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Kompressor | Beitrag vom 18.06.2019

Techno-Geschichte im Humboldt-ForumDie "Tresor"-Tür kommt ins Museum

Dimitri Hegemann im Gespräch mit Gesa Ufer

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Die Stahltür des Berliner Techno-Klubs "Tresor" steht jetzt im Berliner Humboldt-Forum. Durch die Tür hindurch blicken: Paul Spies (l-r), Direktor Stadtmuseum Berlin und Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum, Dimitri Hegemann, Gründer des Techno-Clubs Tresor und Leihgeber der Tresortür, Moritz van Dülmen, Geschäftsführer Kulturprojekte Berlin, und Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. (dpa / picture-alliance / Bernd von Jutrczenka)
Im Berliner Humboldtforum können Besucher jetzt die Stahltür des Berliner Technoclubs Tresor besichtigen. Dimitri Hegemann (2.v.l.) gründete den Club in den 90ern. (dpa / picture-alliance / Bernd von Jutrczenka)

"Die Tür war ein Symbol für den Aufbruch einer ganzen Generation in eine neue Musikepoche", sagt Dimitri Hegemann, Gründer des Berliner Technoclubs Tresor. Zufällig hatte er den verlassenen Tresorraum entdeckt und zum Mekka für Technofans gemacht.

Der Pergamon-Altar, die Nofretete - Klassiker der Berliner Museumslandschaft. Doch nun landet mit der dreieinhalb Tonnen schweren Stahltür des Clubs Tresor auch ein Stück Technogeschichte im Berliner Humboldt-Forum. Die Stiftung Humboldt Forum und "Kulturprojekte Berlin" erklärte, die Tresortür stehe wie kaum ein anderes Teil "für die bewegte Geschichte der Stadt über die letzten einhundert Jahre". 

Bar- und Diskothekbereich im ehemaligen Tresorraum der Kaufhaus Wertheim in Berlin, der zum Technoclub Tresor umgewidmet wurde.  (imago / Christian Ditsch)Der Berliner Technoclub "Tresor" in den 90ern. In der Stadt herrschte eine große Euphorie, erinnert sich Dmitri Hegemann. (imago / Christian Ditsch)

Anfang der 90er-Jahre war der Tresor der wahrscheinlich berühmteste Technoclub der Welt. Einem Zufall war es zu verdanken, dass Dimitri Hegemann Ende 1990 den verlassenen Tresorraum des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses entdeckte. Mit Freunden war er in Berlin auf der Suche nach einem Ort, an dem er Detroit Techno spielen konnte - eine neue, ungewöhnliche Musik, "Musik, die keiner so richtig kannte", sagt Hegemann.

Vergessene Unterwelt

Eine alte Baracke in der Leipziger Straße weckte ihre Aufmerksamkeit. Ein Hausmeister führte sie durch die verlassenen Räume des Kaufhauses. Da entdeckte Hegemann hinter einem Regal eine alte Stahltür, ein Schlüsselerlebnis für ihn:

"Eine Treppe führte hinunter in eine Art unglaubliche Unterwelt. Und innerhalb dieser Unterwelt war dieser Tresorraum. Man war so ergriffen: Mit dem Feuerzeug stand man da. Die Schließfächer schauten einen an, die Wände sprachen zu mir, die kalte, alte Luft kam einem entgegen. Das war ein magischer Moment. Als würde man die Pyramide öffnen."

"Aufbruch einer ganzen Generation"

Jahrzehntelang hatte das alte Berliner Kaufhaus in einem Dornröschenschlaf gelegen, nun wurde es von den Technojüngern wachgeküsst. Die schwere Metalltür wurde zu ihrer Pilgerstätte.

"Die Tür war ein Symbol für den Aufbruch einer ganzen Generation in eine neue Musikepoche. Durch den Mauerfall, war die Stadt von einer unglaubliche Euphorie infiziert", erinnert sich Hegemann. Techno war der Sound der Stunde. "Musik ohne Botschaften. Traurige, harte Musik. Man konnte sich frei tanzen in dunklen Räumen, die alle so unfertig waren. Das war wirklich ein Aufbruch."

(mwl)

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