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Konzert / Archiv | Beitrag vom 07.05.2014

Tanzen quer durch Europa

Niederländisches RSO spielt zu Ehren des neuen Königs

Concertgebouw Amsterdam (Walter Vorwerk)
Concertgebouw Amsterdam (Walter Vorwerk)

Sonnabends Viertel nach Zwei – krummer geht's nicht. Doch diese Anfangszeit steht seit 53 Jahren im Amsterdamer Concertgebouw für hervorragende musikalische Qualität. Niemand Geringeres als die Arbeiterschaft der Grachtenmetropole hat die Niederländische Radiophilharmonie im Blick, wenn sie regelmäßig zur Mittagszeit zum Konzert bittet.

Diesmal sollte es dem neugierigen Publikum besonders leicht fallen, den Weg zu finden – das Orchester hat zusammen mit dem österreichischen Dirigenten Hans Graf und den drei Solisten ein besonders ausgefallenes Programm zusammen gestellt. Tänze von Wolfgang Amadeus Mozart und Alexander Borodin, die die deutsche Seele und eurasischen Geist offenbaren, folgen auf ein typisch niederländisches Eröffnungsstück, die Königsfanfare von Leo Samama. Dieses Werk für Blechbläser und Schlagzeug erklingt als Uraufführung und ist ein Geburtstagsgeschenk für den neuen König des Landes, Willem Alexander, anlässlich seines ersten Geburtstages! Samama meint natürlich seinen ersten Geburtstag als Regent.

Aus München kommt Florian Magnus Maier, ein Gitarrist und Komponist, der seit zwanzig Jahren in den Niederlanden lebt. Er steuert zu dem Konzert eine eigene Komposition bei, die er mit dem Amsterdamer Kollegen Izhar Elias aufführen wird – „Schattenspiel" für E-Gitarre, Gitarre und Sinfonieorchester. Eine spannende, akustisch herausfordernde Kombination, denn es bleibt immer die Frage, wie sich die zarte Gitarre gegen den gewaltigen Orchesterapparat behaupten kann. Auch dieses Werk ist ein Auftragswerk des Niederländischen Rundfunks.

Da hat es die Violine schon einfacher – der finnische Nationalkomponist Jean Sibelius war selbst Geiger und bewarb sich 1890 als Mitglied bei den Wiener Philharmonikern – erfolglos, wohl seiner schwachen Nerven wegen. Aus dieser Zeit stammt seine Vorliebe zur Geige als Soloinstrument. Dem bärigen Finnen traut man es gar nicht zu – aber er hat auch Humoresken komponiert, gleich vier an der Zahl für sein Instrument und Begleitung. Der Solist bei diesem Konzert ist der Konzertmeister der Niederländischen Radiophilharmonie, Joris van Rijn.

Und noch einmal Wien – Franz Schmidt schaffte es anders als Sibelius ins Wiener Elite-Orchester – als Cellist. Sein Ruhm als Komponist dagegen blieb trotz einiger großer Werke eher blass. Seine Oper Notre Dame gehört zu diesen großen Stücken – vor genau einhundert Jahren wurde sie am Vorabend des Ersten Weltkrieges in Wien uraufgeführt (nachdem sie Gustav Mahler und Felix Weingartner abgelehnt hatten). Diese Hugo-Oper wird hie und da noch heute aufgeführt. Am lebendigsten auch im Konzertsaal vertreten ist das Zwischenspiel aus dem ersten Akt, das die Niederländische Radiophilharmonie zum scharnierhaften Mittelpunkt ihrer "Zaterdagmatinee" macht.


Concertgebouw Amsterdam
Aufzeichnung vom 26.04.2014

Leo Samama
Koningsfanfare

Wolfgang Amadeus Mozart
Sechs deutsche Tänze KV 571

Florian Magnus Maier
Schattenspiel

Franz Schmidt
Zwischenspiel aus "Notre Dame"

Jean Sibelius
Humoresken für Violine und Orchester op. 89 Nr. 1-4

Alexander Borodin
Polowetzer Tänze aus "Fürst Igor"

Florian Magnus Maier, Gitarre
Izhar Elias, Gitarre
Joris van Rijn, Violine
Radio Filharmonisch Orkest
Leitung: Hans Graf

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