Seit 17:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 12.08.2020
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Tonart | Beitrag vom 24.07.2020

Taylor Swifts „Folklore“ Eskapismus statt klare Worte

Jenni Zylka im Gespräch mit Vivian Perkovic

Beitrag hören
Die Musikerin Taylor Swift: Miss Americana (dpa / Everett Collection / Netflix)
Nichts ist poppig an Taylor Swifts neuem Album "Folklore", kritisiert unsere Rezensentin. (dpa / Everett Collection / Netflix)

Am Vortag auf Instagram angekündigt und kaum ein paar Stunden später ist das neue Taylor Swift Album schon draußen. Musikkritikerin Jenni Zylka hat es gehört und findet: Viel zu farblos, viel zu unpolitisch.

Passend zum Titel "Folklore" klingt das neue Album von Taylor Swift "ruhig, fast melancholisch mit viel Gitarre und Klavier", sagt Jenni Zylka, dazu die harmonischen Gesänge von Taylor Swift: "Nichts ist poppig oder boomt oder ist tanzbar". Stattdessen geht es im Album um das Innere des Popstars, der sich, wie Swift selbst sagt, im Lockdown in Geschichten und Fantasie geflüchtet habe, vor allem aber in ihre eigene Vergangenheit.

Kein Wort zu Corona 

Die Texte behandeln dementsprechend "das romantische Ich und Du, Versäumnisse bei Teenagerfreundschaften, die Kindheit. Alles poptypisch auch recht vage, und trotz klanglicher Intimität auch recht unpersönlich, damit eben jeder und jede es interpretieren kann", sagt Kritikerin Jenni Zylka.

In das Stück "Peace" etwa lesen viele Fans einen Schwangerschaftswunsch der Künstlerin. Soundlich sei das Stück reduziert und damit typisch für die ganze Platte:

Für das Album hat Swift mit einigen anderen Künstlern zusammengearbeitet, wie Aaron Dessna von The National, Justin Vernon von Bon Iver oder Jack Antonoff von der Band Bleachers, das sei den Songs aber kaum anzuhören. Die Düsterheit von The National etwa fehle, findet Zylka. Einzige Ausnahme: Der Song "Mad Woman", der aber dennoch recht farblos bleibt.

Und obwohl Swift behauptet, der Corona-Lockdown habe sie zu dem Album inspiriert, fehlen für Zylka Bezüge zur politischen Situation, die bei Taylor Swift eigentlich durchaus keine Seltenheit mehr sind:

"Kein Wort über Corona oder die Coronapolitik ihres Landes oder wie die Krise zeigt, was alles falsch läuft in der Welt." Das sei zwar zeitlos, mache das Album aber auch flach und allgemeingültig, sagt Zylka: "Eskapismus statt klare Worte. Und das finde ich schade, weil mich eigentlich interessieren würde, welchen Einfluss diese Krise, diese Einsamkeit, die Veränderung der Gesellschaft auf sie persönlich hat."

Mehr zum Thema

Netflix-Doku "Miss Americana" Taylor Swift ganz nah – aber unvollständig

Taylor Swift bei den American Music Awards Triumph der neuen Queen of Pop

US-Superstar Taylor Swift Liebe oder Politik? Liebe!

Tonart

Produzentin Linda PerryMastermind und Hitmaschine
Musikproduzentin Linda Perry (picture alliance / Invision / AP Photo / Rebecca Cabage)

Anfang der 90er galt Linda Perry als Popstar, war Frontfrau der 4 Non Blondes. Doch statt den Höhenflug fortzusetzen, verlegte sie sich auf die Arbeit hinter den Kulissen und ist als Produzentin noch erfolgreicher.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur