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Fazit | Beitrag vom 09.08.2019

Tanz im August 2019Eine eher durchwachsene Eröffnung

Von Elisabeth Nehring

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Die Choreografin Deboray Hay bei einem Auftritt im HAU Berlin. (Camille Blake)
Deborah Hay gilt als eine der einflussreichsten weiblichen Tanzkünstlerinnen des amerikanischen postmodern dance. (Camille Blake)

Die Choreografin Deborah Hay steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des "Tanz im August"-Festivals. Mit ihrem Solo zur Eröffnung überzeugte die fast 80-Jährige unsere Kritikerin, was man von den ebenfalls dargebotenen Gruppenaufführungen nicht sagen kann.

Das diesjährige "Tanz im August"-Festival in Berlin stellt neben den internationalen und lokalen Programmteilen mit einer "RE-Perspective" die amerikanische Choreografin Deborah Hay in den Mittelpunkt seiner Festivalwerkschau.

Deborah Hay, geboren 1941, gilt zu Recht als eine der einflussreichsten weiblichen Tanzkünstlerinnen des amerikanischen postmodern dance. Tänzerin und Choreografin, aber vor allem Bewegungsforscherin und Philosophin – so kann man das Profil der inzwischen fast 80-Jährigen beschreiben.

Ihr Solo 'my choreographed body …revisited', das am Eröffnungsabend uraufgeführt wurde, beweist, wie subtil sie die Forschung an und mit dem Körper betreibt: Jede Bewegung wird in den Sekunden vor dem Vollzug untersucht, justiert, nachjustiert, erspürt. Ein Tanz, in dem nichts selbstverständlich ist.

Die Choreografin Deborah Hay auf der Bühne, den Blick zum Boden gerichtet, die Arme auseinandergestreckt, den Oberkörper leicht nach unten und nach links geneigt. (Camilla Greenwell)Das Solo der fast 80-Jährigen überzeugte. (Camilla Greenwell)

Die Übertragung dieser Prinzipien auf eine fünfköpfige Gruppe jüngerer Tänzer und Tänzerinnen gelingt nur teilweise. In 'Animals on the beach' beginnt jeder für sich mit dem Austesten der Positionen, den tastenden Schritten, dem In-sich-Hineinhorchen. Um die pure Bewegung und die Unterschiede der verschiedenen Persönlichkeiten, die sie ausagieren, geht es hier – doch haftet 'Animals on the beach' viel Sprödigkeit an.

Auch die Deutschlandpremiere von Catherine Gaudets 'The Fading of the Marvelous', in der fünf halbnackte Tänzerinnen und Tänzer eine stete Transformation unterschiedlichster Expressionen durchlaufen, evoziert – bei aller Anerkennung für die starke Performance – eine gewisse choreografische Vorhersehbarkeit – und die Festivaleröffnung von Tanz im August 2019 damit einen eher durchwachsenen Eindruck.

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