsanweisung zu übergeben ist, beschleunigen sie das Verfahren. Dies ist der Auftakt für eine deprimierende Farce über Korruption und Gewalt in Nigeria.

"Das Buch hat offenbar in mir etwas geöffnet", sagt Tejú Cole, der mit 17 zum Studium in die USA und nach England gegangen war und erstmals für seine Arbeit an dem Roman nach Lagos zurückkehrte. Seit der Buch erschienen sei, sei er wieder regelmäßig in die alte Heimat gereist. Und nun arbeitet er an einem Sachbuch über Nigeria.

"Ich habe den Anspruch, auch mein Sachbuch mit der gleichen Sensibilität zu schreiben wie meine Romane", betont Cole. Diagnose und Analyse faszinieren ihn. Deshalb hätte er sich auch  vorstellen können,  Arzt  oder Psychologe zu werden –  wie seine Roman-Protagonisten.

Teju Cole: "Jeder Tag gehört dem Dieb"
Roman, Hanser Verlag, 2014 
176 Seiten, 18,90 Euro

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