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Kompressor | Beitrag vom 20.02.2020

Technomusikerin Marie Davidson Stress beim Touren

Caren Miesenberger im Gespräch mit Massimo Maio

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Marie Davidson performt beim Polaris Music Prize in Toronto im September 2019. (THE CANADIAN PRESS/Nathan Denette)
Licht und Schatten: Marie Davidson auf Tour. (THE CANADIAN PRESS/Nathan Denette)

Es geht auf ihrem Album um Arbeit und um die Arbeitsstrukturen, in denen wir uns befinden. Marie Davidson selbst ist von ihrer Arbeit als Musikerin ausgebrannt – das zeigt eine Doku über sie. Journalistin Caren Miesenberger hat sie gesehen.

Ein Album von Marie Davidson heißt "Working Class Woman." Die kanadische Musikerin ist selbst Arbeiterinnenkind. Und sie hat vorher, bevor sie selbst angefangen hat, Musik zu machen, neun Jahre professionell gekellnert. "Sie hat sich in einem Interview auch super-positiv über den Job geäußert, obwohl der ja in unserer klassistischen Welt stark abgewertet wird", sagt Caren Miesenberger.

Die Doku zeige etwas, was eigentlich schon bekannt ist, aber immer noch ein Tabu in der Branche. Nämlich, dass Touren total an den Nerven und der mentalen Gesundheit von Künstlerinnen und Künstlern zerren könne. Es gebe ja dieses Bild davon, dass Touren Partys seien, Drogen, Fans, man ist in Hotelzimmern. Aber wenn man sich das mal genauer anguckt, könne es Leute total fertig machen.

"Ich habe chronische Schlaflosigkeit", sagt Davidson in der Dokumentation. "Es wird schlimmer, wenn ich toure. Jede Tour ist eine Herausforderung. Als ich anfing, wusste ich nicht, dass es so schlimm werden würde."

Eigentlich sollte ich doch eine super Zeit haben!"

Marie Davidson spielt nicht in der Top-Liga elektronischer Musikerinnen und Musiker, eher im Mittelfeld. Dennoch reist sie viel, was an ihren Nerven zieht ­– und darüber spricht sie auch in der Doku:

"Ich hasse mich dafür, dass ich es nicht schaffe, einzuschlafen. Und ich hasse mich dafür, dass ich es nicht schaffe, die Tour zu genießen. Eigentlich sollte ich doch eine super Zeit haben!"

Dieser Druck an sich sei nichts Neues, sagt Journalistin Miesenberger. "Es ist bekannt, aber trotzdem ist es ein Tabu, darüber zu sprechen – vor allem für diejenigen, die nicht auf diesem Top-Level spielen." Caren Miesenberger hat mehrere Bookerinnen und Tourmanager angefragt. Eine Person wollte mit ihr über das Thema sprechen, die anderen haben gesagt: "Nee, nicht so gerne", erzählt sie.

"Sie meinten auch, dass es ein wichtiges Thema sei. Aber sie wollten nicht unbedingt öffentlich darüber sprechen, dass es eine große Belastung sei – und das ist natürlich auch eine Aussage."

Marie Davidson hat zwar angekündigt, dass sie weitermachen wird. Sie wird aber nicht mehr touren. Es sei nicht so, dass sie sagt: "Oah, die ganze Branche, ich werf jetzt das Handtuch", erzählt Miesenberger. Davidson höre aber auf, live als Solo-Künstlerin unterwegs zu sein.

Das ist sehr, sehr schade, findet Caren Miesenberger: "Die Welt bräuchte echt mehr witzige und kritische KünstlerInnen aus der Arbeiterklasse wie sie."

(ros)

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